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Peter Müller-Kronberg im Gespräch

Job oder Berufung?

Foto: Ralf Kresin

Job oder Berufung? Peter Müller-Kronberg von der Zufall Logistics Group über Familienunternehmen heute.

trans aktuell: Herr Müller-Kronberg, seit sechs Jahren ­haben Sie bei der Zufall Lo­gistics Group die Funktion des geschäftsführenden Gesellschafters inne. Wie gefällt Ihnen der Job?

Peter Müller-Kronberg: Nennen wir es lieber Aufgabe als Job. Ja, diese Aufgabe gefällt mir ausgesprochen gut, denn die Position bietet mannigfaltige Möglichkeiten zu aktiver Zukunftsgestaltung. Es gefällt mir, wenn wir als Team bei Zufall etwas erreichen, einem Ziel näher kommen. Wenn ich abends den Tag rekapituliere, muss ich immer wieder feststellen, wie toll die Zusammenarbeit ist.

Dass Sie einmal ein Familienunternehmen leiten würden – wann hat sich das entschieden?

Mein Vater und ich hatten eine Abmachung, dass ich mich bis zu meinem 30. Geburtstag entscheiden sollte. Bis dahin hatte ich Zeit und Möglichkeiten, Erfahrungen in Bereichen zu sammeln, die mich neben dem Familienunternehmen noch interessierten.

Wie präsent war das Unternehmen denn im Familienalltag?

Zu Hause wurde schon viel vom Betrieb gesprochen. Besonders in Zeiten von großen Bau- und Infrastrukturprojekten. Dafür achteten meine Eltern ganz bewusst darauf, in den Ferien nur in Ausnahmefällen über das Geschäft zu sprechen. Aber klar, die Verantwortung dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern gegenüber habe ich schon als Kind deutlich gespürt.

Sie haben zwei Geschwister, die sich gegen die Unternehmerkarriere entschieden haben.

Unsere Eltern haben uns die Möglichkeit gegeben, eigene Interessen zu entwickeln und uns frei zu entscheiden. Meine Geschwister haben andere Wege gewählt. Ich selbst habe mit 23 Jahren begonnen, als Gast die Beiratssitzungen bei Zufall zu begleiten. Das war eine gute Schule; ich lernte, wie das Unternehmen geführt wird.

Wie haben Sie weitere Erfahrungen gesammelt?

Im Rahmen meines Eventmanagementstudiums habe ich im Sportmarketing gearbeitet. Etwa für Kunden wie BMW Sauber. Eine völlig andere Welt, in die ich hier Einblicke gewinnen konnte. Auch in sekundengenau getaktete logis­tische Abläufe der Rennsport­events. Meine Zivildienstzeit in der Schutzstation Wattenmeer war ebenfalls wertvoll. Daneben haben mich noch meine Reisen nach Mittelamerika geprägt.

Inwiefern?

Ich hatte die mehrmonatigen Rucksacktrips selber finanziert und lebte streng nach Budget. Zwar war ich auf Länder wie ­Guatemala, Mexiko und Honduras mit ihren Menschen vorbereitet und wusste über mögliche Gefahren Bescheid. Trotzdem gab es mehr oder minder brenzlige Situa­tionen. Offenheit, Zuversicht und Wertschätzung den Menschen gegenüber und ein Einlassen auf ihre Sprache erwiesen sich als besondere Werte auf diesen Reisen, und ich kam mit einem reich gefüllten Erfahrungsschatz und einem gewachsenen Verständnis von Verantwortung wieder nach Hause.

Bei Ihrem Eintritt in das Unternehmen hatte Ihr Vater Gerhard Müller sich schon aus dem operativen Geschäft verabschiedet.

Ja, rund zehn Jahre war die Familie nicht in der Geschäftsführung vertreten. In dieser Zeit gründete mein Vater auch einen Beirat und fungierte als dessen Vorsitzender. Die angestellten Geschäftsführer waren so engagiert, als führten sie ihr eigenes Unternehmen. Wirklich eindrucksvoll. In dieser Zeit stellte Jürgen Wolpert auch die entscheidenden Weichen für die Einführung der Kontraktlogistik, die heute eine unserer vielversprechendsten Wachstumssparten ist.

Wie leicht fiel Ihnen damals der Einstieg?

2013 war ich 30 Jahre alt, und ich war neugierig auf alles, was da kam. Schauen, wahrnehmen, fragen, zusammen sprechen, zuhören, lernen und vor allem: bescheiden sein und bescheiden bleiben. Auch die Erinnerungen meines Vaters an seinen Einstieg bei Zufall waren wertvoll für mich. Ich hatte Vertrauen in die Orga­nisation Zufall, in das damalige Management.

Heute agieren Sie und Geschäftsführer Jürgen Wolpert an der Spitze des Unternehmens.

Ja, Jürgen Wolpert als kompe­tenter Spediteur mit enormer Erfahrung in den Landverkehren Deutschland und Europa ist natürlich ein Glücksfall. Er hat bei uns erfolgreich die Kontrakt­logistik aufgebaut. Die Geschichte könnte heißen: Ein Schwabe schwärmt für Niedersachsen …

Wie unterscheiden sich nach Ihrem Verständnis Ihre Aufgaben als Gesellschafter und Geschäftsführer?

