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Erster Blick hinter die Kulissen bei Amazon

Neues Logistikzentrum mit Robotics-Bereich

Foto: Thomas Küppers 22 Bilder

Wie bei einer Sinfonie muss bei Amazon in Frankenthal das Zusammenspiel von Förderbändern, Transportrobotern und Mitarbeitern stimmen.

Nur ein leises Surren ist von den beiden Robotern zu hören, die sich zum Pas de deux auf dem Robotics-Feld treffen. Bereits im August vergangenen Jahres hat der Online-Händler Amazon den Betrieb in seinem neuen Logistikzentrum Frankenthal aufgenommen. Nun ist Zeit für eine erste Bilanz, die durchweg positiv ausfällt. Denn seine erste Feuerprobe hat das Logistikzentrum FRA7, wie der Standort intern bezeichnet wird, bereits im Weihnachtsgeschäft 2018 bestanden. Gestartet ist FRA7 ganz „sanft“ mit einem Kernteam von 300 Mitarbeitern, wie Thorsten Schwindhammer, Unternehmenssprecher bei Amazon, sagt. Der erste „Receive“, also Wareneingang, sei eine Yakari-DVD für Kinder gewesen, der erste Versand – ein Sonnenschirmständer – ging an einen Kunden in Bayern.

„Robotics“ ist Herzstück in Frankenthal

Und „sanft“ war auch der Start des Bereichs „Robotics“, dem Herzstück des Logistikzentrums in Frankenthal. Denn das erste Robotics-Regal kam bereits komplett befüllt aus Winsen (Luhe) in Frankenthal an.Die speziellen Regale sind quadratisch, mit einer Seitenlänge von jeweils knapp 88 Zentimetern und fast 2,50 Meter hoch. In ihren Fächern unterschiedlicher Größe nehmen sie die Artikel auf – in sogenannter chaotischer Lagerhaltung. Ohrringe liegen hier neben Büchern oder Putzschwämmen. Bis zu 340 Kilogramm darf ein solches Regal befüllt wiegen, damit der Roboter vom Typ G-Drive die Regale bewegen kann. Der Roboter selbst wiegt etwa 145 Kilogramm. In FRA7 gibt es ausschließlich G-Drive-Roboter, sie werden von Amazon für sortierfähige Pods – also Behälter oder Regale – eingesetzt und können etwa 5,5 km/h schnell fahren. Vergleichbar mit Gabelstaplern heben die Roboter die Regale samt den darin gelagerten Produkten an und bringen sie zu den Mitarbeitern in den Bereichen Wareneinlagerung und -entnahme. So lassen sich die Bestellungen zum einen in großem Umfang schneller abwickeln, da die Mitarbeiter nur kurze Wege zurücklegen müssen. Zum anderen steht eine wesentlich größere Lagerfläche zur Verfügung, weil zwischen den Regalen keine Laufwege für die Kommissionierer frei zu halten sind.Erstaunlich ist, wie „sanft“ die Roboter abbremsen und anfahren, ohne dass Regale ins Wanken kommen. Fällt ein Artikel herunter oder gibt es eine technische Störung, betritt ein speziell geschulter Mitarbeiter die Robotics-Fläche – geschützt mit einer Weste, die die fahrenden Roboter mittels Sensoren auf fünf Meter Abstand hält und auf bis zu zehn Meter Abstand langsamer fahren lässt.

Höher qualifizierte Jobs

Die Gefahr, dass Jobs für gering qualifizierte Versandmitarbeiter durch den Einsatz von Robotern entfallen, sieht Unternehmenssprecher Schwindhammer nicht, da die Kerntätigkeiten unberührt bleiben. Auf der anderen Seite jedoch würden höher qualifizierte Arbeitsplätze, beispielsweise für Techniker, entstehen.„Gewissermaßen ist es wie eine Sinfonie, wo alle Einsätze stimmen müssen“, sagt Thomas Decke, als Hauptabteilungsleiter in Frankenthal zuständig für den Bereich Robotics. Dabei geht es für den Fachmann um die Geschwindigkeit der Förderbänder, die Funktionsfähigkeit der Transportroboter und darum, dass die Mitarbeiter mitgenommen werden. Vor Amazon war er bei der LH Bundeswehr Bekleidungsgesellschaft mit komplexen Logistikprozessen betraut. Im Studium hat er sich mit Industrierobotern befasst und die Synergie aus Fördertechnik und Robotik als reizvoll empfunden. Sein Fazit: „In Frankenthal ist dies gut gelungen, da wir viel aus dem Start des Logistikzentrums in Winsen (Luhe) und in Stettin gelernt haben.“

