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Girteka setzt auf Frauen am Steuer Spedition sucht gezielt Lkw-Fahrerinnen

Lkw-Fahrerinnen bei Girteka Foto: Girteka

Lkw-Fahren ist eine Männer-Domäne. Dass das nicht so sein muss, will der litauische Großflottenbetreiber Girteka zeigen – und führt dazu Beispiele von Frauen am Steuer von Trucks an.

Lkw-Fahren gilt immer noch als ein Beruf, der für Frauen nicht geeignet ist. Diesem Klischee möchte der litauische Großflottenbetreiber Girteka entgegentreten. Daher berichtet nun Girteka-Mitarbeiterinnen, wie es ist, am Lkw-Steuer zu sitzen. Fakt ist, dass der Fachkräftemangel auch das osteuropäische Transportunternehmen umtreibt.

Girteka: Fachkräftemangel führt zum Umdenken

Ein Blick auf die Statistik der International Road Transport Union (IRU) zeigt – in den meisten europäischen Ländern liegt der Frauenanteil bei unter 3 Prozent, wenn es ums Lkw-Fahren geht. Diese Situation ändere sich allmählich. Vor allem der Fachkräftemangel erfordere ein Umdenken. Unternehmen müssten Maßnahmen ergreifen, um Frauen für diesen Sektor zu gewinnen und zu halten, heißt es seitens Girteka. Wie Beispiel von Lkw-Fahrerinnen im eigenen Unternehmen.

Oksana Fedorenko: Wechsel vom Taxi zum Lkw

Bevor sie in die Welt des Güterverkehrs einstieg, war Oksana Fedorenko aus der Ukraine als Taxifahrerin tätig. Ihre Motivation war, die finanzielle Situation ihrer Familie zu verbessern. Ihr Mann, ein Berufskraftfahrer, hatte sie zusätzlich zu diesem Schritt ermutigt. „Es gibt heute viele Frauen auf Europas Straßen, die oft besser fahren als Männer“, sagt Fedorenko.

Am Anfang war das Lkw-Fahren beängstigend

Lkw-Fahrerin Oksana Fedorenko Foto: Girteka
Oksana Fedorenko fährt lieber Lkw als Taxi.

Sie gibt allerdings auch zu, dass es anfangs nicht einfach war: „Die ersten paar Male war es beängstigend, aber ich habe keine Angst, auch zehnmal aus dem Auto auszusteigen, wenn ich sehe, dass ich den Lkw nicht richtig einparken kann“, sagt sie. Und fügt hinzu, dass sie sich bei der Arbeit sicher fühlt und sich immer auf die Hilfe von Kollegen verlassen kann. Mittlerweile arbeitet sie seit mehr als einem Jahr bei Girteka und hat ihren neuen Job schätzen gelernt. In ihren wöchentlichen Ruhepausen sei es ihr möglich, interessante Orte zu besuchen: Jedes Land, sei es Frankreich, Italien oder Spanien, sei auf seine Weise interessant. „Vor kurzem habe ich zum Beispiel ein Automuseum in Deutschland besucht. Ich gehe auch gerne am Meer spazieren, wenn es dort einen Parkplatz in der Nähe gibt“.

Yulia Stoliarchuk: Keine Angst vor Männer-Berufen

Auch die zweifache Mutter Yulia Stoliarchuk, ebenfalls aus der Ukraine, ist vom Lkw-Fahren fasziniert. Zuvor hatte sie eine Ausbildung als Öl- und Gasbohrerin absolviert. „Ich habe mich schon immer für männliche Berufe interessiert“, sagt sie. Nun genieße sie es, unterwegs zu sein: „Jeden Tag erlebe ich etwas Neues: Ich treffe neue Leute, sehe die Unterschiede zwischen Ländern und Städten, bewundere die Landschaft aus dem Fenster und lerne viele Fremdwörter“, sagt Stoliarchuk.

Den Herausforderungen des Fahrer-Berufs stellen

Lkw-Fahrerin Yulia Stoliarchuk Foto: Girteka
Yulia Stoliarchuk sieht einen Wandel in der Branche.

Nach sechs Monaten als Lkw-Fahrerin ist sie überzeugt, dass sich die Situation für Frauen in der Branche ändert. Beim Be- und Entladen der Lkw habe sie vermehrt Frauen gesehen. Des Weiteren sei die finanzielle Situation ihrer Familie mittlerweile deutlich besser. Stoliarchuk weist auch darauf hin, dass Fernfahrer mit vielen Herausforderungen konfrontiert sind: Das Fahren in der Nacht erfordere besondere Fähigkeiten, sagt sie. Und der Einkauf von Lebensmitteln könne bisweilen zum Problem werden, weil die Geschäfte nicht immer in der Nähe von Parkplätzen liegen. Das Kochen auf einem tragbaren Herd hat sie sich wiederum von ihren männlichen Kollegen abgeschaut.

Job und Familie lassen sich vereinbaren

Weit weg von zu Hause zu sein, hindere einen nicht daran, Mutter zu sein, darin sind sich die beiden Frauen einig. Es sei sehr wohl möglich, diesen Job mit dem Familienleben zu vereinbaren. „Das Wichtigste ist, dass die Familie versteht, wohin die Mutter gegangen ist“, sagt Oksana, die einen 13-jährigen Sohn hat. Sie habe etwa gelernt, die Hausaufgaben ihres Kindes aus der Ferne zu kontrollieren. Auch Julia hat zwei minderjährige Kinder, denen sie aus der Ferne bei den Hausaufgaben hilft. Sie findet, dass Videoanrufe sehr hilfreich sind: „Wir lachen und weinen online.“

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