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Möbel-Transport auf der letzten Meile

Dachser wickelt Logistikkette für Kare ab

Kare, Dachser, Möbel, Paket Foto: Dachser

Seit 2003 organisiert der Logistikdienstleister Dachser die logistischen Abläufe für den Münchner Möbel-Versandhändler Kare. Mittlerweile gehört auch das B2C-Geschäft dazu.

Wenn zwei sich als altes Ehepaar bezeichnen, denkt man an gegenseitiges Vertrauen, das über viele Jahre gewachsen ist. Aber auch an eingefahrene Abläufe und wenig Veränderung. Bei dem Designermöbelhändler Kare aus München und dem Logistikdienstleister Dachser mit Sitz in Kempten (Allgäu) trifft nur der erste Punkt zu: Seit 2003 organisiert Dachser die logistischen Abläufe für Kare. "So lange wie kein anderer unserer Dienstleister", erklärt Michael Wolf, Chief Operations Officer (COO) bei Kare. Die Zusammenarbeit mit anderen Transporteuren dauere sonst meist nicht länger als vier bis fünf Jahre. Darum verwendet Wolf für die Zusammenarbeit mit Dachser auch das Wort "Ehepaar".

Von eingefahrenen Abläufen kann dagegen keine Rede sein. Das liegt vor allem am zunehmenden Onlinehandel, der natürlich auch die Möbelbranche betrifft. "Wir haben als klassischer B2B-Dienstleister für Kare begonnen", erklärt Markus ­Lischke, Dachser-Verkaufsleiter der Gruppe München für die Sparte European Logistics, im Gespräch mit trans aktuell. Doch das genüge heutzutage nicht mehr. "Wer als Logistiker den B2C-Weg seiner Geschäftskunden nicht mitgehen kann, muss damit rechnen, auch das B2B-Geschäft zu verlieren", sagt Lischke.

Die wachsende Zusammenarbeit mit dem Möbelhändler war laut Lischke für Dachser einer der Gründe, um sich dem Privatkundengeschäft zuzuwenden. Denn Kare mit rund 200 Franchise­nehmern weltweit gründete im Jahr 2013 einen Onlineshop. Seit einem Jahr haben auch B2B-Kunden in einem separaten Shop die Möglichkeit, online zu bestellen. Laut Wolf zwei unverzichtbare Schritte: Wer als großer Player nicht auf Omnichannel setze, werde abgehängt.

B2B bleibt das Primärgeschäft

"Am Gesamtumsatz halten bei uns die Onlinebestellungen der Privatkunden allerdings nur einen Anteil von zehn bis 15 Prozent", erklärt Wolf. Dennoch sei die Anzahl der B2C-Sendungen streng genommen größer. "Zu unseren Hauptkunden zählen Amazon, Otto und Home24 – im Endeffekt ist das auch ein B2C-Geschäft." Den Versandhandelsriesen Amazon sieht er weniger als Konkurrenz, sondern vielmehr als "unglaublichen Treiber, was Servicegedanken und Standards betrifft". Zu den stationären Händlern, die Kare beliefert, zählen laut Wolf Firmen wie Segmüller, Porta Möbel, Ostermann und Mömax, aber auch viele Mittelständler. Ob New oder Old Economy: "B2B wird unser primäres Geschäft bleiben", erklärt Wolf.

Insgesamt ergeben sich täglich etwa 80 Sendungen, die Dachser europaweit für Kare transportiert – ausgenommen seien lediglich die Länder Frankreich, Spanien und Portugal. "Wir arbeiten im Landverkehrsnetz zumeist nicht mit Hubs, sondern im Direktlinien­verkehr", sagt Lischke. Speziell für B2C hat der Logistiker das Produkt "targo on-site" ent­wickelt, zu dem eine genaue Terminabsprache für die Lieferung gehört – in den Komfortvarianten kann diese auch abends und an Samstagen erfolgen.

Aufbauservice der Möbelspedition Dachser & Kolb

Den optionalen Aufbauservice übernehmen Partner der Möbelspedition Dachser & Kolb, eine Tochterfirma des Konzerns. Lischke legt bei der Privatkunden­belieferung großen Wert auf das Erscheinungsbild von Fahrer und Lkw: "Der Fahrer ist das Aushängeschild auf der letzten Meile." Auch für die Frachtführer gebe es daher Dachser-Kleidung und ein entsprechendes Fahrzeug-Branding.

