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Unfälle durch Stürze vom Lkw oft schwerwiegend

Große Gefahr beim Ein- und Aussteigen

Foto: Fotolia Gerhard Seybert

Die BG Verkehr erkennt durch hohen Anteil an Erwerbsunfähigkeitsrenten die überraschend großen Gefahren, denen Lkw-Fahrer ausgesetzt sind.

Schnell ist es passiert: Das häufige Ein- und Aussteigen nervt und so springt der Lkw-Fahrer vom Fahrerhaus herunter. Allein der Sprung aus einem bis eineinhalb Metern Höhe birgt Risiken, da schon Sprünge aus geringer Höhe etwa das Drei- bis Vierfache des eigenen Gewichts auf den Körper einwirken lassen. Deshalb rät Martin Küppers, Leiter des Kompetenzfelds Regelwerk und Arbeitssicherheit der Berufsgenossenschaft (BG) Verkehr, dringend davon ab, vom Lkw herunterzuspringen.

Brüche oder Zerrungen„Das Unfallrisiko steigt weiter, wenn der Boden uneben oder die Beschaffenheit des Untergrunds, etwa wegen Dunkelheit, erst gar nicht gut zu erkennen ist“, sagt er. Aber auch, wer abrutscht, kann sich verletzen. Häufige Folgen sind: Prellungen, Brüche, Bänderdehnungen oder -risse.

Die Tatsache, dass Fahrer schwerer Lkw die Berufsgruppe ausmachen, die am häufigsten eine Unfallrente nach einem Absturzunfall bezieht, hat den Experten überrascht. Rund 300 Unfallrenten nach Absturzunfällen hat die BG Verkehr 2016 anerkannt, die den Branchen Güterkraftverkehr, Entsorgungswirtschaft, Transportlogistik und Möbelspedition zuzurechnen sind. „Rentenfälle sind unsere schwersten Arbeitsunfälle, die Verunfallten tragen eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 20 Prozent davon oder sind verstorben“, sagt Küppers. Die meisten Unfallrenten folgen nach Stürzen von der Ladefläche, beim Ein- und Aussteigen aus dem Fahrerhaus, von Fahrzeugaufbauten, Trittleitern oder Aufstieghilfen, Leitern und Rampen.

Dass Lkw-Ausstiege nicht sonderlich ergonomisch gestaltet sind, weiß Martin Küppers natürlich. Trotzdem: „Unternehmer können dieses Kriterium bei der Kaufentscheidung für einen neuen Lkw einfließen lassen.“ Wenn Fahrer dann noch mit dem falschen Schuhwerk oder strümpfig unterwegs sind, sei die Unfallgefahr zusätzlich erhöht. „Der Schuh muss den Fuß fest umschließen“, informiert Küppers. Und: „Diese Verstöße führen die Hitliste der Bußgelder an – in einem solchen Fall muss der Fahrer mit 100 Euro Bußgeld rechnen.“ Auf Baustellen oder im Entsorgungsbereich seien gar hohe Arbeitsschuhe sinnvoll.

Die Folgekosten für Transportunternehmen und Speditionen sind hoch, wenn sich der Fahrer beim Ein- oder Aussteigen aus dem Fahrerhaus verletzt: „Vier bis sechs Wochen Lohnfortzahlung sind oft die Folge – und der Fahrer fehlt!“

Folgekosten für BetriebeDas ist vor allem dann kritisch, wenn das Unglück auf einer Tour geschieht, denn dann gelte es zusätzlich, Fahrer und Lkw zu bergen und die unpünktliche Anlieferung zu kompensieren. „Außerdem erhebt die BG Verkehr dann, wie bei jedem Arbeitsunfall, einen einmaligen Beitragszuschlag“, informiert der Experte weiter.

Doch nicht nur Abstürze beim Ein- und Aussteigen sind tückisch, auch für das Be- und Entladen der Fahrzeuge sollten Fahrer ordnungsgemäß geschult sein und bestimmte Anweisungen kennen. Wer etwa mit Hubladebühnen arbeite, müsse genau wissen, wie diese beladen werden dürfen und wo sich der Fahrer am besten hinstellt.

Unternehmer können Unfälle weiter dadurch vermeiden, indem sie bei den regelmäßigen Fahrzeugprüfungen auch in punkto Arbeitssicherheit darauf schauen, dass technisch alles einwandfrei und nichts verschlissen ist. Sind Leitern an Bord, etwa bei Fahrzeugen mit Planen, sollten diese dringend regelmäßig auf deren technisch einwandfreien Zustand geprüft werden. Wer eine Leiter für seine Arbeit nutzt, sollte sie ausreichend gegen Umkippen oder Wegrutschen sichern, etwa mit einem Leitergurt. Und: „Auch die Holme, Sprossen und Gummi-Füße der Leitern bedürfen regelmäßiger Kontrollen.“

Tipps für die Sicherheit

  • Wichtig ist es, vorwärts ein- und rückwärts aus dem Lkw-Fahrerhaus auszusteigen
  • Mit einer Hand am Haltegriff und einer Hand an der Haltestange festhalten
  • Nicht mit Gegenständen, etwa der Brotzeit, in der Hand ein- oder aussteigen
  • Die Füße in festem Schuhwerk großflächig auf die Stufen des Lkw-Aufstiegs stellen
  • Keine Fußmatten auflegen – sie verringern die Trittsicherheit
  • Am Abstellplatz muss es möglich sein, die Fahrerhaustür voll auf zu schwenken
  • Der Abstellplatz sollte gut beleuchtet und der Untergrund eben sein
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Jan Bergrath Jan Bergrath Journalist
Experte für Flottenmanagement und angewandte Mobilitätsangebote Rolf Lübke Flottenmanagement und Mobilitätsangebote
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