Dokumentation der Arbeitszeit

Mutmaßlicher Arbeitszeitbetrug als Vorwurf

Foto: Jan Bergrath

Dass Lkw-Fahrer den Tacho beim Abladen auf "Pause" stellen und sich dabei selbst betrügen, ist bekannt. Nun soll ein Kipperfahrer den Tacho aber zu lange auf "Arbeit" gestellt haben. Dafür hat er jetzt eine Rechnung über unrechtmäßige Pausenzeiten bekommen.

Die Rechnung, die Paul Schwalm* im Juli von seinem ehemaligen Arbeitgeber, einem Transportunternehmer im Kipperbereich, bekam, beläuft sich in drei von fünf Forderungen auf rund 1.400 Euro. Mit der Begründung der "eigenmächtigen Überschreitung der Pausenzeiten" berechnet der Arbeitgeber den Umsatzausfall des Lkw mit jeweils 50 Euro pro Stunde und wirft Paul mit Verweis auf die Fahrerkarte Arbeitszeitbetrug vor. Einige Aufträge seien durch Pauls nicht genehmigte Pausen wiederholt nicht ausgeführt worden. Die Summe behält er nach Beendigung des vierwöchigen Arbeitsverhältnisses von Pauls Lohn ein.

Laut Arbeitsvertrag und einigen Tagesausdrucken, die Binhammer vorliegen, hat Paul im Baustellenverkehr im Radius von 350 bis 400 Kilometern bis auf die täglichen Ruhezeiten nur gelenkt und gearbeitet. An einem der Tage im Mai also 7:44 Stunden Lenkzeit und 4:08 Stunden Arbeitszeit. "Das ist grundsätzlich auch nach dem neuen Beschluss des Bundesarbeitsgerichts nicht erlaubt", so Binhammer. Die Verantwortung trägt der Arbeitgeber laut Artikel 10 (2) der VO (EG) 561/2006. So muss er dafür Sorge tragen, dass der Fahrer, wenn er etwa den Lkw ablädt, den Tacho auf Pause stellt. Der betrügt sich damit meist selbst um seinen Lohn. "Nun haben wir quasi den umgekehrten Fall", so Binhammer. "Zu lange Pause ist eigentlich kein Betrug, wenn sie auch so dokumentiert ist. Ist allerdings Arbeitszeit dokumentiert, und der Fahrer macht tatsächlich Pause, ist das ein Betrug."

Ihre Vorteile mit Digitalabo
  • Zugang zu allen Webseiteninhalten
  • Kostenloser PDF-Download der Ausgaben
  • Preisvorteil für Schulungen und im Shop

Sie haben bereits ein Digitalabo? Hier einloggen.

DEKRA Mitglieder 0,00 Euro*

* Login über DEKRA.net Informationen zu weiteren Vorteilen einer DEKRA-Mitgliedschaft erhalten Sie hier.

Login im DEKRA.net
Digitalabo ab 1,88 Euro* pro Monat

* Jahrespreis 22,65 Euro, Preis für FERNFAHRER Flexabo Digital in Deutschland,flexible Laufzeit, jederzeit kündbar.

Weiter zum Kauf
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 10 2021 Titel
FERNFAHRER 10 / 2021
4. September 2021
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 10 2021 Titel
FERNFAHRER 10 / 2021
4. September 2021
Unsere Experten
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
Experte für Flottenmanagement und angewandte Mobilitätsangebote Rolf Lübke Flottenmanagement und Mobilitätsangebote
Aktuelle Fragen Bullenfänger illegal? Sind Bullenfänger in Deutschland erlaubt? Arbeitszeit: Anfahrt zum Stellplatz Ist die Anfahrt zum Lkw-Stellplatz Arbeitszeit? Digitacho (Nachrüstpflicht) Gibt es eine Digitaltacho-Nachrüstpflicht für alte Lkw?
DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge
DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge Infos + Anmeldung

Nutzfahrzeugtechnik I Digitalisierung I Letzte Meile

trans aktuell-Symposien 2021
trans aktuell-Symposien 2021 Infos & Anmeldung

Alle Termine, Themen und Gastgeber für 2021 auf einen Blick

Betriebsstoffliste 2021
Element_Teaser_BL_2020 Mehr als 2.500 Produkteinträge

Immer auf dem neuesten Stand: Die DEKRA Betriebsstoffliste 2021

Kostenloser Newsletter
eurotransport Newslettertitel Jetzt auswählen und profitieren

Maßgeschneidert: Die neuen Themen-Newsletter für Transportprofis.

eurotransport.de Shop
Web Shop Content Teaser Der Shop für die, die es bringen.

Zeitschriften, Bücher, Lkw-Modelle, Merchandising und mehr.