Als Geschäftsführer verantworte ich bestimmte Produkte, etwa das Netzwerk Nightstar-Express, bei dem Zufall Gesellschafter ist. Auch die Verantwortlichkeit für die Luft- und Seefracht liegt bei mir. Als Gesellschafter und Familienunternehmer bestimmt Langfristigkeit mein Handeln. Die Perspektive ist eine andere: 2028 wird Zufall 100 Jahre alt. Das ist anders, als wenn nur bis zum nächsten Quartal gedacht wird.

Hat es denn die heutige Gene­ration der Familienunternehmer schwerer als die in der Vergangenheit?

Familienunternehmer und Selbstständige hatten schon immer Herausforderungen zu bestehen. In der Gegenwart werden wir mit Fragen konfrontiert, die es nie zuvor gegeben hat. Digitale Transformation und künstliche Intelligenz sind nur zwei von vielen.

Dennoch scheint das Tempo in der Geschäftswelt doch schneller und die Herausforderungen globaler geworden zu sein.

All diese Herausforderungen sind natürlich auch eine riesige Chance. Als lebendiger Organismus müssen wir unsere Transformationsfähigkeit unter Beweis stellen. Flexibilität ist das Gebot der Stunde. Ein perfektes Miteinander kann uns weiterbringen; dafür erforderlich ist in höchstem Maße eine gute Kommunikation. Wir müssen auf das Wissen und die – manchmal versteckten – Talente unserer wertvollen Mitarbeiter zugreifen.

Bezwecken Sie das auch mit Ihrem Z-Lab, Ihrem „Wissenslabor“?

Genau. Wir haben im Umschlaglager in Göttingen etwa einen Werkstattleiter, der sich unglaublich mit Flurförderfahrzeugen auskennt. Auf dieses Wissen setzen wir bei der Frage, ob wir künftig mit automatisierten Fahrzeugen in unseren Standorten unterwegs sein werden. Mit unserem Labor können wir für unsere Kunden in einer Testumgebung Lösungen ausprobieren und dabei generationenübergreifend arbeiten: Die alten Hasen kommen mit ihren Erfahrungen ebenso zum Zug wie die jungen Wilden mit ihrem Verständnis von Technologie und der Lust am Ausprobieren.

Für das Labor hat Zufall mit 1,5 Millionen Euro eine Menge Geld investiert. Hätte man das früher für eine solche „Spielwiese“ auch gemacht?

Das entspringt auch dem Zeitgeist. Unser Risiko ist größer, das Brot-und-Butter-Geschäft wird von ganz neuen Systemanbietern wie Google & Co. attackiert, die mit viel Kapital auf den Markt drängen. Das erzeugt einen ganz anderen Druck. Wichtig ist aber auch: Wir machen mit dem Z-Lab im Rahmen der GUT-Strategie, der ganzheitlichen Unternehmensentwicklung im Team, für unsere Mitarbeiter erlebbar, wie eine zukünftige Form der Arbeit aussehen kann. Wir werden noch mehr in standortübergreifenden Teams arbeiten müssen, die sich aufgabenbezogen zusammentun, um ein Projekt zu bearbeiten, eine neue Anwendung, eine App oder eine Technik zu entwickeln, und danach wieder auseinandergehen – eine Art Prototypenentwicklung im Unternehmen.

Was sind Ihrer Meinung nach die Grundpfeiler für künftiges Wachstum?

Der größte Hebel für Stabilität und Wachstum ist eine gelingende Zusammenarbeit der Menschen. Natürlich müssen wir auch mit der tollsten Technologie ein Umfeld schaffen, in dem sich die Mitarbeiter vertrauen, wo es nicht um Seilschaften oder Hierarchien geht. Es braucht zwar immer einen Rahmen, aber die junge Generation hat schlicht keinen Bock, unter einer Führung zu arbeiten, die keine Spielräume lässt. Ebenso wichtig ist die Partnerschaft mit dem Kunden und mit anderen Unternehmen. Zufall arbeitet etwa erfolgreich mit dem Start-up Pamyra und dem Drohnenanbieter Docs Innovation aus Kassel zusammen.

Zur Person

  • Peter Müller-Kronberg ist seit 2013 geschäftsführender Gesellschafter der Zufall Logistics Group.
  • Zuvor Trainee bei Streck Transport in Freiburg und Hellmann Worldwide Logistics in Leipzig.
  • Bachelorstudium International Event-Management an der Internationalen Hochschule in Bad Honnef.
Foto: Ralf Kresin

Das Unternehmen

  • Die Zufall Logistics Group hat ihren Hauptsitz in Göttingen.
  • An zehn Standorten beschäftigt das Familienunternehmen rund 2.200 Mitarbeiter.
  • Zum Portfolio gehören neben dem Lkw-Transport die Kontraktlogistik, Luft- und Seefracht sowie Nachtexpress-Dienstleistungen.
  • Der Umsatz beträgt nach eigenen Angaben rund
  • 300 Millionen Euro jährlich.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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16. August 2019
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