VW ID.Buzz Erste Fahrt im neuen Elektro-Bulli

VW ID.Buzz Foto: VW 8 Bilder

Der Bulli wird zum Stromer. Als ID.Buzz legt VW einen rein elektrischen Nachfolger des Klassikers auf. Noch getarnt stellt sich der Transporter dem ersten Test.

Fünf Jahre ist es her, seit VW auf der Detroit Autoshow den Schleier des ID.Buzz gelüftet hat. Seitdem hat sich optisch gar nicht so viel verändert. Gleichzeitig orientiert sich der Wagen laut VW an den Proportionen des ehrwürdigen T1: kurze Überhänge, optische Trennung der Karosserie in oben und unten sowie eine V-förmige Front mit großem VW-Logo – und bei der ersten Testfahrt noch getarnt, innen wie außen.

Und noch etwas zeichnet den ID-Bulli aus: Er ist kompakt. 4.712 Millimeter bei einem Radstand von 2.988 Millimeter müssen reichen. Dabei verspricht VW ähnlich viel Platz wie im T6.1 (der aber rund 20 Zentimeter länger ist) bei einem wirklich innenstadttauglichen Wendekreis von nur elf Meter, den wir kurz vor Ende der Testfahrt nochmal mit einer Extra-Kreisrunde würdigen mussten. Möglich macht das die heckgetriebene MEB-Plattform des Konzerns, auf der auch die Pkw-ID-Genossen basieren. Für Vortrieb sorgt ein 150 kW starker E-Motor mit 310 Nm Drehmoment, der den Bus auf abgeregelte 145 km/h beschleunigt und seinen Strom aus einer netto 77 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie im Unterboden zieht.

Starker Antritt dank potenter E-Maschine

310 Nm sind auf den ersten Blick im Vergleich zum Diesel kein Megawert. Doch beim ID liegen die ab der ersten Umdrehung an und lassen den Buzz vehement aus den Startlöchern springen. Zehenspitzengefühl ist also gefragt, vor allem bei den ersten Anfahrvorgängen. Allerdings regelt die Elektronik perfekt, sodass die Räder auch im nassen Hamburg nicht durchdrehen. Die tiefliegende Batterie sorgt für ein sattes Fahrverhalten. Der Verbrauch fiel auf der kurzen Testfahrt mit etwas weniger als 30 kWh/100 km nicht gerade niedrig aus. Allerdings hat daran die für ihre Stürme bereits jetzt berüchtigte dritte Februarwoche 2022 ihren Anteil. Der ID.Buzz muss also erstmal gegen Regen und Wind bei niedrigen Temperaturen ankommen. Auf den reinen Energieinhalt bezogen hat der E-Bulli aber im Vergleich zum Diesel schonmal die Knubbelnase weit vorn.

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Das Fahrgefühl im Innenraum ist alles andere als Bulli-artig. Was bleibt, ist die erhöhte Sitzposition, Captain’s Chair nennt das VW. Darauf sitzt man recht bequem, sind die Sessel doch AGR-zertifiziert. Die Sitzfläche lässt sich ausziehen und neigen. So stützt sie auch längere Oberschenkel gut ab. Einzig die Armlehne lässt sich etwas schrullig bedienen. Eine Drucktaste ersetzt die bekannte „Ratsche“ oder eine Rändelwalze. Insgesamt wähnt man sich eher in einem schicken Pkw. Unebenheiten bekommt man mit, allerdings gut gefiltert. Der ID.Buzz ist keine Sänfte, dämpft aber auch fiese Straßen mehr als ordentlich weg. Trotz Hamburger Sturmböen bleibt es relativ ruhig im Innenraum. Und die Elektronik leistet bei der Windkorrektur ganze Arbeit.

