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Problem Ladeinfrastruktur

Zu wenig Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge

Foto: Streetscooter

Viele Standorte der Paketdienste sind für den erhöhten Stromverbrauch durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen nicht ausgelegt.

Unternehmen der Paketbranche integrieren zunehmend Elektrofahrzeuge in ihre Flotten. Die batteriebetriebenen Fahrzeuge sind tagsüber in Innenstädten im Einsatz, nachts hängen sie an der Steckdose, damit sie auch am nächsten Tag wieder zuverlässig ihren Dienst verrichten können. Doch ganz so einfach ist es nicht. Dass sie für die emissionsfreie Zustellung ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen wie Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft, Biomasse, Erdwärme oder Klärgas verwenden, ist für alle Paketdienste dabei selbstverständlich. Allerdings waren oder sind viele Standorte für den erhöhten Stromverbrauch nicht ausgelegt.

Kein flächendeckendes Tankstellennetz

Eine leistungsfähige Ladein­frastruktur aufzubauen, stellt eine neue und große Herausforderung für die Paketbranche dar. Bisher konnte sie für den Kraftstoff der Zustellfahrzeuge auf das flächendeckende öffentliche Tankstellennetz zurückgreifen. Die Kosten für den Aufbau einer Elektro-Ladeinfrastruktur sind sehr hoch. Förderprogramme finanzieren bisher nur einen kleinen Teil davon. Dennoch stehen die Unternehmen zu ihrer Verantwortung und tragen als Paketdienstleister ihren Teil zu einer sauberen City-Logistik bei.

Die Deutsche Post DHL etwa setzt mittlerweile in Deutschland bereits 7.000 Elektro-Zustellfahrzeuge der Eigenmarke Street­scooter ein. „Wir haben schnell festgestellt, dass der Aufbau der Ladeinfrastruktur nicht ganz trivial ist und auch bei diesem Thema eine eigene Kompetenz aufgebaut“, sagt Prof. Dr. Achim Kampker, Gründer und Geschäftsführer von Streetscooter. Damit sei das Unternehmen nun in der Lage, die Betriebshöfe selbst zu erschließen und die entsprechende Ladeinfrastruktur aufzubauen. Das bietet Streetscooter auch seinen Kunden an. „Erforderlich ist viel Detailwissen, etwa wo Stromkabel verlegt werden können und welche Anschlussleistung an dem Standort benötigt wird, damit beispielsweise im Sommer, wenn die Klimaanlagen laufen, immer noch genügend Strom vorhanden ist“, erläutert Kampker.

Streetscooter hat im Auftrag seines Mutterkonzerns die Lade­infrastruktur für die vorhandene Elektroflotte aufgebaut. Das Unternehmen unterhält damit in Deutschland vermutlich die meisten Ladepunkte für E-Fahrzeuge, von zwei oder drei bis hin zu 50 Stück an einem Standort. „Aus unserer Sicht sind grundsätzlich alle Themen lösbar. Wir gehen immer Schritt für Schritt vor und lernen beim Tun, etwa durch die Partnerschaft mit Stadtwerken“, sagt er. Wie schnell ein Depot nachgerüstet ist, hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab.

Vermieter miteinbeziehen

Da die Post viele Standorte nur gemietet hat, muss auch der Vermieter in die Umrüstpläne einbezogen werden und die Vorhaben unterstützen. Entscheidend ist, wie schnell der Energieversorger liefern und ob beispielsweise auf dem eigenen Gelände über Fotovoltaikanlagen eigener Strom zugeführt werden kann. Die kleine Firma Streetscooter versteht sich hierbei als Pionier. „Wir leisten damit auch einen Dienst an der Gesellschaft und zeigen auf, dass es geht“, fügt er hinzu. Inzwischen sind bundesweit rund 600 von rund 3.000 Depots mit Ladeanschluss für die elektrisch angetriebenen Transporter ausgestattet. Insgesamt hat Deutsche Post DHL rund 8.800 Ladesäulen über ganz Deutschland verteilt installiert.

