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Facebook für die Container-Welt

Visimatch.com generiert online Direktdreher

Fotolia Seecontainer Foto: Jan Becke

Das Start-up Visimatch.com hat sich der E-Mail- und Excel-Flut in der Containerlogistik angenommen und dafür den Deutschen Mobilitätspreis gewonnen.

Das Segel aufmachen: So lautet Ralf Niemeiers Motto in diesen Tagen. Sein Onlineportal Visimatch.com generiert Direktdreher in der Containerlogistik und hat dafür kürzlich den Deutschen Mobilitätspreis des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gewonnen. „Ein Preis wie dieser gibt viel Rückenwind“, erklärt Niemeier im Gespräch mit trans aktuell. Aber eben nur, wenn man das Segel öffne. Das heißt konkret: aktiv auf Veranstalter und die Presse zugehen, das große Medienecho nutzen.

Niemeier weiß genau, was zu tun ist. Schon mit 17 Jahren hat er sich selbstständig gemacht und mittlerweile 14 Unternehmen aufgebaut. Darunter war auch eine Erfindung für den Stahlhandel, die sogenannte Davex-Technologie, die er an Thyssen-Krupp verkaufte und für die er den Stahl-Innovationspreis gewann. Der Deutsche Mobilitätspreis ist bereits seine sechste wichtige Auszeichnung, aber die erste für Visimatch.com. Darum gibt er jetzt Vollgas. Denn überzeugt ist er von seinem Produkt: „Wir digitalisieren einen Prozess, der bisher häufig über das massenhafte Versenden von Excel-Tabellen funktioniert.“

Visimatch.com ermögliche sowohl das öffentliche Anbieten von Containern, Wechselbrücken und leeren Chassis wie auch die Vernetzung zu geschlossenen Anbieterkreisen, um Bestände zu bündeln. Niemeier vergleicht Visimatch.com mit Facebook. Denn die Nutzer entscheiden, welche Informationen sie öffentlich machen oder nicht beziehungsweise mit wem sie sie teilen wollen.

Anonymität ist wichtig

Der Kunde müsse nicht einmal den genauen Standort der Container bekannt geben. „Anonymität wird bei uns großgeschrieben“, erklärt der 51-Jährige. Die Nutzer laden Adressen und Daten zu freiwerdenden Import-Containern in die Plattform. Diese Informationen sind für autorisierte Interessenten sofort sichtbar und können angefragt werden. Der komplette Abstimmungsprozess laufe über Visimatch.com. Im besten Fall komme es zu einem sogenannten Direktdreher, bei dem ein Import-Container in der Nähe der Entladestelle für den sofortigen Export direkt wieder beladen werde.

Zahlen müssen die Nutzer nur bei einer erfolgreichen Vernetzung, also wenn sie alle Kontakt- und Containerdaten ausgetauscht haben. Dann werden 9,95 Euro fällig – und Visimatch.com zieht sich zurück: „Wir stellen nur den Match her, alles andere klären die Nutzer unter sich.“ Lohnt sich das finanziell für das komplett privat finanzierte Start-up? „Wir mussten uns entscheiden: Geschwindigkeit oder Cash.“ Niemeier und sein Team entschieden sich für Ersteres. „Es ist uns wichtig, Marktanteile zu erobern – das ist für uns der eigentliche Wert. Noch in diesem Jahr wollen wir in der viralen Vernetzung ankommen.“

Visimatch.com, Ralf Niemeier, Start-up Foto: Visimatch.com
"Wir schaffen die E-Mail- und Excel-Flut ab", erklärt Ralf Niemeier, Geschäftsführer Visimatch.com

Damit meint er die selbstständige Vernetzung der Unternehmen untereinander, ohne das Zutun von Visimatch.com. Auch das Vernetzen der Import- und Exportmitarbeiter innerhalb eines Unternehmens hat das Start-up im Blick. „So entfällt die E-Mail- und Excel-Flut zwischen den Abteilungen.“

174 Unternehmen sind schon registriert

Bisher haben sich laut Niemeier 174 Unternehmen auf der ausschließlich für den Transport- und Logistiksektor konzipierten Plattform registriert. Das Feedback sei positiv: „Knapp 90 Prozent wollen dabei bleiben und haben nur kleine Änderungswünsche, die wir individuell umsetzen.“ Dabei kann der Gründer teilweise auf einen treuen Kundenstamm zurückgreifen. Denn Visimatch.com laufe bereits seit 2015 bei einigen Logistikern als Hintergrundprogramm. Anfang 2018 bekam das Produkt schließlich einen eigenen Namen und ein Front-End. Seit Mitte Mai ist das Portal online.

Niemeier legt Wert darauf, Visimatch.com nicht als Frachten­börse zu bezeichnen, denn es gehe nicht nur darum, Fracht für eine leere Ladefläche zu finden. „Ein Container, der gerade erst ins Land gekommen ist, muss schließlich als Export sofort wieder das Land verlassen.“ Dabei gelte es, viele verschiedene Faktoren wie Ort, Zeit oder Containtertyp zu beachten. Direktdreher in der Container­logistik zu generieren, bezeichnet er daher als Königsklasse.

Die Idee zu Visimatch.com hatte allerdings nicht Niemeier selbst, sondern sein Mitgründer Jan Lüersen. Die beiden lernten sich im Ägypten-Urlaub kennen. Einige Jahre später holte der Logistiker Lüersen seinen Bekannten mit Gründererfahrung ins Boot. Hendrik Tesche, der seit rund 20 Jahren eine IT-Firma für B2B-Lösungen leitet, gehört ebenfalls zum Führungsteam. Insgesamt arbeiten 20 Mitarbeiter an dem Projekt in Bückeburg (Niedersachsen). Doch ein Standortwechsel steht bevor: Noch in diesem Jahr verlegt das Team seinen Sitz nach Berlin. Passend zum Motto „Segel öffnen“ zieht es das Jungunternehmen in die Hauptstadt – um dann richtig durchzustarten.

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