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Armin Hofer, CEO von Euro-Leasing, im Gespräch mit trans aktuell

„Lkw künftig wie Pkw mieten“

Armin Hofer Foto: Thomas Küppers

Armin Hofer, CEO von Euro-Leasing, spricht im Interview mit trans aktuell über die Fusion mit der Euromobil Autovermietung und seine weiteren Pläne.

trans aktuell: Herr Hofer, warum führt Volkswagen Financial Services (VWFS) das Lkw-Vermietgeschäft der Euro-Leasing mit dem Pkw-Vermietgeschäft der Euromobil Autovermietung zum 31. August 2019 zusammen?

Hofer: Bei VWFS gab es bei Vermietungen bislang die Bereiche Pkw und Lkw. Der Kernprozess der Vermietung ist allerdings immer gleich. Einziger Unterschied: Nur gewerbliche Kunden mieten Lkw, im Gegensatz zu den Pkw. Wir entwickeln nun deshalb ein gemeinsames IT-System und heben dadurch Synergien. Für den VW-Konzern sind wir damit sozusagen der Vermieter – vom kleinen VW up bis zum Truck. Das runden wir noch zusätzlich ab durch unser Trailergeschäft.

Euro-Leasing hatte traditionell immer einen großen Trailer­bestand. Wie ist aktuell das ­Verhältnis?

Wir haben momentan 4.500 Trailer und 3.500 Trucks.

Haben die Kunden aus dem Zusammenschluss auch einen Vorteil?

Wir werden Fuhrpark- oder ­Logistikunternehmen künftig auch mit Dienstwagen ausstatten. Momentan können wir diese Unternehmen nur mit Lkw und Trailern bedienen. Und: Wir wollen Lkw-Vermietungen künftig komplett online abwickeln, wie das bei Pkw schon lange möglich ist. Bei Lkw dagegen ist dies bislang bei keinem Vermieter möglich.

Welche Veränderungen ergeben sich dadurch in der Praxis?

Die Online-Buchungen bei Lkw bewirken, dass es künftig zwar noch Mietstationen geben wird, aber nur zum Ein- und Auschecken. Und ich glaube, dass Pkw und Lkw einmal selbst die Vermietstationen sind.

Was heißt das dann für die Lkw-Fahrer?

Der Lkw als Mietstation bedeutet, dass ich als Fahrer und damit Mieter eine gewisse Verantwortung habe, zum Beispiel Fotos zu machen oder einen Zustandsbericht zu bestätigen. Hilfreich sind hierbei Telematiklösungen, die es allesamt heute schon gibt. Damit ist der Zustand eines Fahrzeugs auch aus der Entfernung zu erkennen. Das heißt, man sieht sofort, ob alles in Ordnung ist oder ob die Kühlkette steht. Für alles erhalte ich Alarmsignale. Auch die Trailerhersteller sind da sehr weit. Der Anhänger wird künftig erkennen können, ob das richtige Zugfahrzeug ihn jetzt mitnimmt.

Denken wir die Idee mit der ­Online-Mietbarkeit von Lkw doch einmal weiter. Dann müssten Sie doch auch eine Online-Sharing-Idee haben.

Die Entwicklung wird bei den Lkw ähnlich verlaufen wie bei den Pkw, wo Miete und Sharing bereits zusammenwachsen. Wir haben in der VWFS, unserer Muttergesellschaft, mit Greenwheels bereits ein Carsharing-Unternehmen im Portfolio, mit dem wir eng zusammenarbeiten. Die Unternehmenseinheit dazu heißt Mobility Unit. Unter diesem Dach bieten wir Miete, Carsharing, Tank- und Mautlösungen (Logpay) sowie Angebote zum Parken für Pkw (Pay by Phone und Sunhill) und Lkw (Truck Parking Europe) an. Alle diese Unternehmen entwickeln Mobilitätslösungen, die online buchbar und leicht zugänglich sind. Der Schritt zu einem ­Sharing-Modell bei Lkw ist daher nicht mehr weit, aber er ist sicher komplexer als bei Pkw.

