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Schulung von Dekra und Diez Verschwunden im toten Winkel

Foto: Karl-Heinz Augustin 19 Bilder

Zwei ganze Klassen verschwinden im toten Winkel des Lkw: Dekra, die Spedition Diez und der ETM Verlag machten Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen an der Grundschule Großbettlingen mit den Gefahren vertraut.

Noch laufen sie zur Fuß zur Schule. Doch bald werden viele aufs Rad wechseln – spätestens, wenn es nach den Sommerferien in die weiterführende Schule geht. Zurzeit machen die beiden vierten Klassen der Grundschule Großbettlingen ihren Fahrrad-Führerschein. Grund genug für Schulleiterin Petra Hafner, im Rahmen der Verkehrserziehung für die rund 40 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen auch eine Tote-Winkel-Schulung einzubauen. Denn wer sich als ungeschützter Verkehrsteilnehmer auf der Straße bewegt, muss mit den Gefahren dort vertraut sein. Das gilt erst recht mit Blick auf den Lkw: Lastwagenfahrer haben beim Rechtsabbiegen einen schwer bis nicht einsehbaren Gefahrenbereich – eben den toten Winkel.

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Wie groß dieser Bereich ist, führten Praktiker der Spedition Diez aus Dettingen unter Teck und der Prüforganisation Dekra aus Reutlingen den Kids kürzlich eindrucksvoll vor Augen. Als Anschauungsobjekt hatte Spediteur Andreas Diez einen Lkw nach Großbettlingen gesteuert, einen Motorwagen des Herstellers DAF. Mit Absperrbändern und Pylonen markierte Stefan Hagenlocher, Dekra-Fachabteilungsleiter des Bereichs Prüfwesen, den Bereich rechts neben dem Lkw. Dabei stellte sich heraus: Der tote Winkel ist so groß, dass beide Klassen mühelos hineinpassen. Dieser Bereich neben dem Truck ist die Gefahrenzone, in der sich Fußgänger und Radfahrer nicht aufhalten sollten.

Dekra warnt: Fahr niemals rechts vorbei

„Fahr niemals rechts vorbei“, heißt daher die Devise bei Dekra. Das Unternehmen gibt Aufkleber mit diesen Slogans an Lkw-Betreiber aus. Die Aufkleber sind für das Lkw-Heck bestimmt und warnen davor, sich rechts neben den Lkw in den Gefahrenbereich zu begeben. Radfahrer sollten sich lieber hinter den Lkw einreihen. Oft lässt der Lkw-Fahrer beim Halt an einer Ampel rechts eine Lücke, weil er ausholen muss, um rechts abzubiegen. Radfahrer, die geradeaus fahren wollen, rollen nicht selten in diese „Todeszone“ vor – nicht ahnend, dass der Laster gleich ihren Weg kreuzen wird. Das führt jährlich zu vielen gravierenden Abbiegeunfällen, auch mit Beteiligung von Kindern.

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Spediteur Andreas Diez sieht sein Unternehmen, das auf Volumentransporte spezialisiert ist und rund 60 eigene Lkw einsetzt, hier ebenfalls in der Verantwortung, Aufklärungsarbeit zu leisten. „Das hat auch etwas mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt zu tun“, sagt er. Denn Verkehrssicherheit sei eine gemeinschaftliche Aufgabe und habe mit Rücksicht und Verständnis zu tun. Dabei helfe auch ein Perspektivwechsel: Die Schüler durften in die Rolle des Lkw-Fahrers schlüpfen, auf dem Fahrersitz Platz nehmen und einen Blick in die Außenspiegel werfen. Diez ist überzeugt: „Unfallprävention geht nur gemeinsam.“ Jedes Jahr absolvieren seine Fahrer entsprechende Schulungen. Auch investiert das Unternehmen seit Jahren in Kamerasysteme, welche die Außenspiegel ersetzen und auch den toten Winkel abdecken. Die Hälfte der Fahrzeuge ist damit ausgestattet.

Dekra-Fachabteilungsleiter Hagenlocher begrüßt den Siegeszug dieser Sicherheitssysteme – hat er doch selbst drei Kinder und will, dass sie sicher unterwegs sind. Der Dekra-Mann sagt aber auch: „Bis alle Fahrzeuge Kameras an Bord haben, ist es noch ein langer Weg.“ Doch auch der Gesetzgeber hat das Problem erkannt: Seit 6. Juli dieses Jahres müssen europaweit alle neuen Lkw- und Bus-Fahrzeugtypen mit Abbiegeassistenten ausgerüstet werden. Die Bundesregierung setzt seit Jahren auf einen freiwilligen Einbau dieser Systeme und macht dafür Fördermittel locker. Um die Gefahren beim rechts Abbiegen zu entschärfen, sind Lkw-Fahrer seit April 2020 auch gehalten, nur noch mit Schrittgeschwindigkeit (sieben bis elf km/h) innerorts abzubiegen.

Dekra: 30 Radfahrer sterben jedes Jahr

Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen dürfte niemand infrage stellen: „Nach unseren Schätzungen sterben jedes Jahr 30 Radfahrer bei Lkw-Abbiegeunfällen“, sagt auf Anfrage Stefanie Ritter aus der Dekra-Unfallforschung. Sie muss die Zahl schätzen, weil diese Unfallart nicht gesondert in der amtlichen Statistik erfasst wird. Und auch die Unfallforscherin betont: „Abbiegeassistenten sind für die Fahrer sehr wichtig und hilfreich. Aber meiner Meinung nach sind gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis genauso wichtig.“

Schwingen sich die Kids nach den Ferien aufs Rad, haben sie nun ein besseres Gefühl für die Gefahren, die auf der Straße lauern. Der Rollentausch mit dem Lkw-Fahrer und das Erleben des toten Winkels haben ihre Sinne geschärft – mit Sicherheit.

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