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Unsicherheit auch durch Fahrverbote

Personalnot treibt Möbelspediteure um

Möbelspediteure bei der Arbeit Foto: AMÖ

Für Möbelspediteure hat sich die Personalnot weiter verschärft, auch Fahrverbote und knappe Logistikflächen machen ihnen zu schaffen.

Die Personalnot treibt die Möbelspediteure auch 2019 am meisten um. Dies erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbands Möbelspedition und Logistik (AMÖ), Dierk ­Hochgesang, im Gespräch mit trans aktuell. ­Eine Umfrage des Verbands unter den Mitgliedern ergab, dass sich die Personalsituation zwischen September 2018 und August 2019 bei mehr als der Hälfte (53 Prozent) der Unternehmen noch verschärft hat. Bei gut einem Drittel ist sie unverändert. Nur in jedem zehnten Mitgliedsunternehmen hat sich die Personalsituation verbessert.

Hohe Wohnkosten sind Ursache für Personalengpässe

Als schwierig gestaltet sich weiterhin die Rekrutierung neuer Fahrer. Ein Grund hierfür ist beispielsweise, dass die Verrentungswelle ungebremst weitergeht und weniger Fahrer nachkommen. Mit eine Ursache, so ­Hochgesang: „Besonders in den Städten machen Jugendliche vermehrt keinen Pkw-Führerschein mehr.“ Die Entlohnung betrachtet AMÖ als wichtigen Hebel, um der Personalmisere zu begegnen. „Wer Personal einstellt, bezahlt häufig übertariflich“, berichtet Hochgesang. Dies führe manchmal zu Zielkonflikten, denn Neuankömmlinge besser zu bezahlen als das gestandene Stamm­personal, gehe nun auch nicht, führt der Geschäftsführer aus. Viele Unternehmen setzen deshalb auf Zusatzleistungen außerhalb der Vergütung, beispielsweise Berufskleidung, Mobilfunkverträge oder Gesundheitsleistungen. Doch ungeachtet dessen kommt es besonders in Ballungsgebieten zu Personalengpässen. Wichtigste Ursache dafür sind die hohen Wohnkosten. Dagegen entspannt sich die Personalsituation vereinzelt in ländlichen Regionen.

„Wir haben die ersten Möbelspediteure in Ostdeutschland, die Initiativbewerbungen von Bewerbern aus Ballungsgebieten erhalten“, erzählt Hochgesang. „Den Bewerbern sind die Lebenshaltungskosten in den Großstädten zu hoch. Selbst wenn sie in ländlichen Regionen weniger verdienen, bekommen sie dort wenigstens noch eine Wohnung, die sie sich leisten können.“ Ob es sich hierbei allerdings um einen Trend handelt, vermag Hochgesang nicht zu ­beantworten. Die zunehmende Verknappung auf dem Wohnungsmarkt bekommen allerdings auch die Möbel­spediteure selbst zu spüren. Die Zahl der Umzüge sinkt massiv. Grund dafür ist die zunehmende Standorttreue der Menschen. AMÖ verweist hierbei auf das Beispiel Hannover. Waren es dort im Jahr 2004 noch rund 51.500 Umziehende gewesen, zog 2015 mit noch 39.800 Menschen etwa ein Fünftel weniger um. Wer umzieht, muss mit teureren Mieten rechnen.Darüber hinaus haben die Möbelspediteure noch weitere Sorgen – zum Beispiel mit Blick auf die Fahrverbote in den Innenstädten. „Unsere Mitgliedsunternehmen wissen nicht, ob sie ein heute angeschafftes Lieferfahrzeug in fünf Jahren noch nutzen können“, beklagt Hochgesang. Zu bedenken gibt er auch: Aufgrund niedriger Laufleistungen ist ein Investitionszyklus für Fahrzeuge von zehn Jahren insbesondere bei Umzugsverkehren durchaus üblich. Mit der Anschaffung von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb halten sich die Mitgliedsunternehmen hingegen zurück.

Treiber Onlinehandel

Fast die Hälfte der von AMÖ befragten Möbelspediteure betrachtet die Kosten für E-Fahrzeuge als zu hoch. Ein Drittel hält die Gesamtkosten über den Lebenszyklus des Fahrzeugs hinweg für nicht nachvollziehbar. Zudem sind die Möbelspediteure skeptisch mit Blick auf die Lademöglichkeiten dieser Fahrzeuge. Als problematisch betrachten sie darüber hinaus die geringe Reichweite. Die Antworten der Mitgliedsunternehmen sieht der Verband als klares Signal an die Politik und die Hersteller, etwas gegen die Ursachen der Investitionsvorbehalte zu tun, und zwar in Form einer flächendeckenden Infrastruktur sowie weiterer finanzieller Anreize, um die Betriebe doch noch zur Investition in E-Fahrzeuge zu bewegen. Der Bereich E-Commerce mit Möbeln wächst weiterhin. „Wie in der Vergangenheit hat das Wachstum auch im vergangenen Jahr wieder über sechs Prozent betragen“, berichtet der AMÖ-Geschäftsführer. Er geht davon aus, dass diese Entwicklung weiter anhält. Allerdings hat das an sich erfreuliche Wachstum zwei Seiten. „Bei Wachstumsraten von sechs bis zehn Prozent und mehr im Jahr können Sie gar nicht in gleichem Maß Personal aufbauen.“ Die Folge: „Möbelspediteure, die in diesem Bereich tätig sind, suchen händeringend Leute, um ihre Sendungszuwächse zu bewältigen.“

Dierk Hochgesang, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Möbelspedition und Logistik Foto: AMÖ
„Möbelspediteure auf dem Land erhalten Initiativ­bewer­bungen“ - Dierk Hochgesang, Geschäftsführer Bundesverband Möbelspedition und Logistik.

Als besondere Herausforderung betrachtet Hochgesang zudem die knappen Logistikflächen. Ein Lager mit 5.000 Qua­dratmetern erlaube nur einen bestimmten Lagerumschlag. Alles darüber hinaus führe zu Stockungen. Gegen neue Logistikflächen protestieren zudem oftmals Bürgerinitiativen. Und auch manche Kommune siedelt lieber Betriebe an, die auf der gleichen Fläche ein Vielfaches an Arbeitskräften beschäftigen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
TA 19 Titel
trans aktuell 19 / 2019
27. September 2019
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