Kommen wir zu einem der größten Probleme der Branche, dem Fahrermangel. Inwiefern bekommt Euro-Leasing die Folgen im täglichen Vermietgeschäft zu spüren?

Wir merken, dass der Flexibilitätsbedarf der Kunden größer geworden ist. Noch bis vor einigen Jahren war eine Mietdauer von 36 Monaten üblich. Heute bieten wir auch kürzere Zeiträume an.

Das heißt?

Wir vermieten Lkw auch für einen Tag – wenn das Fahrzeug verfügbar ist. Ein kurzfristiger Bedarf entsteht beispielsweise, wenn ein Spediteur einen Auftrag verliert, weil er keinen Fahrer hat. Dann kommt ein anderer Spediteur zum Zug. Der hat aber keine Fahrzeuge. An diesem Punkt kommen dann wir ins Spiel. Ich glaube, der USP der Vermietung ist einfach die Flexibilität.

Welche Folgen hat die ­Fusion innerbetrieblich, zum Beispiel für den Vertrieb von Euro-­Leasing?

Wir werden auf jeden Fall überlegen, Standorte zu gründen, an denen wir Pkw- und Lkw-Vermietung anbieten können. Das gilt vor allem fürs Ein- und Auschecken. Wir werden allerdings Stationsnetze von Lkw und Pkw nicht einfach übereinanderlegen, also vor einen Volkswagen-Betrieb einfach einen MAN-Truck stellen. Das wird nicht funktionieren. Die Vertriebskanäle bleiben separat. Wir werden den künftigen Vertrieb über die nächsten zwei Jahre entwickeln. Wir sind ja offiziell noch gar nicht zusammen. Das passiert Ende August. Rückwirkend zwar zum 1. Januar 2019, aber das hat bilanztechnische Gründe.

Die Zeit bis zum 31. August ist absehbar. Wie weit sind sich Euro-Leasing und Euromobil intern schon nähergekommen?

Euromobil und Euro-Leasing haben gemeinsam etwa 560 Mitarbeiter, die bereits viel Zeit miteinander verbracht haben. Es gibt viele Begegnungen, beispiels­weise in Teambesprechungen. Wir durchlaufen einen klassischen Veränderungsprozess. Der erste Schock und Ablehnung weichen irgendwann der Erkenntnis: Die Personen bleiben gleich. Die Aufgaben ändern sich. Wir haben das bereits hinter uns. Das heißt, wir sind in den vergangenen Monaten richtig zusammengewachsen.

Haben Sie auch die Standort­fragen schon geklärt?

Sittensen bleibt die Zentrale von Euro-Leasing und für das Vermietgeschäft. Wir haben den Standort mit neuen Büroräumen für bis zu 100 Mitarbeiter ausgebaut und planen dort weitere Expansion. Anders als bei Zusammenschlüssen üblich, bauen wir nicht Personal ab, sondern suchen welches in allen Unternehmensbereichen. Auch der Standort von Euromobil in Isernhagen bleibt erhalten. Uns ist die räumliche Nähe zum Volkswagen- und Audi-­Partnerverband wichtig.

Verbinden Sie mit der Fusion auch Erwartungen in Richtung mehr Profitabilität?

Jedes Unternehmen hat seine Profitabilitätserwartungen, auch Euromobil und Euro-Leasing. Uns ist klar: Je flexibler wir unsere Angebote gestalten, umso mehr müssen wir darauf achten, angemessene Preise in Rechnung zu stellen. Lassen Sie es mich so formulieren: Wir wollen nachhaltig in einem positiven Return-on-Sales-Bereich liegen. Langfristige Profitabilität sichert Arbeitsplätze. Zahlen möchte ich aber nicht nennen.

Haben Sie konkrete Wachstums­ziele?

