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Österreichische Post testet Drohne

Vereinfachte Postzustellung in den Alpen

Österreichische Post, Drohne, Heidi, Alpenregion Foto: Österreichische Post

Die Österreichische Post hat das Projekt "Heidi" ins Leben gerufen. Bergbauern könnten auf diese Weise Pakete oder Briefe per Drohne zugestellt bekommen.

Technisch ist es machbar, es ist offenbar nur eine Frage der Zeit, bis Bergbauern Pakete oder Briefe mit der Drohne zugestellt bekommen. Wie das gelingen kann? Damit hat sich Österreichs größter KEP-Dienstleister, die Österreichische Post, beschäftigt. Auf herkömmlichem Weg nicht leicht erreichbare Alpen-Regionen künftig besser aus der Luft zu bedienen, dafür hat die Post das Projekt "Heidi" ins Leben gerufen.

Die Drohne steigt auf, fliegt selbstständig den Hof an, erkennt dort eine codierte Matte am Boden, landet punktgenau und legt Paket oder Brief ab. Die Logistik ist erledigt, die Drohne fliegt zurück zu "ihrem" Postboten und wird fertig gemacht für den nächsten Flug. Wobei die Post-Drohne sich deutlich unterscheidet von bisherigen Drohnen.

Bild­erkennung, Bildverarbeitung und selbstständige Landung entscheidend

Damit dieses Ablegen von Paket oder Brief gelingt, sind Bild­erkennung, Bildverarbeitung und selbstständige Landung der Zustelldrohne entscheidend. Die Drohne muss nicht nur fliegen, sondern sie muss auch "schauen". Dazu braucht es einen neuartigen Drohnen-Typ, den die Technische Universität (TU) in Graz entwickelt hat. Dieser Flugkörper navigiert nicht nur mithilfe von GPS, sondern hat auch eine Kamera an Bord, die den am Boden markierten Landeplatz, sprich die codierte Matte auf dem Platz vor dem Bergbauernhaus, erkennt und punktgenau auf diesen zufliegt und landet.

Die ersten Probeflüge mit diesem Drohnen-Prototyp in die Berge fanden im Herbst statt. Die Erfahrungen damit stimmen die Entwickler froh: Es funktioniert, aber bei den Leistungsparametern und in Sachen Zuverlässigkeit für den permanenten Einsatz muss noch optimiert werden.

Für Friedrich Fraundorfer ist das technisch machbar und nur eine Frage der Umsetzung. "Unsere Steuerung für punktgenaues Landen wurde in zahlreichen Tests evaluiert und arbeitet sehr zuverlässig", sagt er. Fraundorfer ist Assistenzprofessor am Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen an der TU Graz und Projektleiter bei diesem Drohnen-Projekt. "Wir versorgen die Drohne mit Intelligenz", sagt Fraundorfer. Während andere autonome Drohnen sich dank GPS zurechtfinden, hat der Prototyp Kameras und einen eigenen Computer an Bord, der die Bildauswertung übernimmt. "Die Drohne 'sieht' also, wo sie hinfliegt, und bewegt sich dementsprechend", erklärt er.

Wichtige Sicherheitsaspekte

Derzeit arbeitet Fraundorfers Team intensiv an der Bildauswertungssoftware für den Landeprozess. "Hier kommen nach dem Flug andere Sicherheitsaspekte zum Tragen: Die Drohne muss nicht nur ihren Landeplatz erkennen, sondern auch, ob sich dort Personen, Tiere oder Hindernisse befinden, und entsprechend schnell reagieren", erläutert Fraundorfer.

Startpunkt der autonomen Zustelldrohne ist eine ELI, ein vom österreichischen Unternehmen  SFL Technologies entwickeltes Elektrofahrzeug, das künftig auch bei der Postzustellung eine Rolle spielen kann. Was sich Fraundorfers Team ausdenkt, sind Sensorik und intelligente Steueralgorithmen für den autonomen Flug der Paketdrohne. Wirklich herausfordernd dabei sind die erwähnten Bildauswerte-Algorithmen.

Genaue gesetzliche Bestimmungen

Der Euphorie der Drohnen-Zustellung sind allerdings gesetzliche Grenzen gesetzt. In Österreich wurde vor drei Jahren das Luftfahrtgesetz novelliert und darin enthalten sind die genauen gesetzlichen Bestimmungen für den Einsatz von Drohnen auf dem österreichischen Hoheitsgebiet. Darin seien genaue Standards definiert, die sicherstellen sollen, dass die Drohnen auch sicher unterwegs sind und niemanden gefährden, erklärt Heinz Sommerbauer, Chef von Austro Control, die für die Sicherheit der Luftfahrt in Österreich zuständig ist.

Austro Control hat detaillierte Durchführungsbestimmungen erlassen, wie die Drohnenfliegerei in der Praxis erfolgen darf. Genau geregelt ist, unter welchen Umständen 5 bis 25 Kilogramm schwere Drohnen und solche über 25 Kilogramm schwere über besiedelte oder unbesiedelte Gebiete fliegen dürfen. "Daraus ergeben sich unterschiedliche Kategorien und in weiterer Folge die Strenge der Auflagen", erklärt Sommerbauer.
Ist eine Drohne mit einem Paket unterwegs, gilt es, etliche Aspekte zu beachten. Denn gleichzeitig geht Sicherheit über alles. Die österreichische Drohnen-Regelung hat sich laut Autro Control bisher bewährt und ist ein Grund dafür, dass in Österreich noch keinem Menschen eine Drohne auf den Kopf gefallen ist.

Potenzial für 57 Pakete am Tag

Die von der TU Graz und der Österreichischen Post entwickelte Paketdrohne ist dafür ausgelegt, von der Ladefläche eines Zustellfahrzeuges aus zu starten und auch dort wieder zu landen. Die Landung auf einer Ladefläche eines Fahrzeuges muss hochgenau erfolgen und wird durch Echtzeit-Bildverarbeitung auf der Drohne gelöst. Betriebswirtschaftlich hat die Post den Drohneneinsatz schon durchgerechnet mit dem Ergebnis: Noch ist die Drohnen-Zustellung ökonomisch nicht rentabel. Die Post transportiert pro Jahr 80 Millionen Pakete im Land, davon wären 57 Pakete pro Tag oder rund 20.000 pro Jahr für den Transport mit Drohnen relevant.

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