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KEP Kongress

Offene Standards bilden Zukunft

Lkw und Pkw auf einer Autobahn Foto: Alev Atas/ETM

Um überleben zu können, müssen sich KEP-Unternehmen Themen wie Big Data öffnen.

Der KEP-Markt besteht zu 80 Prozent aus Paketsendungen. Die Mengen steigen. "Durch die Digitalisierung, Standardisierung und das Wachstum wird sich die Menge im individuellen Dienstleistungssegment prozentual verringern" – das sagte Andreas Schumann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Kurier-Express-Postdienste (BdKEP), beim ersten KEP Kongress des ETM Verlages in Nauen. Die Branche sei heterogen aufgestellt. "Regionale KEP-Dienste sind dabei vor allem auf der ersten und letzten Meile tätig", erläutert er. Überregionale KEP-Dienste erledigen den Hauptlauf. In dem Markt tummeln sich aber ebenso traditionelle Lieferanten, Start-ups oder Quereinsteiger wie Amazon. "Wertschöpfung gelingt dann, wenn die Einnahmen erhöht oder die Kosten gesenkt werden", fügt Schumann hinzu.

So weit, so logisch. Festzustellen sei, dass es inzwischen eine starke Spezialisierung bei den Teilprozessen gebe, wie Kunden- oder Personalakquise, Fuhrpark- oder Prozessmanagement sowie Digitalisierung, die unterschiedliche Marktteilnehmer erbringen. In diesen Segmenten wird sich laut Schumann künftig Wertschöpfung abspielen. "Es gibt aber KEP-Dienste, die noch sehr manuell arbeiten", betont er.

Hohe Anforderungen im Lebensmittelsegment

Um also künftig überleben zu können, müssen sich die Unternehmen auch Themen wie Big Data öffnen. Daten müssen zusammengeführt, standardisiert und ausgetauscht werden. "Dafür sind offene Standards nötig sowie eine einheitliche Paketnummer ähnlich des Barcodes, der auf Produkten zu finden ist", fügt er hinzu. Unternehmen müssen sich seiner Ansicht nach auf Kernkompetenzen spezialisieren und Kooperationen mit Technologiepartnern und anderen KEP-Diensten eingehen.

Wie übergreifende Logistikkonzepte in die Praxis umgesetzt werden könnten, erläutert Toralf Schneider, Geschäftsführer von Saftoo.de und Net4x, am Beispiel der Vermarktung von regionalen Lebensmitteln. Gerade in diesem Segment seien die Anforderungen hoch, nicht nur Termintreue, sondern auch die Schnelligkeit betreffend. In seinem Projekt geht es sowohl  um die Beschaffung, also die Abholung der Ware bei den Produzenten der Lebensmittel, als auch die Zustellung zum Endkunden. "Die Hersteller möchten ihre Produkte selbst vermarkten, wissen aber häufig nicht, wie", sagt er.

Übergreifendes Logistik-System soll aufgebaut werden

Hier setzt das Konzept von Toralf Schneider auf. Gemeinsam mit Partnern habe er den Marktplatz Marktgenuss Brandenburg als Pilotprojekt gestartet, sagt er. Über diese Plattform sollen die Produkte im Großraum Berlin vermarktet werden. Es gelte, eine Community aufzubauen und breite Kundengruppen zu erschließen. Die dahinter stehende Logistik soll offen angelegt sein. Auf der Beschaffungsebene könnten KEP-Unternehmen oder Speditionen zum Einsatz kommen. Aber auch der Kombibus, ein öffentliches Verkehrsmittel, das nicht nur Personen, sondern auch Waren befördert, könnte beteiligt werden.

"Der klassische Lieferweg ist hierfür kaum geeignet, da zumeist Kleinstmengen wie zehn Gläser Honig verschickt werden sollen", erläutert Schneider. Es soll ein übergreifendes Logistik- und IT-System aufgebaut werden, das freie Kapazitäten aufzeigt. Es sollen Transportmittel genutzt werden, die die Wege ohnehin zurücklegen. Mehr Verkehre sollen dafür nicht entstehen. "Unser Ziel ist, es den Ablauf zu standardisieren", fügt er hinzu. Daher sei auch in der Zustellung ein Bündel an intelligenten Lösungen erforderlich. Das A und O sei dabei der Datenaustausch aller Beteiligten über die Plattform.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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trans aktuell 10 / 2017
5. Mai 2017
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