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Riesiges Logistikzentrum für den Handel

Metro nimmt neue Hallen in Marl in Betrieb

Foto: Goodman/Metro Logistics

Wer bei Metro Logistics hinter die Kulissen blicken möchte, muss Zeit mitbringen – und ein wenig Ausdauer. Denn das neue Zentrallager des Handelskonzerns Metro in Marl (Kreis Recklinghausen) ist eines, das seinesgleichen sucht. "Es ist eines der größten Handelslogistikzentren in Europa", erklärt Geschäfts­bereichsleiter Thorsten Sega.

In Zahlen ausgedrückt heißt das: Rund 235.000 Quadratmeter Logistikfläche stehen der Metro in den beiden Hallen zur Verfügung, circa 225.000 Quadratmeter sind reine Lagerfläche,10.000 Quadratmeter entfallen auf Büro- und Sozialräume. In Halle A (etwa 80.000 Quadratmeter) schlägt das Unternehmen Waren für seine Metro Cash & Carry-Großmärkte um, in Halle B (rund 140.000 Quadratmeter) Artikel für seine Real-Hypermärkte. Führt Prokurist Sega Besucher durch die Anlage, kommen nicht selten sieben Kilometer zusammen. Den Mitarbeitern geht es ähnlich: "Ein Haustechniker hat mir neulich erzählt, dass er 16.000 Schritte am Tag läuft", sagt Sega. Allein die Gebäudefront misst 650 beziehungsweise 550 Meter.

Ein großes Bauvorhaben muss sauber geplant sein: Darum kümmerte sich der Immobilienkonzern Goodman, der rund 200 Millionen Euro in das Projekt investierte. Beratend bei dem Projekt standen der Metro die Makler von BNP Paribas und Jones Lang La Salle zur Seite.

Ab Mai will Metro in Marl unter Volllast arbeiten

Ähnlich abschnittsweise wie Goodman das Logistikzentrum fertigstellt, schließt die Metro es an ihr Netz an. Den ersten Abschnitt nahm das Handelsunternehmen im September in Betrieb, Schritt für Schritt kommen bis April weitere Hallenbereiche hinzu. "Ab Mai werden wir dann in beiden Lägern unter Volllast arbeiten", kündigt der Projektverantwortliche Sega an. Er rechnet ab diesem Zeitpunkt mit 700 bis 1.000 Lkw-Bewegungen am Tag. Von Marl aus versorgt Metro Logistics mehr als 100 Cash & Carry-Märkte sowie mehr als 280 Real-Märkte bundesweit mit Nonfoodartikeln. Außerdem beliefert das Unternehmen die Region im Umkreis von 200 Kilometern mit Frischeartikeln – knapp 110 Märkte beider Vertriebslinien.

In Marl lagern mehr als 20.000 unterschiedliche Artikel

Im Inneren der Hallen findet sich all das wieder, was Kunden auch in einem Metro Cash &
Carry- oder einem Real-Markt in den Einkaufswagen legen können, nur in deutlich höheren Mengen. Das Sortiment umfasst Lebensmittel-Schnelldreher wie Cola und Chips, Konsumgüter wie Küchenpapier und Duschgel, Nonfood­artikel wie Grills und Stapelstühle oder entflammbare Produkte wie Haarspray oder Grillpaste. Für Letztere steht in jeder Halle ein Gefahrstofflager zur Verfügung. Für Frischewaren unterhält Metro Logistics Abschnitte mit unterschiedlichen Temperaturzonen. Unterm Strich lagern in Marl mehr als 20.000 Artikel.

Weiterer Logistikstandort in Kirchheim an der Weinstraße

Abseits von der schieren Lagergröße profitiert Metro Logistics auch von der geografischen Lage: Das Bündeln von Aktivitäten am Standort Marl wirkt sich positiv sowohl auf die Arbeit in Nordrhein-Westfalen (NRW) als auch auf das bundesweite Netzwerk aus. Marl markiert den wichtigsten Knotenpunkt im Netzwerk und ist ein integraler Bestandteil der vor drei Jahren initiierten Lagernetzwerkstrategie (LNS). Ein weiterer wichtiger Knotenpunkt ist das im vorigen Juli in Kirchheim an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) neu ans Netz genommene, aber "nur" knapp 50.000 Quadratmeter große Logistikzentrum.

