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Deutscher Logistik-Kongress 2019

BVL zeigt das große Bild der Logistik

Deutscher Logistik-Kongress 2019 der BVL Foto: BVL/Kai Bublitz

Deutscher Logistik-Kongress will Mut machen, doch Unsicherheiten prägen die Veranstaltung. Weniger Aussteller und Besucher.

Eine marode Infrastruktur, Fachkräftemangel, weltpolitische Unsicherheiten und die komplexen Aufgaben der Digitalisierung – die Unsicherheit in der Wirtschaft allgemein sowie in der Logistik im Besonderen wächst. Wohl deshalb hat die Bundesvereinigung Logistik (BVL) das Thema „Mutig machen“ auf die Fahnen geschrieben und lehnt sich damit an das Motto der Wirtschaftsmacher an, die sich mit den Logistikhelden für ein besseres Image der Branche einsetzen. Ein Vorhaben, das offenkundig aus mehreren Blickwinkeln vonnöten ist. Bleibt der Deutsche Logistik-Kongress 2019 doch deutlich hinter den Vorjahren zurück (siehe Kasten: „Der Kongress“).

Der BVL-Vorstandsvorsitzende Robert Blackburn ist sich sicher: Erfolg ist von Mut abhängig. Und Selbstvertrauen sei eine wichtige Voraussetzung dafür. Also fordere die BVL in doppeltem Sinn zum Machen auf. Gerade mit Blick auf die Digitalisierung der Supply Chain sei das entscheidend. „Hier gibt es große Chancen.“

Denn sonst sind die Vorzeichen eher schwierig: Die weltweite Transportleistung der Luftfracht sinkt. Auch sonst stagniere vieles oder sei rückläufig. Hauptsächlich der Bausektor und die private Nachfrage stützen die Konjunktur. „Doch wo geht die Reise hin?“, fragte Blackburn. Nicht ohne gleich eine Antwort parat zu haben: „Weiter nach oben.“ Denn die Logistikweisen prophezeien ein Wachstum von 2,2 Prozent.

Logistik ist nachgeordnet

Was auf den ersten Blick seltsam erscheint, lasse sich allerdings durchaus begründen, erklärte Blackburn. Logistik sei immer nachgeordnet, sodass beispielsweise ein Teil der Aufträge aus der Vergangenheit erst noch logistisch abgewickelt werden müssen. Zudem verschieben viele Unternehmen beispielsweise neu Anschaffungen etwa von Maschinen, weil sie das in der Boomphase nicht können, damit die Produktion ungestört weiterläuft.Allerdings müsse man sich im Zuge der digitalen Transformation darauf einstellen, dass Berufsbilder wegfallen und andere entstehen. Es gelte daher, die Menschen weiterzubilden „mit den richtigen Fähigkeiten.“ Und dies sei unabhängig vom Bildungsabschluss.

Die Digitalisierung an sich ist wiederum in vollem Gange: Weltweiten wachsen die Investitionen in Logistik-Start-ups – vor allem in Asien. Blackburn verweist in diesem Zusammenhang auf die chinesische Online-Handelsplattform JD.com hin. „Während wir hier über Förderprogramme und fehlende wirtschaftliche Anreize diskutieren“, werde dort einfach gemacht. Diesen Mut brauche es auch bei uns: Die Logistik ist die gestaltende Kraft in vielen Wirtschaftsfeldern – und über Unternehmensgrenzen hinweg. Sie habe die Möglichkeiten zum Wandel und sei zudem der Treiber der Digitalisierung.

Studie von BVL digital und Here

Ein Umstand, dem die BVL vor rund einem Jahr Rechnung getragen hat und die Tochtergesellschaft BVL digital gegründet hat. Diese war in der Zwischenzeit nicht untätig, wie Dr. Christian Grotemeier, Geschäftsführer bei BVL digital, verdeutlicht. Gemeinsam mit dem Geodaten-Dienstleister Here Technologies habe man 58 Milliarden Datenpunkte aus zehn deutschen Städten angesehen, und dabei natürlich auch das Netzwerk der BVL genutzt“, sagt er.

Zielsetzung war herauszufinden, wie schnell oder langsam es auf den Straßen in zehn ausgewählten Großstädten vorangeht. Als Schlusslichter kristallisierten sich Düsseldorf mit im Schnitt mit 35,6 km/h gefolgt von Köln (37,2 km/h) und Stuttgart (37,6 km/h) heraus. In Dresden mit durchschnittlich 41 km/h und Bremen mit 42 km/h gehe es schon deutlicher flotter voran. Nicht ohne Grund würden viele Logistiker aktuell Kooperationen sowie Nachtlieferung planen, berichtete Grotemeier. So würden die Praktiker unter anderem eine fehlende Verkehrsleitung sowie fehlende Halt- und Parkflächen beklagen– was insbesondere bei den KEP-Diensten eine Rolle spiele. Singapur, Kopenhagen und Amsterdam hingegen werden als Positivbeispiele angeführt „die sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einmal anschauen sollte.“

Verkehrsminister Scheuer ist zuversichtlich

Scheuer wiederum zeigte sich zuversichtlich, dass das „Innovationsprogramm Logistik 2030“ sowie die Blockchain-Strategie der Bundesregierung dafür sorgen, dass Deutschland auch weiterhin Klassenbester bleibe. Als erfolgreiches Zukunftsszenario in der Logistik skizzierte der Bundesverkehrsminister die Nachverfolgbarkeit von Containern über Sensoren und RFID-Technologie – aber auch mit LNG betriebene Fachtschiffe, die dann umweltfreundlich per Schiene oder mit dem Wasserstoff-Lkw weitertransportiert werden. „Automatisiert, vernetzt, digital und klimafreundlich: So sieht die Logistik der Zukunft aus“, sagt Scheuer. Den Weg dorthin möchte er mit Förderungen ebnen. Doch an diese zu kommen, sei bisweilen offenbar zu kompliziert. „Sollte das der Fall sein, müssen wir etwas ändern“, erklärt Scheuer. Wichtig sei vor allem die Förderung von Schiene und Wasserstraße, um Frachten entsprechend verlagern zu können und Emissionen zu senken.

An dieser Stelle wiederum setzt die besagte Studie von BVL digital und Here an. Diese hat ergeben, dass bis zu einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h weniger CO2 emittiert wird, sodass das Ganze auch eine ökologische Dimension habe. „Wobei das hier kein Plädoyer für ein höheres Tempolimit sein soll“, sagt Grotemeier. Ein weiterer, eher indirekter Effekt sei dabei, dass bei einer höheren Durchlaufgeschwindigkeit zudem auch ein Teil der Fahrzeuge eingespart werden könnten.

Der Kongress

  • Der Deutsche Logistik-Kongress fand bereits zum 36. Mal statt
  • 3.207 Teilnehmer nahmen an dem Branchentreff teil (2018: 3.539 Teilnehmer)
  • 160 Aussteller zeigten ihre Lösungen auf der begleitenden Fachausstellung (2018: 200 Aussteller)
  • Rund 150 Referenten sorgten für etwa 65 Stunden an Kongressprogramm
  • Der 37. Deutsche Logistik-Kongress findet vom 21. bis 23. Oktober 2020 in Berlin statt
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