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Hellmann Worldwide Logistics

So geht gesunde Logistik

Hellmann Worldwide Logistics, BGM, Azubi, Bewegungsmodul Foto: Ralf Lanzinger

So setzt Hellmann das Betriebliche Gesundheitsmanagement um. Unter anderem bietet das Unternehmen spezielle Sportmodule für Auszubildende.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist zwar eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, doch immer mehr Unternehmen der Transport- und Logistikbranche entdecken den Wert. Dazu zählt auch Hellmann Worldwide Logistics in Osnabrück. Adam Pietzka ist der Leiter des BGM bei Hellmann und wurde vor fünf Jahren eigens dafür eingestellt. Er hat Gesundheitswissenschaften studiert und vor wenigen Monaten sein berufsbegleitendes Masterstudium dazu abgeschlossen. Sein Credo: „BGM muss nicht unbedingt Mil­lionen kosten – man kann auch klein ­anfangen.“ Kann? Muss! „Denn es gibt einen hohen Bedarf, insbesondere in der Logistik.“ Pietzka verweist auf den Fehlzeitenreport der AOK, der die Fehlzeiten der AOK-Ver­sicherten enthält. Daraus ist ersichtlich, dass der Krankenstand in sämtlichen Logistikberufen im Jahr 1994 zusammengefasst bei 6,4 Prozent lag, in den 2000er-Jahren auf 4,6 Prozent zurückging und sich zwischen 2015 und 2018 bei permanent 6 Prozent einpendelte. Doch ein niedriger Krankenstand ist nicht das einzige Ziel des BGM, sondern auch eine höhere Arbeitszufriedenheit und damit eine größere Loyalität der ­Mitarbeiter.

„Dies wirkt sich oft positiv auf die Produktivität aus“, weiß Pietzka. Um das zu erreichen, hat Hellmann sein BGM in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Bei der weiteren Implementierung spielte der Aufbau einer Gesundheitswerkstatt für Führungskräfte eine große Rolle. „Die Führungskräfte sind der Dreh- und Angelpunkt beim BGM“, betont Adam Pietzka. „Wenn die Führungskräfte nicht mitmachen, hat man keine Chance, das Thema bei den Mitarbeitern zu platzieren.“ In der Gesundheitswerkstatt sollen die Führungskräfte lernen, einerseits die Mitarbeiter zu sensibilisieren, andererseits auch auf sich zu achten (Selfcare).

Unterstützer finden

Wichtig bei der Implementierung sei auch, Kooperationspartner zu finden, betont Pietzka. So haben beispielsweise die Krankenkassen den gesetzlichen Auftrag, die Gesundheit der Mitarbeiter in den Betrieben zu unterstützen und auch finanzielle Mittel bereitzustellen. „Diese Möglichkeit sollte man unbedingt nutzen“, rät der Gesundheitsmanager. Unternehmensintern hält er die Zusammenarbeit mit Betriebsärzten und -räten für sehr wichtig. Für ebenso sinnvoll erachtet er, innerbetriebliche Unterstützer zu aktivieren. Hierzu zählen beispielsweise Mit­arbeiter, die „­Opinion-Leader“ sind. Das heißt, die großen Einfluss auf die Meinung anderer Mitarbeiter haben. Bei der Erstansprache setzt Pietzka auf „Quick Wins“, also schnelle Ergebnisse, die mit wenig Aufwand erzielt werden können. Quick Wins können beispielsweise Gesundheitstage zu Bewegung, Ernährung oder Meditation sein.

Als weiterer Schritt folgte bei Hellmann die Etablierung von Steuerungskreisen in den Niederlassungen vor Ort. Eingebunden ist hier von Beginn an eine möglichst breit gefächerte Interessengruppe. Diese besteht beispielsweise aus der Niederlassungsleitung, weiteren Führungskräften, Personalreferenten, dem Betriebsrat sowie zusätzlichen kaufmännischen und gewerblichen Mitarbeitern. Diese Steuerungskreise haben die Aufgabe, die Situation vor Ort zu analysieren und Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung zu ­entwickeln.