Metro-Netzwerk besteht aus acht statt vormals 13 Standorten

Vorgesehen ist, dass die zwei neuen Standorte Marl und Kirchheim im Zuge der Neuorganisation die Logistikdienstleistungen der bisherigen sieben Standorte abwickeln. In NRW ziehen die Standorte Essen, Frechen, Kamen und Unna mit ihrem Sortiment nach Marl . Die Standorte Bingen und Gimbsheim (Rheinland-Pfalz) sowie Gernsheim (Hessen) werden im Metro Logistics-Lager in Kirchheim an der Weinstraße aufgehen. Damit besteht das Lager- und Transportnetzwerk künftig aus acht statt vormals 13 Standorten.
Rund 1.200 Mitarbeiter sind von den Standortschließungen betroffen. Alle hätten Angebote zum Wechseln an die neuen Standorte bekommen, sagt der Projektverantwortliche. In Marl sollen nach der vollständigen Inbetriebnahme rund 1.000 Leute beschäftigt sein.

Lkw sind künftig besser ausgelastet

Gleich mehrere Faktoren sprachen laut Sega für die strategische Neuausrichtung in der Logistik. Die damaligen Standorte lagen nicht mehr geo-optimal zu den Märkten der Vertriebslinien, was zum Beispiel in Veränderungen des Portfolios der Metro begründet ist. Hinzu kam, dass die aufgegebenen Hallen baulich nicht mehr auf der Höhe der Zeit waren – weil sie zum Beispiel verwinkelt und die Materialflüsse damit teilweise nicht ideal waren, wie der Bereichsleiter sagt. Auch lagerte das Sortiment an den unterschiedlichen Standorten, während es in Marl und Kirchheim nun komplett zur Verfügung steht.

Das bedeutet, dass die Lkw nun besser ausgelastet sind, weil verschiedene Sortimente zusammengestellt werden können. In der früheren Netzwerkabdeckung kam es vor, dass die Lkw nicht komplett ausgelastet waren. Der Grund: Die vorgegebenen Zeitpläne, um die Ware in den Märkten abzuliefern, oder die Entfernungen zum nächsten Lager für Beiladungen ließen keine zusätzliche Auslastung zu.

Weil die beiden Standorte ein effizienteres Arbeiten ermöglichen und sich zusätzlich die Transportwege reduzieren, erwartet Sega auch handfeste Kosteneinsparungen. Marl und Kirchheim liegen nur 50 beziehungsweise 30 Kilome­ter vom errechneten Tonnenkilometer-Mittelpunkt entfernt, also dem geografisch optimalen Standort.

Dass die Metro-Logistiktochter beziehungsweise Goodman überhaupt die riesige Fläche in Marl ausfindig machen konnte, dürfte ein Glücksfall sein. Das Chemie­unternehmen Evonik ordnete seine Aktivitäten am dortigen Chemiepark neu und begab sich auf die Suche nach einem Pächter für die Brachflächen. Die Schlenke-Siedlung war bereits vor knapp zehn Jahren umgesiedelt worden, weitere Bauflächen entstanden durch die Aufgabe alter Industrieanlagen. Als geschickt für Metro Logistics erweist sich auch die Anbindung ans Umschlagterminal Marl. Metro Logistics nutzt es zum Import von Containern mit Nonfood-Artikeln aus Asien.

Ebenfalls günstig für Metro Logistics war, dass sich der Landkreis und die Stadt Marl klar für die Ansiedlung des neuen Arbeit­gebers aussprachen. Ein Gewinn für beide Seiten war, dass Metro Logistics im großen Stil Mitarbeiter vor Ort rekrutieren konnte. "In dieser vom Strukturwandel geprägten Region können wir auch weniger qualifizierten Arbeitnehmern oder Langzeitarbeitslosen eine echte Chance bieten", berichtet Sega. Der Bedarf nach Fachpersonal ergab sich auch daraus, dass nicht alle Mitarbeiter der geschlossenen Standorte den Wechsel an die neuen beiden Stütz­punkte mitmachen konnten.

Erwartungen an höhere Effizienz der Logistik erfüllen sich

Nicht nur beim Zeitplan blieb alles im grünen Bereich. Auch die Erwartungen hinsichtlich einer höheren Effizienz scheinen sich zu erfüllen. "Aus der Bündelung der Sortimente an einem Standort können wir erhebliche Synergien erzielen", bilanziert Prokurist Sega. Die Abläufe erfolgen strukturierter, das klarere Lagerlayout mache die Materialflüsse einfacher.

Doch natürlich muss am Anfang auch noch etwas improvisiert werden. "Hie und da kommt es schon einmal zu Verzögerungen, wenn neue Hallenabschnitte gefüllt und zeitgleich die neuen Mitarbeiter eingearbeitet werden müssen", sagt Thorsten Sega. Ganz geräuschlos könne eine solche Umstellung eben nicht erfolgen. Schon gar nicht bei einem Logistikzentrum in dieser Dimension.

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