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Abholstationen für die letzte Meile

Bring’s hin, nimm’s mit

Foto: Kern

Der Systemanbieter Kern will mit seinen nutzeroffenen 24/7 Smart Terminals in Deutschland durchstarten.

Deutsche Onlineshopper sind verwöhnt. Am liebsten lassen sie sich die im Internet bestellten Waren nach Hause liefern. Das fordert jedoch die Paketdienste heraus, da die Empfänger häufig gar nicht da sind, wenn der Bote klingelt. Die Fahrt war umsonst, und er muss noch mal kommen. Viel geschickter wäre es in solchen Fällen, der Kunde könnte seine Sendung auf dem Weg nach Hause oder zur Arbeit irgendwo abholen, wo er ohnehin vorbeikommt. Am besten rund um die Uhr, damit er sich nicht nach Öffnungszeiten richten muss.

Die Deutsche Post DHL hat dafür schon seit knapp 15 Jahren ihre Packstationen erfolgreich im Einsatz, die an zentralen Orten wie Bahnhöfen oder Supermarktparkplätzen zu finden sind. Alleine in München stehen beispielsweise 100 Stück mit 12.500 Fächern. Praktisch für den Kunden: Er kann seine Sendung holen, wann er will. Praktisch für den Zusteller: Er wird die Sendung beim ersten Versuch los. Nachteil: Der Service ist auf DHL-Sendungen beschränkt.

dm ist Pilotkunde

Das hat der Systemanbieter Kern aus Bensheim zum Anlass genommen, eine benutzeroffene Lösung auf den Markt zu bringen. In Zusammenarbeit mit ParcelLock, an der Hermes, DPD und GLS beteiligt sind, sowie weiteren KEP-Diensten, der RWTH Aachen sowie den Städten Ludwigsburg, Pfaffenhofen und Hamburg bietet das Unternehmen Terminals, um Lieferdiensten, dem stationären Handel, Logistikern oder auch Apotheken eine sichere Abholung und Rücksendung von Waren zu ermöglichen.

Nachdem Kern Ende April die ersten drei Abholstationen für den dm-drogerie markt in Hamburg offiziell in Betrieb genommen hatte, ist kürzlich die vierte Paketstation mit ParcelLock-System an den Start gegangen. Ab sofort können dm-Kunden ihre Bestellungen aus dem Onlineshop dm.de auch an die neue Abholstation in Hamburg-Osdorf liefern lassen und dort abholen. „Wir haben schon mehr als 800 Installationen in Spanien, Italien und Frankreich und gehen jetzt auch in den deutschen Markt und suchen Kundengruppen, die das mittragen“, sagt Rainer Rindfleisch, Geschäftsführer von Kern.

Der Anbieter will neben dm nicht nur die KEP-Dienste ansprechen, sondern beispielsweise auch Lebensmittelhändler und Unternehmen aus dem Bereich Pharmazie, wie Apotheken, die eine durchgehende Kühlkette benötigen. Diese Systeme basieren auf modularen, ungekühlten oder gekühlten Fächern und lassen sich weitestgehend auf die Bedürfnisse einer bestimmten Anwendung ausrichten. Im Bereich des Kühlens liegen die Temperaturen bei +1 bis +5 °C, für das Tiefkühlen bei –18 bis –20 °C.

Für alle Nutzer offen

Die Temperatur lässt sich per Fernbedienung in Echtzeit regeln. Bleibt die Türe zu lange geöffnet, schwankt die Temperatur, schlägt das System Alarm. Die Temperatur lässt sich für jedes Fach einzeln konfigurieren. Es soll nach dem Prinzip „Click and collect“ für alle offen sein – für B2B ebenso wie für B2C oder C2C. Öffnen und schließen können Nutzer das jeweilige Fach über eine App auf ihrem Smartphone.

Eine ergonomisch ausgelegte Benutzerschnittstelle ermöglicht eine sichere Bedienung. So ist gewährleistet, dass ausschließlich der vom Absender bestimmte Empfänger auf die eingelagerten Waren zugreifen kann. „Noch ist vielen Nutzern die Registrierung zu aufwendig“, sagt Rindfleisch. Daher arbeitet Kern an einer einfacheren Anmelde-Lösung. Wer als Dienstleister mitmachen will, kann sich über eine übergeordnete Anwendung anschließen. Das heißt, auch UPS, DHL oder Apotheken könnten die Smart Terminals nutzen.

Neben dem Handel spricht Kern auch Städte, Gemeinden und Kommunen an, die zum Teil mit Fahrverboten drohen, um die Innenstädte von Emissionen zu entlasten. „Es ist allerdings schwierig, Orte im öffentlichen Raum zu finden, wo unsere Smart Terminals aufgestellt werden können“, sagt der Geschäftsführer. Maßstäbe setze ein Projekt in Mannheim, wo in einem neuen Wohnquartier die Home-Variante der Smart Terminals zum Einsatz kommt, die den Bewohnern zur Verfügung stehen wird.

Ludwigsburg hat Living Lab gegründet

Ludwigsburg etwa hat zwölf Standorte ausgemacht, wo Smart Terminals aufgestellt werden sollen. Zudem hat die schwäbische Stadt zusammen mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie und Forschung das Innovationsnetzwerk Living Lab gegründet, das Lösungen erarbeitet, um die City smarter und lebenswerter zu machen. In einem von mehreren Förderprojekten geht es darum, dass Bürger künftig die beantragten Personalausweise und Reisepässe an einem 24/7 Smart Terminal von Kern vor dem Rathaus abholen können. Zum Öffnen des Faches genügt hier nicht die App. Der Bürger muss sich zusätzlich über seinen Fingerabdruck-Scan verifizieren, den er sowieso bei der Antragstellung hinterlegen muss.

„Bei 5.000 Ausweisen pro Jahr erspart das nicht nur den Sachbearbeitern viel Zeit, die pro Ausgabe 10 bis 15 Minuten benötigen“, sagt Rindfleisch. Sie könnten in der gewonnenen Zeit andere Aufgaben erledigen. „Die Stadtväter wollen auch nicht, dass jeder bis 16 Uhr in die Stadt fährt, um seinen Ausweis abzuholen“, fügt der Geschäftsführer hinzu. Sollte das Pilotprojekt gut laufen, ist vorstellbar, Smart Terminals in den Stadtteilen aufzustellen, sodass Bürger zur Abholung ihres Ausweises gar nicht in die Stadt fahren müssen. „Man könnte sie dann auch öffnen und beispielsweise Ersatzteile für die Stadtwerke oder Monteure anderer Firmen reinlegen“, erläutert Rindfleisch.

Ziel von Kern sei es nicht, seine Terminals neben die Packstation oder Amazon Locker zu stellen. „Jeder, der ein 24/7 Smart Terminal aufstellt, muss es selbst betreiben“, sagt er. Schließlich sei Kern nicht in der Lage, beispielsweise im Winter davor den Schnee wegzuräumen. Der Betreiber generiert darüber hinaus auch Einnahmen. Die KEP-Dienste zahlten bis zu 50 Cent für die Möglichkeit, ihr Paket loszuwerden, fügt Rindfleisch hinzu. Vorstellbar sei auch, dass der Lebensmitteleinzelhandel für seine Kunden in der ländlichen Region Terminals aufstellt, wo Verbraucher online bestellte Ware abholen. „Vielleicht beteiligt sich dann die örtliche Bank oder ein anderer, der das Terminal ebenso nutzen will – dann könnten sich die Betreiber die Kosten teilen.“

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