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Lkw-Rundlauf nach China

Alblas setzt auf Seidenstraße

Spedition Alblas Foto: Alblas 10 Bilder

Der Logistikdienstleister Alblas setzt auf die neue Seidenstraße. Niederländer streben Laufzeit von zehn Tagen mit dem Lkw an.

Mit dem Lkw über die Seidenstraße nach China – was derzeit für Schlagzeilen sorgt, ist für den niederländischen Logistiker Alblas schon seit 2005 Normalität. Das Familienunternehmen will nicht zuletzt Gefahrgutverkehre ausbauen, denn hier sind Flugzeug oder Zug nicht am Start, und der Zeitvorteil gegenüber dem Schiff ist beträchtlich.

„Wir bieten Kunden mit besonderen Ansprüchen flexible Lösungen“, sagt Geschäftsführer Jan Alblas. Dabei geht es um Zeitersparnisse gegenüber dem Schiff, aber auch um temperaturgeführte Transporte, die von der Fahrerkabine eines Lkw aus viel besser zu steuern sind als bei jedem anderen Verkehrsmittel. Seit 2018 das zollrechtliche Versandverfahren TIR mit China aktiviert wurde, sieht Alblas neue Möglichkeiten für den Lkw, zumal die Bahn öfter an Kapazitätsgrenzen stoße. China werde weitere Zollbüros an der Grenze zu Kasachstan eröffnen, sagt Alblas, damit werde die Verbindung noch verlässlicher und schneller.

Premiere: Von China nach Polen

Das erste Mal war sein Unternehmen im November 2018 in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, als ein Alblas-Fahrzeug in 13 Tagen die Strecke von Korgas im Nordwesten Chinas nach Polen zurücklegte. Die Holländer hatten sich für diesen Pilotversuch mit Ceva Logis­tics, Shanghai Jet-Rail und der Internationalen Straßentransport­organisation (IRU) zusammengetan. Seitdem gab es zwei weitere Testfahrten, auch von Europa nach China, die in der Branche Aufsehen erregten und bei Alblas den Ehrgeiz nach mehr förderten.

„Wir sind erfreut über die Testergebnisse, sehen aber noch Raum für Verbesserungen, um die ideale Transportzeit von zehn Tagen zu erreichen“, sagte Jan Alblas damals. Jetzt ist geplant, mit Ceva noch in diesem Jahr einen Regelbetrieb zu starten, mit dem Kleidungskollektionen von Haustür zu Haustür schnell nach Europa gelangen. Zweimal pro Woche soll es einen solchen Rundlauf geben. Beim ersten Mal wurde die 13.600 Kilometer lange Strecke von Südchina über Kasachstan, Russland, Weißrussland Polen, Deutschland und Frankreich bis nach Spanien in 16 Tagen zurückgelegt.

Der Pioniergeist liegt offenbar in der Firmen-DNA. Lange vor dem Fall der Mauer war Alblas bereits in Polen tätig gewesen und richtete sich 2005 von dort auch schon mit regelmäßigen Verkehren nach China aus. Dort gibt es längst eine Niederlassung als 100-prozentige Tochter mit zwei MAN-Lkw als Imageförderer und Qualitätskennzeichen und zwei eigenen Fahrern. Wenn man Erfahrungen selbst mache und die Abläufe kenne, ließen sich auch die Subunternehmer besser steuern, führt Jan Alblas aus.

Lizenz für China

Er verfügt nach eigenen Angaben bislang als Einziger in Europa über eine internationale Transportlizenz in China und konnte so die Touren über die Seidenstraße mit eigenen Fahrzeugen und eigenem Personal abwickeln. „Dabei halten wir uns strikt an die in der EU geltenden Lenk- und Ruhezeiten“, sagt der Unternehmer. Eingesetzt würden Fahrer aus den polnischen und rumänischen Niederlassungen des Unternehmens, meist in Doppelbesetzung, um schnellere Transporte bieten zu können. „Wir sind sehr zufrieden mit dieser Lösung und die Fahrer auch“, betont er. Sie arbeiteten gern auf Langstrecken, und das Unternehmen schätze es, wenn sie auf der Route ihre Rus­sischkenntnisse mitbrächten, die in Zentralasien von Vorteil seien.

Noch hat das Geschäft zwischen China und Europa zwar keinen sehr großen Anteil, aber der soll jetzt zügig wachsen. Gleiches gilt laut einer Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman allerdings auch für Logistikdienstleister aus China, die nach Europa drängen. Möglichkeiten sieht der Firmenchef unter anderem beim Transport von Batterien. „Das ist ein besonderer Markt, der ziemlich stark wachsen wird“, sagt er. Lithium-Ionen-Batterien sind als Gefahrgut im Flieger nicht zugelassen, und Russland duldet auf seinem Territorium keine Züge mit dem explosionsgefährdeten Gut.

Derzeit sucht Alblas noch Kooperationspartner, damit die Lkw zumindest bis Kasachstan auf dem Weg nach Osten besser ausgelastet sind. Als erstes ausländisches Transportunternehmen mit einer Niederlassung in China habe seine Firma es dort sogar in die nationalen Fernsehnachrichten geschafft, erzählt Alblas. Trotzdem ist China für ihn nicht das alles bestimmende Thema. „Wir haben in unserer über 100-jährigen Geschichte gelernt, dass es wichtig ist, sich nicht von einem einzigen Geschäftsfeld abhängig zu machen.“

Das Unternehmen

  • Alblas Internationaal Transport mit Sitz in ’s-Gravendeel (Provinz Südholland) wurde 1896 gegründet, damals noch als Schiffsliniendienst für Transporte nach Rotterdam.
  • Schon vor dem Fall der Mauer war Alblas in Polen tätig und richtete sich von dort nach China aus. Das Unternehmen verfügt dort über zwei Läger mit insgesamt 3.000 Palettenstellplätzen, eines in Schanghai im Osten des Landes, ein weiteres liegt im westlichen Urumqi.
  • In Deutschland hat Alblas in Hamburg sowie in Jacobsdorf an der polnischen Grenze und im nordrhein-westfälischen Gildenhaus Platz für 6.000 Paletten. Vor drei Jahren kamen in Emsbüren 7.500 Palettenstellplätze für Gefahrgut hinzu. Zur Flotte zählen 150 Zugmaschinen und 250 Auflieger.
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