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Müdigkeit am Steuer

Was Spediteure für Fahrer tun können

Muedigkeit_am_Steuer, Muedigkeit, DVR Foto: Heinrich Voelkel

Der Sekundenschlaf ist jedes Jahr die Ursache für eine Vielzahl gefährlicher und zum Teil tödlicher Verkehrsunfälle. Laut Experteneinschätzung werden etwa 20 bis 25 Prozent aller Verkehrsunfälle durch Müdigkeit am Steuer verursacht. Je schwerer das Fahrzeug, desto fataler oft die Folgen.

13.07.2018 Ralf Lanzinger

2017 zeigte eine Kantar-Emnid-Befragung unter mehr als 350 Lkw-Fahrenden im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) und der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) im Rahmen der Kampagne „Vorsicht Sekundenschlaf!“: 85 Prozent der Befragten glauben, den Einschlafzeitpunkt am Steuer vorhersehen zu können. Viele unterschätzen so die Gefahr von Müdigkeit hinter dem Steuer.

Denn weder durch Erfahrung noch durch Willenskraft lässt sich akute Müdigkeit beim Fahren kompensieren. „Nehmen Sie Müdigkeit nicht auf die leichte Schulter und gehen Sie nicht davon aus, dass Sie den Moment des Einschlafens vorhersehen und verhindern können“, warnt DVR-Geschäftsführerin Ute Hammer. Das einzig wirksame Mittel gegen Müdigkeit am Steuer ist eine Pause. Ein Kurzschlaf von zehn bis 20 Minuten macht wieder wach und erhöht die Konzentration. Alternativ macht Bewegung an der frischen Luft wieder fit für die Weiterfahrt.

Ausgeschlafene Lkw-Fahrer fahren und sparsamer

Müdigkeit am Steuer stellt speziell für die Lkw-Fahrenden ein großes Risiko dar. Denn wer für drei Sekunden hinter dem Lenkrad einnickt, legt bei Tempo 80 knapp über 70 Meter im Blindflug zurück. Kommt es dann zu einem Unfall, kann es für die Betroffenen teuer werden: Wer müde einen Unfall verschuldet und sich oder andere schädigt oder sogar verletzt, muss nach § 315c Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer hohen Geldstrafe rechnen.

Müdigkeit am Steuer kann sich auch auf den Verbrauch der Fahrzeuge auswirken. 2009 zeigt eine Untersuchung der Daimler-Forschung gemeinsam mit dem Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg: Bei müden Lkw-Fahrenden steigt der Verbrauch um durchschnittlich einen Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer. Ausgeschlafene Lkw-Fahrende haben nicht nur ein geringeres Unfallrisiko, sondern fahren auch verbrauchs- und verschleißärmer. Dadurch können erhebliche Kosten eingespart werden.

Termine und Zeitverluste

Viele bleiben trotzdem auf der Straße, um Termine einzuhalten und Zeitverluste aufzuholen. Denn Baustellen und Unfälle sowie das Warten an den Be- und Entladestellen kosten oft wertvolle Minuten oder Stunden und erhöhen den ohnehin großen Termindruck. Laut § 20a der Fahrpersonalverordnung müssen jedoch Unternehmen wie Speditionen und Verlader die Fahrten so planen, dass den Fahrenden ausreichend Zeit bleibt, die gesetzlichen Vorschriften zu berücksichtigen. „Es ist nicht nur wichtig, dass die Unternehmen die Fahrten realistisch planen und auf die Einhaltung der gesetzlichen Ruhepausen achten, sondern auch, dass ihre Fahrer diese Pausen tatsächlich nutzen, um sich zu erholen“, ergänzt Hammer.

Laut der Befragung unter mehr als 350 Lkw-Fahrenden wünschen sich viele Unterstützung vom Arbeitgeber und eine andere Präventionskultur, wenn es um die Problematik von Müdigkeit am Steuer geht. Fast jeder Dritte wünscht sich von seinem Arbeitgeber, weniger unter Druck gesetzt zu werden (36 Prozent) und bei akuter Müdigkeit auch außerhalb der gesetzlichen Ruhezeiten eine Pause machen zu dürfen (34 Prozent). Zudem wünschen sich einige, dass das Thema innerhalb der arbeitsmedizinischen Untersuchung behandelt wird (16 Prozent).

Fitter und zufriedener

Unternehmen sollten die Wünsche ihrer Angestellten ernst nehmen und somit unter anderem vermitteln, wie gefährlich es ist, am Steuer einzuschlafen und wie wichtig es ist, ausreichend zu schlafen. „Schlaf trägt zur geistigen und körperlichen Regeneration bei und schützt so nicht nur vor psychischen Belastungen, sondern auch vor körperlichen Erkrankungen wie Bluthochdruck“, erklärt Dr. med. Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Das tatsächliche Schlafbedürfnis ist jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Grundsätzlich hat man dann genug geschlafen, wenn man sich morgens ausgeschlafen, emotional ausgeglichen und leistungsfähig fühlt. Ausreichend Schlaf trägt somit nicht nur zur Gesundheit, sondern auch zur Zufriedenheit, Konzentration und damit auch Sicherheit der Lkw-Fahrenden bei.

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Carsten Nallinger Carsten Nallinger Lkw-Navigation
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