Fehrenkötter-Ferientour

Mit Tochter und Lkw nach bella Italia

fehrenkötter, tour, eurotransport tv, dreharbeiten, wohnmobil, landmaschine Foto: Norbert Böwing 9 Bilder

Viele Fernfahrer erinnern sich gern daran, wie sie als Kind einmal mit dem eigenen Vater im Lkw unterwegs waren. Spediteur Joachim Fehrenkötter hat darum seine Tochter Fiona mit nach Italien genommen.

Es waren andere Zeiten, an die sich Joachim Fehrenkötter (52) aber noch gut erinnern kann. Er war ein Steppke, der sich für alles interessierte, was mit der elterlichen Spedition und Lkw zusammenhing. "Da bin ich oft mit unserem Fahrer Albert Herling auf große Tour gegangen. Wir haben damals mit einem Planenzug Teil- und Komplettladungen gefahren. Es ging nach Berlin und Süddeutschland. Manchmal waren wir eine ganze Woche unterwegs." An diese Touren denkt Joachim noch gern zurück. Auch, wie er sonntags abends Lkw-Fahrern nach dem Tanken beim Verlassen des Firmengeländes hinterhergewunken hatte. "Es sind Erinnerungen, die mich geprägt haben", erzählt er, als er in Ladbergen seinen Mercedes-Benz Actros mit Proviant belädt. Mit an Bord geht diesmal Fiona Fehrenkötter. Die 13-Jährige ist die jüngste von drei Schwestern, und sie wird mit dem Papa eine Woche lang unterwegs sein.

tochter, ferien, tour, fehrenkötter Foto: Joachim Fehrenkötter
Joachims Tochter freut sich darüber, den viel beschäftigten Papa eine Woche lang ganz für sich zu haben.

Auf die Tour inmitten der Coronazeit haben sich beide lange gefreut. Fiona hat Ferien und ist gespannt. Gerade erst darf man mit dem Lkw wieder nach Österreich und Italien einreisen. Rein logistisch ist die Fahrt damit eine Punktlandung. "Ich bin ja schön öfter mit unserem Wohnmobil mitgefahren und einmal auch mit dem Lkw. Aber meinen Papa mal eine Woche lang ganz alleine für mich zu haben, ist was Besonderes." Einzig das Wetter will nicht so recht mitspielen. Es regnet pausenlos Bindfäden, bis der Lkw nach etwa 500 Kilometern zur ersten Rast am Autohof Geiselwind an der A 3 in Franken eintrifft.

Eine 3.500 Kilometer lange Fahrt

Obwohl Fiona keine Frühaufsteherin ist, bleibt ihr am nächsten Morgen nichts anderes übrig. Joachim Fehrenkötter hat die Brote längst geschmiert und guckt schon wieder auf die Uhr. Wie war die Nacht? "Ich hab gut geschlafen", lacht Fiona. Nur Joachim, für dessen Spedition Tag für Tag rund 150 Lkw unterwegs sind, wirkt ein wenig gerädert. Aber er hat seinen Platz im Office ja auch mit dem Lenkrad getauscht, weil er den Bezug zum ganz normalen Fahrerleben behalten will. Das ist ihm wichtig. Und so macht er auch kein Geheimnis daraus, dass er schon komfortabler geruht hat. "Man muss sich erst einmal sortieren. Dass man seine Sachen aus den Schränken kriegt und wieder rein, das ist natürlich, wenn man in einem Haus wohnt, deutlich kommoder. Erst recht, wenn man zu zweit fährt. Aber ich weiß jetzt auch wieder, was jeder Fahrer da auf sich nimmt."

fehrenkötter, tour, eurotransport tv, dreharbeiten, wohnmobil, landmaschine Foto: Norbert Böwing
Auch Fiona packt mit an und wickelt die Zurrgurte wieder sauber auf.

Gut 3.500 Kilometer werden die beiden in den nächsten Tagen unterwegs sein. Station 1 ist die Niederlassung von Krone Landmaschinen in Italien. Erst kurz nach dem Grenzübertritt in Österreich wird das Wetter besser – und in Tirol ist Zeit für eine längere Pause. Fiona hat fast die ganze Zeit geschlafen, aber jetzt, da es mit den Bergen endlich was zu sehen gibt, ist sie hellwach. Was sie selbst eines Tages werden will, weiß Fiona aber noch nicht genau. Sie findet das Speditionsleben in jedem Fall spannend. "Da gibt es jeden Tag neue Anforderungen und Aufgaben. Und viele Leute, mit denen man zu tun hat. Man ist viel unterwegs, so etwas könnte ich mir schon vorstellen."