Amazon in Frankenthal

  • Die Inbetriebnahme des jüngsten Amazon-Logistikzentrums erfolgte am 6. August 2018 mit einem Kernteam, bestehend aus 300 Mitarbeitern.
  • In Frankenthal arbeiten aktuell mehr als 1.600 Beschäftigte, voraussichtlich wird die Mitarbeiterzahl noch etwas ansteigen. In der Weihnachtszeit 2018 kamen weitere rund 500 Saisonarbeitskräfte hinzu.
  • Täglich versendet Amazon von Frankenthal aus mehrere zehntausend Artikel aus dem kompletten Amazon.de-Warensortiment an Kunden in ganz Europa. In der Weihnachtszeit gingen bis zu 400.000 Artikel täglich über das Logistikzentrum an die Besteller – an einem Tag sogar 500.000.
  • In der Regel lagert Amazon in Frankenthal rund 10 Millionen Artikel, in der Weihnachtssaison 2018 waren es rund 13 Millionen Artikel.
  • 18,3 Kilometer Fördertechnik sind im neuen Logistikzentrum verbaut, das ist Rekord bei den deutschen Logistikzentren.
  • Die Grundfläche des Amazon-Areals beträgt rund 139.000 Quadratmeter, des Gebäudes 88.000 Quadratmeter.
  • In Deutschland betreibt Amazon zwölf große Logistikzentren und beschäftigt mehr als 13.000 Mitarbeiter im Logistikbereich. Frankenthal ist neben Koblenz das zweite Logistikzentrum in Rheinland-Pfalz.

Amazon-Robotics weltweit

  • Frankenthal ist das zweite deutsche Amazon-Logistikzentrum, in dem Transportroboter im Bereich Robotics vorkommen. Insgesamt drei Stockwerke umfasst das Logistikzentrum, auf zwei davon befinden sich jeweils zwei Robotic-Floors. Insgesamt 80 Pickstationen, an denen Kommissionierer Waren entnehmen, befinden sich hier und 140 Stow-Arbeitsplätze – dort beladen Mitarbeiter die Regale. Auf jedem der insgesamt vier Floors befinden sich knapp 9.000 Regale, die von jeweils 610 Robotern bewegt werden.
  • Weltweit betreibt Amazon mehr als 175 Logistikzentren und beliefert Kunden in 185 Ländern. Amazon verfügt EU-weit über mehr als 40 Logistikzentren in sieben Ländern: Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien, Polen, Tschechien und Frankreich.
  • In Europa wurde der erste Robotikstandort im Herbst 2015 im polnischen Fulfillment-Center in Wroclaw eröffnet, zwei weitere gingen Anfang 2016 in Doncaster und Dunstable, Großbritannien, in Betrieb. Danach eröffnete Amazon zwei Standorte mit Robotics in Barcelona sowie weitere in Manchester, Warrington und Tilbury (Großbritannien), Stettin (Polen), Passo Corese (Italien) sowie Winsen an der Luhe und Frankenthal (Deutschland).
  • 2012 hat Amazon das Unternehmen Kiva Robotics übernommen. Das war die Grundlage für Amazon Robotics, das heute weltweit in mehr als 25 Logistikzentren zum Einsatz kommt. Drei verschiedene Robotertypen heben die Regale an: der G-Drive für sortierfähige Behälter, der S-Drive für schwere Paletten oder Vorratsbehälter und der H-Drive, ein überarbeitetes Modell.
  • Von den europaweit insgesamt 80.000 Mitarbeitern arbeiten täglich mehr als 10.000 Beschäftigte mit Robotern. Mehr als 1.000 davon sind bis Ende 2019 Ingenieurposten, die durch den Einsatz der Robotics-Technologie entstehen.
  • Die Schaffung hunderter neuer Arbeitsplätze in Europa durch neue Robotik-Standorte kündigt Amazon für folgende Städte an: Mönchengladbach (Deutschland), Brétigny-sur-Orge (Frankreich), Torrazza Piemonte (Italien), und Bristol (Großbritannien).
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