Abwechslung zum Büro

Hellmann achtet darauf, bei der Ansprache der Mitarbeiter unterschiedliche mediale Kanäle zu nutzen, etwa das Intranet, Plakate und Flyer. „Wir erreichen jetzt 70 bis 80 Prozent unserer Mitarbeiter in Deutschland mit unseren Gesundheitsangeboten“, erklärt Pietzka. Dazu zählen beispielsweise Bewegungsmodule von jeweils 90 Minuten in der Woche, die in der „aktiven Mittagspause“ stattfinden. Hierzu engagiert Hellmann professionelle ­Fitnesstrainer. Für Auszubildende bietet Hellmann am Standort Osnabrück das eigens konzipierte Modul „Azubi-Fit“ an. Es umfasst neben klassischen Sportübungen auch Einheiten zu den Themen Ernährung und psychische Gesundheit. Die Sporteinheiten finden in einem eigens dafür angemieteten Fitnessstudio statt.

Emma Wohlschläger ist Azubi im zweiten Lehrjahr zur Bürokauffrau. „Ich finde die Sporteinheiten richtig gut – eine tolle Abwechslung zur Büroarbeit. Gerade wenn man anfängt, zu arbeiten, kommt der Sport in der Freizeit durch die Umstellung auf einen Achtstundentag oft zu kurz. Da ist es gut, wenn der Arbeitgeber motiviert, trotzdem Sport in den Alltag zu integrieren“, sagt sie zu trans ­aktuell bei einem Besuch vor Ort. Auch Dennis Kaiser ist Azubi. Er befindet sich im ersten Lehrjahr und absolviert eine Ausbildung zum Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistungen. Auch ihm gefällt das Sportmodul gut. „Als Fußballer hatte ich vor einiger Zeit einen Kreuzbandriss. Die Übungen helfen, die Bänder zu stabilisieren.“ Zudem ist Hellmann seit Sommer 2019 Mitglied des Fitnessverbunds Hansefit. Die Mitarbeiter können somit in Fitnessstudios, Schwimmbädern sowie Tennis- oder Klettervereinen Sport treiben. Hellmann beteiligt sich am Monatsbeitrag. Für Azubis gibt es einen zusätzlich vergünstigten Tarif. Darüber hinaus setzt Hellmann auf Workshops und Schulungen zum Thema Ergonomie und bietet Hilfsmittel für erkrankte Mitarbeiter. Um Krankheiten vorzubeugen, helfen ergonomische Büromöbel und moderne Arbeitsbereiche.

Adam Pietzka, Gesundheitsmanager Foto: Ralf Lanzinger
Adam Pietzka, Gesundheitsmanager bei Hellmann Worldwide Logistics: „Die Führungskräfte sind der Dreh- und Angelpunkt.“

Familie und Beruf vereinbaren

Auf positive Resonanz stoßen mobile Massagen wie auch Seminare zu Stressmanagement und Resilienz. Ergänzend dazu spendiert das Unternehmen mindestens einmal wöchentlich Büro-Obst und bietet in der Kantine gesunde Gerichte an. Zudem hat Hellmann in der Region West an sechs Standorten eine betriebliche Sozialberatung eingerichtet. „Wir garantieren hier unseren Mitarbeitern absolute Anonymität“, betont Pietzka. Um den Erfolg des BGM zu messen, ist Hellmann gerade dabei, ein eigenes Controllingsystem aufzubauen.

In welche Richtung entwickelt Hellmann das BGM weiter? „Hier haben wir bereits klare Vorstellungen entwickelt“, berichtet Pietzka. Im Zentrum steht das Programm „Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0“, also die Unterstützung der Mitarbeitergesundheit in Zeiten der Digitalisierung. Verstärkt soll auch das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf fokussiert werden. So gibt es bereits Eltern-Kind-Büros und eine ­Kindernotfallbetreuung. Homeoffice-Regelungen sind in den Betriebsvereinbarungen verankert. Ebenso entwickelte Hellmann Leitfäden zur Pflege von Familienangehörigen.

Das Unternehmen

Das Familienunternehmen wurde 1871 von Carl Heinrich Hellmann als Einmannbetrieb mit Pferdefuhrwerk im norddeutschen Osnabrück gegründet. Als global agierender Logistikdienstleister ist Hellmann heute mit einem weltweiten Netzwerk von 20.500 Beschäftigten mit 489 Büros in 173 Ländern vertreten. Zum 1. August 2017 wurde eine neue Struktur gegründet mit einer übergeordneten Holding mit den Zentralbereichen sowie den Produktsparten Air & Sea, Road & Rail und Contract Logistics.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
trans aktuell 02 2020
trans aktuell 02 / 2020
14. Februar 2020
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