Auch Hermes hat sich das Ziel gesetzt, bis 2025 in allen deutschen Großstädten emissionsfrei zuzustellen. Gemeinsam mit Mercedes-Benz will der Paketdienst bis 2020 rund 1.500 Fahrzeuge auf die Straße bringen. „Zusätzlich testen wir die zukünftige Feinverteilung über elektrifizierte Cargo-Bikes oder Zustellroboter“, sagt Olaf Schabirosky, Geschäftsführer Services & Chief Digital Officer bei Hermes Germany. Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte und der damit verbundene Aufbau einer Ladeinfrastruktur spielen hierbei eine maßgebliche Rolle.

Für jedes eingesetzte Fahrzeug braucht es einen Ladeanschluss. Häufig muss zu diesem Zweck der Hauptanschluss eines Standorts an das Stromnetz erweitert werden, damit die für die Lade­infrastruktur benötigte Leistung verfügbar ist. Für jeden der mehr als 300 Hermes-Standorte muss individuell geplant und konzipiert werden. Der Paketdienst führt dafür auch Gespräche mit anderen Unternehmen, um möglicherweise bei der Nutzung von Ladeinfrastruktur zu kooperieren. Um Lastspitzen zu vermeiden und den Betrieb sonstiger elektrischer Anlagen nicht zu gefährden, arbeitet Hermes mit einem intelligenten und elektronischen Lastmanagement. Bei den neuen Logistik-Centern, die der Paketdienst im Rahmen seines großflächigen Infrastrukturprogramms bis 2020 baut, werden die Stromanschlüsse natürlich gleich miteingeplant.

„Unsere bisherige Arbeit an elektrischen Lkw hat gezeigt, dass die Einschränkungen der lokalen Netzinfrastruktur eines der Haupthindernisse für deren großflächige Einführung sind“, sagt Tanja Dalle-Muenchmeyer, Programmmanagerin für elektrische Fracht bei Cross River Partnership. Das Unternehmen hat Mitte März gemeinsam mit dem Paketdienst UPS und UK Power Networks in London das Ergebnis des Projekts Smart Electric Urban Logistics (SEUL) vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine neue Ladetechnik, die in der Lage ist, eine ganze Flotte von Elektrofahrzeugen gleichzeitig aufzuladen, ohne dass eine teure Aufrüstung des Stromnetzes nötig ist.

Intelligente Stromnetze

Das Smart Grid genannte intelligente Stromnetz verfügt über einen zentralen Server, der mit jedem Ladeposten der Elektrofahrzeuge sowie der Netzstromversorgung und dem dezentralen Energiespeicher verbunden ist. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Initiative ist der Einsatz von Energiespeicherbatterien vor Ort. Obwohl aktuell neue Batterien genutzt werden, ist künftig geplant, auch gebrauchte Batterien, die bereits in einem UPS Elektrofahrzeug im Einsatz waren, wiederzuverwenden. Das ermöglicht es UPS, in der britischen Hauptstadt seine E-Flotte von 65 auf 170 aufzustocken.

Im Rahmen seiner City-Logistik-Projekte in Deutschland setzt UPS für eine nachhaltige Zustellung in deutschen Innenstädten E-Lastenfahrräder ein. Teil dieses Projektes sind sogenannte Mini-Depots, die die Mitarbeiter am Morgen in den Niederlassungen mit Sendungen befüllen und an ihren Stellplatz in der Innenstadt bringen. Per E-Lastenrad werden die Pakete von dort aus zugestellt. Bei der Auswahl der Stellplätze für die Mini-Depots spielt die Stromversorgung eine wesentliche Rolle – im besten Fall wird diese direkt in der Innenstadt gewährleistet. In Dortmund erfolgt die Aufladung der Akkus für die E-Lastenfahrräder in der Niederlassung. Beim Zubringen der Sendungen für das Mini-Depot am Morgen werden die geladenen Akkus dann direkt mitgenommen und vom Zusteller ins E-Lastenfahrrad eingesetzt.

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Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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