Start im Jahr 2024 - in Serie ab 2025 MAN bringt schweren E-Lkw

MAN E- und H2-Lkw Foto: Julian Hoffmann 4 Bilder

Pünktlich zur Förderzusage für das Wasserstoff-Projekt Bayernflotte gibt MAN auch einen Ausblick auf den künftigen schweren E-Lkw der Marke. Startpunkt: 2024.

Erst 2024 wird MAN neben dem auf der alten Truck-Generation basierenden eTGM eine vollelektrische, schwere Sattelzugmaschine auf den Markt bringen. Erst – und irgendwie auch schon. Denn zur offiziellen Förderzusage für das Wasserstoff-Projekt Bayernflotte durch den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder (CSU) vor wenigen Tagen in Nürnberg wurden die Herstellervertreter nicht müde zu betonen, dass ihr künftiger Elektro-Lkw damit fast ein Jahr früher kommt als ursprünglich geplant. Immerhin 200 Einheiten sollen 2024 ausgeliefert werden, ehe ein Jahr später dann die wirkliche Serienproduktion mit einem Produktionsvolumen von beachtlichen 2.500 Einheiten anläuft.

"Wir müssen die Elektrifizierung unserer Flotte noch schneller vorantreiben", erklärt entsprechend der neue MAN-Chef Alexander Vlaskamp. Er geht davon aus, dass der E-Lkw pünktlich auf dem Markt ist, wenn die Nachfrage wirklich anziehen wird. 2030 soll dann schon jeder zweite MAN mit einem batterieelektrischen Antriebsstrang ausgestattet sein, wenn die Ladeinfrastruktur steht. Gleichzeitig erwartet Vlaskamp weiter große Sprünge in der Batterietechnologie, Reichweiten über 1.000 Kilometer und Ladezeiten unter einer Stunde seien vorstellbar.

Noch keine Daten zu Leistung und Reichweite

Zum seriennahen Prototyp bleibt MAN konkrete Daten zunächst allerdings schuldig. Nur die Fahrerhäuser ragen zur Premiere aus der Halle, das Chassis ist gut verhüllt. Keinen Blick gewährt der Hersteller damit auf die Batterien und die Antriebsachse. Die Kapazität der Akkus, die maximalen Leistungswerte und vor allen Dingen die Reichweite – all das wird erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben. Allein dass es sich offensichtlich um eine Zugmaschine des Typs TGX mit klassischer 4x2-Achsformel handelt, ist auf den ersten Blick klar.

Neben der Ankündigung, dass der batterieelektrische Lkw im E-Mobility-Hauptwerk in München vom Band laufen wird, macht MAN dazu auch Pläne zur Montage der Batterie-Packs in Eigenregie öffentlich. Laut eigener Angaben hat der Hersteller bereits im Frühjahr 2021 am Standort Nürnberg mit dem Aufbau von entsprechendem Know-how begonnen. Im eMobility-Technikum entstehen seither Batterie-Packs für die Erprobung und interne Tests in Einzelfertigung.

Neben den batterieelektrischen Lkw will MAN dazu auch eMobility-Lösungen entwickeln, die den Kunden auf den Fahrzeugeinsatz vorbereiten sollen. Für eine erfolgreiche Flottenumstellung ist laut Hersteller eine Analyse der Kundenbedürfnisse nämlich bereits lange vor dem Kauf eines E-Lkw nötig. Das MAN eConsulting umfasst nach der Entscheidung für einen E-Lkw daher die Betriebsphase einschließlich Kosten-Optimierung, Routenanalyse und Flottenoptimierung sowie Ladeinfrastruktur.

H2- und E-Lkw nutzen dieselbe Plattform

Doch warum passt nun die Premiere des seriennahen E-Lkw und das klare Bekenntnis von MAN als Teil des Traton-Konzerns zum batterieelektrischen Antrieb mit der Beteiligung am Wasserstoff-Projekt Bayernflotte zusammen? Weil die H2-Fahrzeuge von MAN technisch auf den E-Lkw aufbauen. Im einen Fall bezieht der Antriebsstrang seine Energie nur aus den Batterien. Im anderen Fall kommt als Ergänzung eine Brennstoffzelle als Stromlieferant zum Einsatz und ersetzt so den Großteil der schweren Akkus.

Trotzdem bleibt MAN dabei: Im laufenden Betrieb seien Wasserstoff-Lkw absehbar noch deutlich teurer als batterieelektrische Fahrzeuge. Und grüner Wasserstoff sei in naher Zukunft noch nicht ausreichend vorhanden und dürfte vornehmlich zunächst in Industrien zur Stahlherstellung oder der Chemie zum Einsatz kommen. Damit werde Wasserstoff als Energiespeicher in jedem Fall später als Batterien für Nutzfahrzeuge relevant werden. Dem Wasserstoff-Verbrenner, wie er zur Veranstaltung in Nürnberg noch im blauen Versuchs-TGX installiert war, erteilt MAN dann auch eine Absage – dieses Konzept sieht der Hersteller nur noch für das externe Motorengeschäft vor, also zum Beispiel für Landmaschinen oder Schiffe, weil die Brennstoffzelle schlicht effizienter arbeitet.

Bayernflotte in der Praxiserprobung ab 2024

Doch konkret zum Zukunftsprojekt Bayernflotte: Das wird vom Land Bayern mit 8,5 Millionen Euro gefördert und steht ebenfalls für 2024 an. Eine fünf Einheiten umfassende H2-Versuchsreihe mit Brennstoffzelle soll dann in der Praxis bei ausgewählten Kunden erprobt werden. Ein Jahr lang laufen die Trucks dafür bei BayWa, DB Schenker, Gress, Rhenus Logistics und Dettendorfer. Laut Dr. Frederik Zohm, MAN-Vorstand für Forschung und Entwicklung, sind neben den Transportunternehmern auch weitere Industriepartner mit von der Partie: Von Bosch kommt demnach die Brennstoffzelle, ZF liefert die E-Achse und Faurecia ist zuständig für die Tanktechnologie.

Rhenus Transport-Geschäftsführer Sascha Hähnke wiederum gibt im Gespräch mit eurotransport.de schon erste Details zur Erprobung preis: Man werde möglichst unterschiedliche Einsatzszenarien abbilden, was das Gewicht und die Topographie angeht. Außerdem wollen man die Zugmaschine sowohl mit Planen-Auflieger als auch mit Seecontainern fahren. Hähnke weiter: "Wichtig ist für mich nur die Botschaft: Alternative Antriebe sind alternativlos! Wir sollten nicht ein Konzept gegen das andere stellen, auch wenn Wasserstoff als Kraftstoff momentan noch viel zu teuer und nur grüner Wasserstoff sinnvoll ist. Wir werden auch wegen des Ausbaus der Infrastrukturen und des vielleicht nicht immer in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehenden Stroms zu Stoßzeiten an den Ladesäulen alle Technologien brauchen."

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