Es wäre sicher falsch, in so einer Verschmelzungsphase um jeden Preis Wachstumsziele zu formulieren. In unserer aktuellen Situation halte ich mehr von qualitativem Wachstum. Hier sehe ich Potenzial im mittleren Segment des Nfz-Bereichs und im kleineren Segment, das heißt konkret im Verteilverkehr. Hier werden wir investieren und unseren Produktmix hin entwickeln.

v. li.: Oliver Trost, Armin Hofer, Ralf Lanzinger, Matthias Rathmann Foto: Thomas Küppers
Zu Gast bei trans aktuell: der CEO von Euro-Leasing, Armin Hofer (2. v. l.), im Gespräch mit (v. l.) ETM-Geschäftsführer ­Oliver Trost und den trans aktuell-Redakteuren Ralf Lanzinger und Matthias Rathmann.

Zur Person

  • Armin Hofer wurde 1973 in St. Pölten geboren.
  • Er ist seit 2017 Vorsitzender der Geschäftsführung bei Euro-Leasing.
  • Vorher leitete Hofer den Vertrieb für Einzel- und Firmenkunden bei Volkswagen Financial Services in Braunschweig und arbeitet seit über 20 Jahren im Management verschiedener Automobilhersteller mit Schwerpunkt Financial Services, seit elf Jahren bei Volkswagen Financial Services (VWFS).
  • Er studierte an der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik in Wiener Neustadt mit Abschluss im Zweig „wirtschafts­beratende Berufe“.
  • Er ist verheiratet, hat drei Töchter und lebt in der Nähe von Braunschweig.

Das Unternehmen

  • Der Lkw-Vermieter Euro-Leasing wurde 1997 gegründet und ist seit 1. Januar 2014 ein Teil der VW-Finanztochter ­Volkswagen Financial Services (VWFS). Sie ist Europas größter automobiler Finanzdienstleister und mit mehr als 15.000 Mitarbeitern in rund 50 Ländern aktiv.
  • Euro-Leasing bietet Mobilität für die Transport- und Logistikbranche und vermietet Standardfahrzeuge sowie branchenspezifische Fahrzeuge. Deutschlandweit verfügt Euro-Leasing über 130 Vermietdepots. Weitere befinden sich in Dänemark, Schweden, Polen und Frankreich. Kunden können die Fahrzeuge ab einem Tag bis hin zu mehreren Jahren mit flexiblen Ausstiegsoptionen mieten. Mit dem Baukastensystem können Kunden die Fahrzeuge individuell mit den benötigten Services auszustatten. Außerdem bietet Euro-Leasing eine professionelle Vermarktung von Gebrauchtfahrzeugen im In- und Ausland.
  • Seit Mitte 2018 ist Euro-Leasing einer der fünf Partner der „World of Heroes“, einer Initiative der Mobility Unit von VWFS. Ausführliche Informationen zur „World of Heroes“ gibt es im Online-Advertorial von eurotransport.de. Die World of Heroes hat die Überzeugung, dass Fahrer und Unternehmer der Lkw-Branche echte „Heroes“ sind, da sie einen wesentlichen Beitrag für die Gesellschaft leisten und entsprechend Wertschätzung verdient haben.
  • Die World of Heroes ist eine Initiative der Mobility Unit von VWFS, die diverse Dienste im Nutzfahrzeugbereich zu einem Angebot für die Fahrer und Unternehmer zusammenführt, nämlich: Fahrzeugmiete, vom Standardfahrzeug bis hin zu Fahrzeugen mit Spezialaufbauten für Truck und Trailer (mit Euro-Leasing und dem Partner BFS), Fahrersuche (mit dem Partner von Euro-Leasing, Truck-Jobs), Tanken, Bezahlsysteme und Mautdienste (mit dem Parnter Log-Pay), Reservierungsplattform für Lkw-Parkmöglichkeiten (mit Truck Parking Europe) – und eine App, die alle Services miteinander verbindet.
  • Zum 31. August verschmilzt VWFS das Lkw-Vermiet­geschäft der Euro-Leasing mit dem Pkw-Vermietgeschäft der Euromobil Autovermietung, der Autovermietmarke der Autohäuser des VW-Konzerns. Beide Unternehmen werden künftig unter der Marke Euro-Leasing firmieren.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
trans aktuell 10 2019
trans aktuell 10 / 2019
10. Mai 2019
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