Italienische Hitze schlägt brutal zu

Joachim Fehrenkötter nutzt die Zeit, um inzwischen die vielen Spanngurte an den beiden geladenen Maishäcksler-Schneidwerken zu straffen. Dann schweifen seine Blicke über das herrliche Alpenpanorama. Zwischenziel ist die Region Venetien. Joachim genießt jeden Kilometer auf dem kurvenreichen und nicht ganz ungefährlichen Brennerpass. Am Abend stellt er seinen Actros an einem kleinen Restaurant mit riesigem Parkplatz unweit von Sommacampagna ab, wo am nächsten Morgen abgeladen wird. Pizza und Lasagne kosten hier knapp sechs Euro. Die Adresse ist ein Geheimtipp von einem befreundeten Kollegen. Beim Abendessen gibt es genügend Gesprächsstoff zwischen Vater und Tochter, die am nächsten Morgen von der krassen Realität eingeholt werden. Abladen beim Kunden. Die strenge Kontrolle bei der Einhaltung der Coronavorschriften lässt erahnen, wie sehr die Pandemie bei den Menschen ihre Spuren hinterlassen hat.

Bald darauf sind die Fehrenkötters beim nächsten Kunden, der rund 270 Kilometer entfernt liegt. Zwei Reisemobile müssen aufgeladen werden. Mit 33 Grad schlägt die italienische Hitze brutal zu. Doch für den Spediteur gehört eine gewisse Hands-on-Mentalität zum Fahrerjob einfach dazu. Während am Abend wieder in der Nähe von Sommacampagna die Matratze ruft und sogar noch ein Abstecher zum Gardasee drin ist, geht es am nächsten Tag über Italien und Österreich zurück in Richtung München. Joachim nimmt die Route äußerst bewusst auf. Als Vorsitzender von DocStop achtet er auf Kleinigkeiten. Auch in den Alpenländern sind die Möglichkeiten für Lkw-Fahrer, entlang der Strecke zu parken oder zu rasten, mehr als miserabel. "So etwas bekommt man aber auch nur mit, wenn man selbst einmal vor diesem Problem gestanden hat. Deshalb finde ich es auch so wichtig, selbst mal wieder zu fahren. Die modernen Trucks nehmen den Fahrern wirklich eine Menge Arbeit ab. Aber das mit den fehlenden Parkplätzen stellt alle wirklich vor ein gravierendes Problem." Ebenso wenig Verständnis hat Joachim für fehlende Toiletten und Duschen.

Traumroute Bologna-Bari
Entlang der Adria

Fahrer oft auf sich alleine gestellt

Aber noch ist die Tour nicht zu Ende. Abladen der Reisemobile in Landsberg am Lech. Auch hier ist Joachim Fehrenkötter, wie andere Lkw-Fahrer oftmals auch, nahezu sich selbst überlassen. Der Kunde erwartet prompte Lieferung. Und obwohl Joachim wirklich die Uhr ständig im Blick hat, drängt schon jetzt die Zeit für die nächste Ladung in Bad Waldsee. Zwei Stunden später aber ist er auch an der nächsten Ladestelle. Er ist geschafft. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn er hat den täglichen Wahnsinn am eigenen Leib erlebt. "In München haben wir fast eine Stunde im Stau gestanden. Es ist immer ein Kampf gegen die Uhr. Jeden Tag. Das muss man auch als Chef so sehen und Verständnis für das haben, was die Fahrer da aushalten müssen."

Feierabend ist dann an einem Autohof in der Nähe von Ulm. Fehrenkötter weiß, dass er bei der Ferientour ein strammes Programm abgewickelt hat. Aber dadurch, dass es bis auf einmal keine nennenswerten Staus gegeben hat, waren die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten kein Problem. Als er dann am Nachmittag des letzten Tages an der Abladestelle in Heimatnähe ankommt, ist er froh, bald Feierabend zu haben. Doch längst hat er sich Gedanken darüber gemacht, wie Erkenntnisse aus der Tour in den Betriebsalltag einfließen könnten. "Bei so einem Trip lernst auch du als Chef eine Menge dazu. Also, ich habe gelernt, dass unsere Leute oft auf sich alleine gestellt sind. Da müssen wir überlegen, was wir zukünftig besser machen können. Das ist auf jeden Fall was für unsere nächsten Besprechungen, wenn ich dann wieder am Schreibtisch sitze." Vor allem aber hat die Italientour den Fehrenkötters gezeigt, wie anstrengend das Leben auf der Straße ist. Und dass man dankbar für jeden Fahrer sein muss, der diese Herausforderungen immer wieder aufs Neue und mit Begeisterung annimmt.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 09 2020 Titel
FERNFAHRER 09 / 2020
1. August 2020
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