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Panalpina-Bilanz mit Rekord in der Luftfracht

Panalpina kommt bei SAP-Einführung voran

Panalpina Boing 747 Foto: Boing

Panalpina hat 2017 ein starkes Wachstum in der Luftfracht verzeichnet, die Seefracht war dagegen stark unter Druck. Bis Ende des Jahres will der Logistikdienstleiter die wichtigsten Märkte an seine neue SAP-Plattform anschließen. 

Weltweit alle Transaktionen über eine IT-Plattform abwickeln – der Logistikdienstleister Panalpina ist diesem Ziel ein gutes Stück näher gekommen. Bis Ende dieses Jahres sollen die für das Unternehmen wichtigsten Länder an die SAP-Plattform Transportation Management angeschlossen sein – neben Deutschland auch die USA und China. Den Anfang hatten 2015 die Schweiz und Singapur gemacht. "Wir werden einer der wenigen Logistikanbieter sein, die über eine solche Plattform verfügen", sagte Vorstandschef Stefan Karlen bei der Bilanzvorlage am Mittwoch in Zürich.

Kosten von 250 Millionen  Franken

Die Kosten des IT-Projekts seien im kalkulierten Rahmen geblieben, ergänzte Finanzchef Robert Erni. "Es ist weniger, als wir in den vergangenen Jahren an Dividende ausgeschüttet haben", sagte er – um dem Eindruck entgegen zu treten, die Investition ginge zu Lasten der Aktionäre. Ausgeschüttet habe Panalpina an seine Anteilseigner 400 Millionen Franken, gekostet habe das SAP-Projekt 250 Millionen Franken.

Das Panalpina-Management erwartet durch die verbesserte Datenverfügbarkeit und -qualität sowie eine erhöhte Transparenz einen deutlichen Effizienzsprung. "Sind weltweit alle auf dem gleichen Stand, erhöht das unsere Geschwindigkeit und reduziert den manuellen Arbeitsaufwand", erklärte Karlen und ergänzte: "Wenn Sie in der digitalisierten Welt ankommen wollen, müssen Sie diesen Kraftakt machen."
Um den digitalen Anforderungen gerecht zu werden, hat das Unternehmen aber noch weitere Weichenstellungen getätigt. Zum einen geschah das durch die Eröffnung eines IT-Centers of Excellence vorigen April in Lissabon. Dort entwickeln inzwischen rund 100 Software- und Prozess-Spezialisten Logistik-Lösungen für morgen. Zum anderen hat sich das Unternehmen dazu auch im Management verstärkt, indem es zum Mai die Google Schweiz-Managerin Sandra Emme (46) als IT- und Digitalisierungs-Verantwortliche nach Basel holt.
Mit der erhöhten Effizienz und verbesserten IT-Prozessen will das Panalpina-Team auch dem anhaltenden Druck in der Seefracht begegnen. Zwar nahm die Zahl der beförderten 20-Fuß-Container (TEU) im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf rund 1,5 Millionen zu. Doch rutschte das Unternehmen wegen der angespannten Margen mit einem Ergebnis von minus 15 Millionen Franken in die roten Zahlen. "Der Markt wird aktuell von nur acht Schifffahrtsunternehmen kontrolliert, die Margen gingen überall zurück", erläuterte Karlen, der für dieses Segment erneut ein schwieriges Jahr vorhersagt.
Über alle drei Sparten – Seefracht, Luftfracht und Logistik – hinweg steigerte der Logistikdienstleister voriges Jahr die Umsätze von 5,2 auf 5,5 Milliarden Euro, das Ergebnis ging von 110 auf 103 Millionen Franken zurück.

Das komplette Gegenteil zur Entwicklung in der Seefracht erlebte das Unternehmen in seiner größten Sparte, der Luftfracht. "Wir haben mit beinahe einer Million Tonnen so viel Volumen wie noch nie befördert", berichtete Firmenchef Karlen. Der Zuwachs belief sich auf acht Prozent. Das Ergebnis wuchs gar um 18 Prozent auf 110 Millionen Franken. Doch habe Panalpina nicht jedes Geschäft mitgemacht, sondern immer auf Profitabilität geachtet, bekräftigte Finanzchef Erni. Die Belegschaft musste gleichwohl Klimmzüge machen, um angesichts der knappen Kapazitäten die Sendungen in der Luft zu bewegen. Zusätzlich zum eigenen Luftfracht-Netzwerk und den Beiladungen habe es jede Menge Adhoc-Charter für Frachtmaschinen gegeben, teilte Karlen mit.
Die Logistiksparte profitierte ebenfalls von der Dynamik am Markt, musste sich aufgrund hoher Investitionen in das Netzwerk aber mit einem niedrigen Ergebnis zufrieden geben. Zum Jahresende wies Panalpina hier acht Millionen Franken aus – in relativen Zahlen mit plus 45 Prozent dennoch ein enormer Zuwachs.
Das Highlight in dieser Sparte stellt für das Management der Bau eines auch architektonisch ungewöhnlichen Logistikzentrums in Singapur dar, das in den nächsten Wochen in Betrieb gehen soll. 40 Millionen Franken investierte Panalpina in die Immobilie, in der Prozesse sehr stark automatisiert werden sollen und die auch auf Kühlgut ausgerichtet ist. "Beim Bau des sechsstöckigen Gebäude mit 40.000 Quadratmetern Logistikfläche handelt es sich um unsere größte Investition außerhalb von Europa", erklärte Karlen. Dort seien Logistiklösungen für mehrere Branchen geplant – etwa für die Telekommunikations-, Hightech- und Pharmabranche.
Seit Jahren innerhalb der Logistiksparte angesiedelt sind bei Panalpina die Landverkehre, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das zeigt sich zum Beispiel an neuen multimodalen Angeboten für die Schwergutbranche oder steigenden Sendungszahlen auf der Schiene von Asien nach Europa.
Panalpina erwägt nach eigener Darstellung, den Landverkehr weiter zu stärken – auch weil es entsprechenden Druck auf die großen Anbieter gebe. "Wir prüfen, wie wir hier weiter wachsen können, basierend auf unserem Asset-light-Ansatz, also ohne eigene Flotte", sagte Karlen auf Anfrage der Fachzeitschrift trans aktuell. Ob ihm der Bereich auch wirtschaftlich Spaß mache, beantwortete Finanzchef Erni mit den Worten: "Ja, weil er sehr profitabel ist."

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