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Foto: Hermann Paule Spedition

Paule Spedition über die Genehmigungspraxis

Lange Wartezeiten belasten Schwergutbranche

Verärgerte Kunden, fehlende Planbarkeit, gebundenes Kapital: Immer länger müssen Speditionen bei Schwer- und Großraumtransporten auf die erforderlichen Genehmigungen warten. Rainer Schmid, Geschäftsführer der Spedition Paule aus Stuttgart, spricht im Gespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell über die Folgen.

Es gibt kein Bier auf der Grillparty – welcher Gastgeber möchte das seinen Gästen zumuten? Doch woher das kühle Blonde nehmen, wenn die Brauereien selbst auf dem Trockenen sitzen? Diese Angst ist nicht ganz unbegründet – spitzt sich die Situation bei den Lieferanten doch drastisch zu. Die Spedition Hermann Paule aus Stuttgart muss inzwischen oft wochenlang darauf warten, bis sie ihre Kesselbrückenfahrzeuge mit den riesigen Bierlagertanks in Bewegung setzen kann. So lange müssen sich auch die Brauereien in Geduld üben, weil die Genehmigungen für entsprechende Schwer- und Großraumtransporte fehlen.

Paule Spedition: dauerhaft kritische Phasen in den Bundesländern

"Es gab in einigen Bundesländern schon immer kritische Phasen", berichtet Paule-Geschäftsführer Rainer Schmid im Gespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell. "Im Moment aber gibt es nur wenige Bundesländer, in denen wir nicht dauerhaft eine kritische Phase haben." In den Amtsstuben fehlten Mitarbeiter, Know-how und die Entscheidungskompetenz, um die Anträge der Speditionen in angemessener Zeit zu bearbeiten. Schmid führt das Beispiel Bremen an, wo Tausende unbearbeiteter Anträge bei den Behörden lägen.

23 Wirtschaftsverbände wenden sich in Brandbrief an die Politik

Der Genehmigungsstau in den deutschen Verkehrsbehörden ruft nun die gesamte Branche auf den Plan: In einer einmaligen Aktion haben sich transportierende und verladende Wirtschaft zu einer Initiative zusammengeschlossen.  23 Wirtschaftsverbände appellieren an die Politik, die Genehmigungsprozesse kürzer, flexibler und verlässlicher zu gestalten.
"Bearbeitungszeiten über fünf Wochen sind an der Tagesordnung", heißt es in einem gemeinsamen Schreiben. "Häufig warten die Antragsteller aus der Wirtschaft noch länger auf die Antwort der zuständigen Ämter und Behörden", erklären die Verbände, darunter die Bundesfachgruppe Schwertransporte und Kranarbeiten (BSK), der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Verband der Automobilindustrie (VDA).

BSK: Die Situation ist für unsere Unternehmen der helle Wahnsinn

"Für unsere Unternehmen ist der jetzige Zustand schon der helle Wahnsinn. Sie können weder planen, noch Termine zusagen", erklärt Wolfgang Draaf, Hauptgeschäftsführer der BSK. Auch hätten die Speditionen Angst, dass es auf sie zurückfalle, dass die Verfahren so lange dauern. „Zum Glück weiß die verladende Seite um die Malaise – und hat unsere Initiative mit unterzeichnet“, sagt Draaf. Ein ausführliches Interview lesen Sie hier.

Ziel der Initiative ist es, die Bearbeitungszeit im Schnitt auf fünf Werktage zu reduzieren. Um ihr Ziel zu adressieren und um Gehör zu finden, haben die Verbände alle 16 Verkehrsminister der Länder angeschrieben, auf die Bedeutung dieser Transporte für die Wirtschaft hingewiesen und kurzfristige Abhilfe angemahnt. "Der Zustand ist nicht länger tragbar, zumal der schlechte Zustand vieler Verkehrswege auch immer längere Umwegfahrten erforderlich macht", heißt es in dem Brandbrief.

Paule-Geschäftsführer Rainer Schmid wünscht sich feste Korridore

Paule-Geschäftsführer Schmid würde sich wünschen, dass es feste Korridore für Schwerlastverkehre gibt – wie andere Länder sie schon eingerichtet hätten. "In Baden-Württemberg gibt es zum Glück geschützte Schwerlaststrecken", erzählt er. "Doch solche Korridore brauchen wir flächendeckend." Auch die Digitalisierung berge Potenziale, um Verfahren zu beschleunigen – doch einen wirklichen Effizienzsprung bietet die vor rund zehn Jahren in Betrieb genommene Online-Plattform Vemags seiner Ansicht nach nicht.
Schmid warnt vor allem vor den Folgen für den Standort Deutschland, wenn Arbeitsplätze in Gefahr sind. "Es ist zu befürchten, dass sich Maschinen- und Anlagenbauer in ihrer mittel- und langfristigen Planung Gedanken um ihren Standort machen, wenn sie schon heute kaum mehr mit ihrer Ware vom Firmengelände weg kommen", skizziert der Paule-Chef.

Speditionen haben ebenfalls hohe Kosten aufgrund der Wartezeiten

Doch auch für die Speditionen sind die Wartezeiten mit hohen Kosten verbunden. "Wir haben sehr teures Spezialequipment, das dann nicht anderweitig eingesetzt werden kann", erläutert Schmid. Auch die Brauereien müssen sich etwas einfallen lassen, wenn ihnen wichtige Gär- und Lagertanks fehlen. Und schäumen werden zu guter Letzt wahrscheinlich auch die Gäste einer Bier-freien Grillparty.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

8. August 2017
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