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Laderaum-Mangel spitzt sich zu Instafreight verstärkt sich auf Spotmarkt

Foto: Instafreight/China1_stockadobe.com

Die digitale Logistikplattform Instafreight sieht einen steigenden Bedarf nach Ladung auf dem Spotmarkt - ebenso nach Bahntransporten. So reagiert sie darauf.

Der Transportmarkt ist in Bewegung. Experten sind sich einig, dass infolge des EU-Mobilitätspakets weiterer Laderaum verloren geht. Die Kapazitäten waren schon vorher knapp, sodass sich die Situation nun verschärfen dürfte. Die digitale Logistikplattform Instafreight aus Berlin beobachtet einen regelrechten Run auf Kapazitäten auf dem Spotmarkt, verbunden mit den entsprechenden Preissprüngen, und will ihr Engagement dort deutlich ausbauen. „Unser Anspruch ist es, neben unseren Ambitionen in Hinblick auf das Transportmanagement, unter anderem der führende Anbieter für Spotprodukte in Europa zu werden“, erklärt Instafreight-Mitbegründer und -Geschäftsführer Maximilian Schäfer im Gespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell.

Der Instafreight-Chef hält die Pflicht zur regelmäßigen Rückkehr der Lkw für einen kapitalen Fehler, weil dem Markt dringend benötigte Kapazitäten entzogen würden. Schäfer ist überzeugt: „Das ist ein unfassbarer Rückschritt, der nicht nur einen Einschnitt im Lkw-Verkehr zur Folge haben, sondern auch die deutsche Wirtschaftsleistung schwächen wird.“ Egal, mit wem er sich darüber unterhalte – jeder fasse sich an den Kopf. Der Unternehmer geht deshalb davon aus, dass das Mobilitätspaket bald kippen beziehungsweise wieder aufgeschnürt wird. „Es passt überhaupt nicht in Zeiten, in denen es die Lkw-Knappheit und der Fahrermangel bereits in die Mainstream-Medien geschafft haben.“ Der Gesetzgeber könne doch kein Interesse daran haben, diese offensichtlichen Engpässe noch weiter zu verschärfen.

Instafreight will kleinere Frachtführer an sich binden

Um den Bedarf an kurzfristigem Frachtraum zu bedienen, ist die Digitalspedition dabei, ihr Engagement hier weiter auszubauen. Ein Ansatz dabei: Sie will verstärkt kleinere Frachtführer an sich binden, die angesichts der Preisentwicklung auf dem Spotmarkt ohnehin keine festen Verträge mehr anstreben, sondern lieber für kurzfristige, besser bezahlte Charteraufträge zur Verfügung stehen. „Wir schaffen es sehr effizient, diese Kapazitäten anzusteuern“, erläutert Maximilian Schäfer. „Dadurch können wir dazu beitragen, den Laderaummangel ein Stück weit zu entschärfen.“

Von Vorteil dabei: Instafreight unterhält bereits ein Partnernetzwerk von rund 25.000 Frachtführern, auf die das Unternehmen zugreifen kann. Und hier kommt im Fall der Digitalspedition die Digitalkompetenz ins Spiel: ­Instafreight hat diese Carrier nicht nur digital angebunden, sondern auch umfangreiche Kenntnisse über deren Kapazitäten, ihr Equipment, ihre Stammrelationen und vieles mehr. „Wir wissen nicht nur, welcher Partner die Ladung fahren kann, sondern können die Aufträge auch direkt vom Verlader an die Carrier durchrouten“, erläutert Schäfer.

Das sei der große Unterschied zur Frachtenbörse, deren Fokus auf der Vermittlung liege. Insta-freight übernehme die komplette Auftragsabwicklung: von der Transportvergabe über das Routing und den Ablieferbeleg bis zur Rechnungsstellung. Dabei sieht sich Instafreight als ein für beide Seiten fairer Partner an, was die Onlinespedition an Zahlen festmacht: Der von ihr mithilfe von Algorithmen vorgeschlagene Preis im Spotgeschäft werde in 50 Prozent aller Fälle akzeptiert. „Und die Fulfilment-Quote liegt bei 98 Prozent“, sagt Schäfer nicht ohne Stolz. Soll heißen: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ladung abgefahren wird, liegt bei 98 Prozent. So gut wie nie bleibt der Verlader demnach auf der Ware sitzen.