Cargo zweckmäßig aber schick

Während der ID.Buzz in der Pkw-Variante mit optisch schickem Holzimitat auf dem Armaturenträger und hellen, angenehm anzufassenden Materialien punktet sowie einigen aus dem T7 bekannten Detaillösungen, tritt der ID.Buzz Cargo etwas hemdsärmeliger an. Dunkelgraues Hartplastik und robuste Sitzbezüge sollen vor allem praktisch sein. Statt der Holzlandschaft erstreckt sich vor dem Fahrer ein von rechts nach links durchgängiges offenes Ablagefach. Aber: Die Materialien mögen zwar rustikaler sein, das Design ist aber dennoch schick wie beim Pkw. Auf Wunsch bietet der Cargo vorne Platz für drei Menschen, bei gut 3,9 Kubikmeter Laderaum hinten mit 750 Kilogramm Zuladung. Der Pkw ist für fünf Personen konzipiert mit dann maximal 1.121 Liter Laderaum, ohne die Sitze umzuklappen. Wer die Rückbank faltet – die Sitze lassen sich nicht rausnehmen – nähert sich also beim Volumen stark an den Cargo an.

Hohe Ladekante im Heck

Der Laderaum birgt allerdings ein paar kleine Schönheitsfehler, egal ob Cargo oder nicht. Beim Personentransporter macht sich die E-Maschine an der Hinterachse bemerkbar. Der Kofferraum liegt dadurch eine halbe Handbreit höher als der Passagierfußraum. Da kullert also schnell mal etwas von hinten unter die Sitze und eine ebene Ladefläche gibt es eh nicht. Beim Cargo wiederum verbaut VW auf Wunsch einen ordentlichen ebenen Ladeboden. Gleichzeitig bedeutet das aber, dass die Ladekante enorm hoch liegt. Basis ist nämlich der angesprochene erhöhte Bereich auf der Hinterachse. Vorne an der Schiebetür ergibt sich so zwar ein praktisches Fach unter dem Boden für die Ladekabel, hinten liegt die Ladekante aber bei schwindelerregenden 623 Millimetern. Noch etwas größer fallen die Räder des ID.Buzz aus. Die Felgen messen wahlweise 18 oder 21 Zoll mit einem Durchmesser von 75 Zentimetern. Immerhin: Der Cargo ist auch mit Flügeltüren am Heckportal zu haben.

Kompakter als der T6.1

Ansonsten bleibt der ID im Vergleich zum T6.1 wie schon angesprochen recht kompakt. 4.713 Millimeter misst der Stromer in der Länge, 1.937 (Cargo 1.938) Millimeter in der Höhe. Der T kommt auf 4.904 respektive 1.970 Millimeter. Einzig in der Breite überragt der E-Bulli seinen Dieselvorgänger um 81 Millimeter mit nun 1.985 Millimeter ohne Spiegel.

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Intelligente und lernfähige Assistenzsysteme

Auf der Habenseite im Bereich Digitales weiß der ID zu wuchern. Der Travel Assist soll lernfähig sein. Wer also immer wieder dieselbe Strecke fährt, soll laut VW irgendwann merken, wie der Buzz immer besser alleine lenkt. Dabei soll er auch kurze Strecken wie den Weg vom Hoftor bis in die Garage lernen und diese Aufgabe selbständig erledigen. Für Updates nutzt der ID.Buzz wie seine ID-Kollegen die Over-the-Air-Funktion. Zudem hat VW den Bus Car-2-X-fähig gemacht, um über Schwarmdaten im lokalen Nahbereich Informationen zu Warn- und Gefahrenmeldungen auszutauschen.

ID.Buzz als mobiler Hausspeicher

Auch beim Laden geht es im Buzz smart zu. Dazu zählt Plug & Charge. Der Bus identifiziert sich dazu per Ladestecker an den Ladesäulen vieler Anbieter und tauscht die für den Ladevorgang nötigen Daten aus. Das Gefummel nach der Ladekarte entfällt also. Stattdessen lädt der Bulli einfach los. Zudem soll der ID.Buzz künftig auch bidirektionales Laden beherrschen. „Fortan wird es möglich sein, überschüssige Energie aus der hauseigenen Photovoltaik-Anlage tagsüber im ID. Buzz zu speichern und am Abend wieder in das Haus einzuspeisen, um auch ohne Sonne autark zu sein“, so VW.

Europastart im September

Und wann gibt es den E-Bulli zu kaufen? Bald! Die Produktion startet in der ersten Jahreshälfte. Im September will VW den ID.Buzz im europäischen Markt einführen. Offizielle Preise gibt es noch nicht, allerdings munkelt man, der ID.Buzz Cargo könnte Netto knapp unter der 40.000-Euro-Grenze liegen.

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