Bei den Fahrzeugen, die auf der letzten Meile unterwegs sind, setzt Dachser zudem verstärkt auf alternative Antriebe. In München fährt daher ein Hybrid-Lkw für das Unternehmen und ist unter anderem auch für Kare im Einsatz. Der Logistikdienstleister zählt zudem zu den ersten Abneh­mern des Elektro-Lkw Fuso eCanter und bringt ihn zunächst in Stuttgart und Berlin zum Einsatz. "In den Städten gelten immer mehr Beschränkungen aufgrund der Luftverschmutzung", erklärt Lischke.

Modellversuche für eine emis­sionsarme Belieferung

Darum unternimmt Dachser Modellversuche für eine emis­sionsarme Belieferung von Innen­städten – zum Beispiel in Paris oder Stuttgart. "Auf dem Markt lässt sich der Mehrpreis für eine umweltfreundliche Zustellung allerdings schwer durchsetzen." Zudem hat das Unternehmen im vergangenen Jahr für den Transport auf der letzten Meile eine Tool-Box mit individuellen Lösungen für Städte entwickelt.

Wolf nennt eine weitere Herausforderung in der Citylogistik: "Es gibt einen Trend zu höheren Sequenzen und kleineren Sendungsgrößen." Selbst im Möbelsegment gehen viele kleinteilige Wohnaccessoires auf die Reise. "Am meisten verkaufen wir online aber einfache Möbel zum Selbstaufbauen", erklärt Wolf. Mit dem Angebot "Prima" bietet Kare die Möglichkeit zur 24-Stunden-Lieferung der beliebtesten Produkte des Sortiments.

Dachser gewährleistet dieses Zeitfenster nach eigenen Angaben ohne Probleme. Ein Trend, von dem der Möbel­versandhandel weitestgehend verschont bleibt, sind die hohen Retourenquoten. "Im B2C-Bereich liegen die Quoten bei etwa acht Prozent – damit sind wir zufrieden", sagt der COO von Kare. "Bei Möbeln bestellen die Menschen eben nicht drei Größen und schicken zwei zurück." Dafür sei die Verpackung ein sensibles Thema. "Zum Glück ist Kare bereit, in transportsichere Verpackungen zu investieren", erklärt Lischke. Beschädigte Möbel wolle schließlich niemand bekommen.

Die Verpackung spielt eine große Rolle

Vor allem in der Seefracht spielt die Verpackung eine große Rolle. "Die Ware ist teilweise 32 Tage auf dem Wasser und durchläuft verschiedene Klimazonen", erklärt Michael Gleich, der bei Dachser das Air & Sea Logistics (ASL)-Geschäft für den Südosten Deutschlands verantwortet.

Wöchentlich schlägt der Logistiker, laut Michael Gleich, für den Partner rund 20 Twenty-foot Equivalent Unit (TEU) um. Per Flugzeug und Schiff transportiert Dachser für Kare seit 2012. Im Mai 2017 kam die Beschaffung aus China hinzu. "China ist unser größter Einkaufsmarkt", erklärt Wolf. Darauf folge Indien und dann erst Europa. Die Ware aus China werde an den Häfen in Hamburg und Triest umgeschlagen und auf der Schiene zum Terminal München-Riem transportiert.

Von dort landet sie per Lkw im 30.000 Quadratmeter großen zentralen Kare-Lager in Garching-Hochbrück bei München. Ein breites Aufgabenfeld also, das die beiden Unternehmen Kare und Dachser täglich stemmen, von der Beschaffung über die Distribution. Fürs Gelingen der Zusammenarbeit sind ihnen vor allem zwei Dinge wichtig:
Kommunikation und Termintreue. Wie in einer gut funk­tionie­renden Ehe eben.

Die Unternehmen

Kare

  • Gegründet 1981
  • Gründer und geschäftsführende Gesellschafter: Jürgen Reiter, Peter Schönhofen
  • Weltweit rund 1.150 Mitarbeiter, am Hauptsitz in Garching-Hochbrück bei München rund 180, im Einzelhandel 200
  • Etwa 800 neue Produkte in 2018

Dachser

  • Gegründet 1930 von Thomas Dachser
  • CEO: Bernhard Simon (Enkel des Firmengründers)
  • Hauptsitz: Kempten (Allgäu)
  • Weltweit rund 27.500 Mitarbeiter, in Deutschland mehr als 14.000
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