Transport Management als 4PL-Produkt für Landtransport

Auch in anderer Hinsicht will Instafreight bei großen Verladern punkten – mit dem im vorigen Jahr gestarteten Angebot Insta­freight Transport Management als 4PL-Produkt für den europäi­schen Landtransport. Die Idee: Auftraggeber greifen auf eine zentrale Plattform zu, an die alle Transportpartner angebunden sind – ihre eigenen plus die von Instafreight. Verlader müssen ihre Transportdienstleister also nicht mehr aufwendig an ihr System anbinden und sich mit Schnittstellen und administrativen Dingen beschäftigen, sondern können diese Dinge Instafreight überlassen. Auf dem Dashboard können sie alle wesentlichen Daten zu den Transportunternehmen und den Transportaufträgen abrufen. Instafreight managt dabei den kompletten Transportprozess inklusive Tracking, Rechnungsstellung und Reporting. Das Angebot lässt sich via API (Application Programming Interface) an die jeweiligen IT-Landschaften der Verlader anbinden.

Mehrere Großkunden nutzen das Angebot nach Instafreight-Angaben bereits, etwa der Schweizer Möbelhersteller Vitra oder der Antriebsspezialist Flender aus Bocholt, der früher zu Siemens gehörte. Als Vorteile nennt Insta­freight einmal die Transparenz der Prozesse – zum Beispiel die Information, welche Fahrzeuge verfügbar sind beziehungsweise wann die befrachteten Lkw am Empfangsort eintreffen. Zum anderen wirft Instafreight seinen Pool an 25.000 Transportpartnern in die Waagschale, über die Verlader quasi über Nacht verfügen könnten.

trans aktuell-Symposium Digitalisierung bei Schwarz Logistik 2021 Foto: Thomas Küppers
„Die Rückkehrpflicht für Lkw ist ein unfassbarer Rückschritt“: Instafreight-Mitbegründer Maximilian Schäfer zu den Auswirkungen des EU-Mobilitätspakets.


Wachsenden Bedarf erkennt die digitale Logistikplattform auch beim Thema Nachhaltigkeit – konkret bei klimafreundlichen Transporten. Als Reaktion auf die Coronakrise und die Schwankungen in der Seefracht hatte Instafreight begonnen, Containerverkehre von und nach Asien auf der Schiene anzubieten. „Wir haben voriges Jahr mehrere Hundert Schienentransporte über die Seidenstraße gefahren“, berichtet Geschäftsführer Schäfer.

Nun will er den nächsten Schritt gehen und auch Angebote zwischen Polen und Westeuropa aufbauen, konkret nach Deutschland und Benelux. Steigen die Mengen auf der Ost-West-Achse stetig an, kann sich der Firmenchef vorstellen, in der nächsten Stufe einen eigenen Company-Train auf die Reise zu schicken. Instafreight arbeite bei den Intermodalverkehren mit mehreren Partnern zusammen und will sein Partnernetzwerk künftig noch weiter ausbauen.

Der Instafreight-Co-Founder schätzt, dass sein Unternehmen aktuell schon etwa jede zehnte Sendung auf der Schiene befördert. „Wir halten einen Anteil von 30 Prozent in den nächsten vier bis fünf Jahren für realistisch“, sagt der 36-Jährige. Das unterstreiche die Ambition des Unternehmens, ein führender Anbieter für nachhaltige Transporte zu werden. Klimaschutz sei kein Lippenbekenntnis, unterstreicht Schäfer. „Ich bin von der Notwendigkeit zutiefst überzeugt, unsere Kunden fragen danach, und auch unsere Mitarbeiter wollen vermehrt wissen, was wir eigentlich selbst gegen den Klima­wandel unternehmen.“ Wolle man als modernes Unternehmen wahrgenommen werden, dürfe man sich der Nachhaltigkeit nicht verschließen – aus eigener Überzeugung und aus der Verantwortung für Umwelt und Mitarbeiter.


Partnerprogramm gestartet

  • Instafreight arbeitet mit rund 25.000 Transportunternehmen zusammen. Darunter sind viele kleinere Anbieter, die im Einkauf und bei Vertragsabschlüssen meist schlechtere Konditionen als große, finanzstarke Flottenbetreiber haben. Mit einem Partnerprogramm will Instafreight den kleinen Unternehmen zu günstigeren Konditionen beim Tanken, bei Wartung, Reparaturen, Lkw-Miete oder Versicherungen verhelfen. Auch ermöglicht Instafreight den Betrieben Zugang zu den Tankkarten von DKV oder Shell, indem die Digitalspedition für ihre Partner Sicherheiten hinterlegt.
  • „Mit unserem Partnerprogramm wollen wir unseren Carriern nicht nur im täglichen Geschäft helfen, sondern auch beim Weg in die Selbstständigkeit oder beim Wachstum Unterstützung anbieten“, erklärt Geschäftsführer Maximilian Schäfer. Fest geplant sei es, das Partnerprogramm weiter auszubauen.
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