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CEO Brinks über Effizienzsteigerungen

DHL Freight macht Terminals fit

Foto: DPDHL

DHL Freight hat alle Prozesse in den Terminals unter die Lupe genommen und effizienter gestaltet. Für CEO Uwe Brinks war das Ganze Chefsache. "In den Terminals verdient oder verliert man sein Geld", sagt er im Interview mit der Fachzeitschrift trans aktuell.

trans aktuell: Herr Brinks, der Fahrermangel spitzt sich weiter zu. Als Reaktion darauf haben Sie eine Initiative zur Rekrutierung angekündigt. Welche Früchte trägt das Ganze schon?

Brinks: Richtig, wir haben angekündigt, bis zu 500 Fahrer einzustellen, und dafür eine Initiative gestartet. Aktuell testen wir das Konzept in der Mitte Deutschlands. Dort haben wir bislang etwa 50 Fahrer unter Vertrag genommen. Wir werden die Initiative ausweiten und im nächsten Lehrjahr zusätzlich in die Ausbildung einsteigen – sei es, indem wir selbst ausbilden oder Kooperationen eingehen. Das hängt immer von den jeweiligen örtlichen Verhältnissen ab. In Koblenz, Frankfurt oder Worms zum Beispiel haben wir gute Voraussetzungen und könnten sofort einsteigen.

Inwiefern ist der Aufbau eines Fahrerstamms in Ihrem Bereich ein Paradigmenwechsel?

Ich würde dies nicht als Abkehr von unserer grundsätzlichen Strategie verstehen. Wir gehen diesen Schritt in erster Linie, um den Engpässen im Nahverkehr zu begegnen. Die bekommt auch unser Post- und Paketbereich zu spüren und hat seinerseits angekündigt, zusätzliche 450 Fahrer einzustellen. Die Zahlen sind bekannt und alarmierend zugleich: In Deutschland fehlen rund 45.000 Fahrer, in Europa etwa 175.000. Trotzdem halten wir weiter an unserer Asset-­Light-Strategie fest. Unsere Fahrerinitiative bezieht sich primär auf den Nahverkehr. Doch auch hier, wie auch auf der Langstrecke, werden wir weiterhin mit Frachtführern arbeiten.

Eine Besonderheit Ihres Modells ist es, dass Sie den Mitarbeitern flexible Einsatzfelder aufzeigen. Sie können sowohl Touren fahren als auch im Lager tätig werden. Wie kommt das an?

Dieses Modell hilft uns dabei, Spitzen leichter abzufangen. Die Mitarbeiter wiederum profitieren von einer höheren Abwechslung und Planbarkeit. Das kommt gut an, wie die bisherige Akquise gezeigt hat. Indem wir planbare Arbeitszeiten und eine Standortzusage geben, können wir einen Teil der Bevölkerung erreichen, der in diesen Berufen bisher völlig unterrepräsentiert ist.

Frauen?

Ja, wir möchten auch die Logistikberufe für Frauen attraktiver machen. DHL als der größte Logistikdienstleister muss hier vorangehen. Keiner kann ein Inte­resse daran haben, dass der Mangel an Fahrern noch größer wird.

Können Sie erläutern, wie Sie den flexiblen Einsatz der Mitarbeiter genau planen?

In der Regel erleben wir vor allem im Frühjahr und im Herbst Hochphasen, in denen es an Fahrern und Fahrzeugen mangelt. Hier brauchen wir also zusätzlich Mitarbeiter auf der Straße. In den Sommer- oder Wintermonaten ist dann der Einsatz im Terminal vorgesehen.

Apropos Terminals: Sie haben in Ihrem Arbeitsprogramm Freight 2020 vor zwei Jahren definiert, wie Sie durch Standardisierung, Digitalisierung und eine höhere Qualität positive Effekte in allen Bereichen erzielen wollen. Welche Fortschritte können Sie mit Blick auf Ihre Läger melden?

Durch Freight 2020 sehen wir positive Entwicklungen in allen Bereichen. Wir haben die Qualität und Produktivität gesteigert, mehr Transparenz in unserem Zahlenwerk geschaffen und tun uns mit Prognosen leichter. Ein wichtiger Punkt bei Freight 2020 ist die Umsetzung der Sales Force Effectiveness – sozusagen einer intelligenten Vertriebsstrategie. Die Vertriebsmitarbeiter wurden von administrativen Tätigkeiten entlastet, um mehr Zeit für die Kunden zu haben. Was konkret die Terminals angeht: Die Terminalverantwortlichen sehen sofort, welcher Standort läuft und welcher nicht – volumenseitig und finanziell. Die Terminalprozesse beeinflussen maßgeblich die Gesamt-Performance, daher ist es so wichtig, diese zu beherrschen. In den Terminals verdient oder verliert man sein Geld.

Was genau haben Sie in den Terminals alles unter die Lupe genommen?

Um das Handling zu verbessern und die Produktivität in unseren europaweit 250 Terminals zu erhöhen, haben wir zahlreiche Dinge hinterfragt. Wie sieht der ideale Dienstplan aus? Welches sind die optimalen Lauf- und Transportwege auf dem Gelände und in den Hallen? Wie ordne ich die Tore im Terminal? Das waren nur drei der Fragen. Wir sind sehr kennzahlenorientiert und mithilfe eines Qualitäts-Dashboards vorgegangen. Wir haben unsere End-to-End-, Abhol- und Zustell-Performance untersucht, das Ganze gesondert auch für unseren Premium-Stückgutservice Eurapid mit Laufzeiten von 24 Stunden für Distanzen von 1.000 Kilometern oder 48 Stunden für 2.000 Kilometer.

Das klingt nach einer umfangreichen Analyse …

… und das ist noch nicht alles. Darüber hinaus haben wir in die Qualifizierung und Zufriedenheit unserer Mitarbeiter investiert, Qualitätsstandards definiert und Audits vorgenommen. Einbezogen wurden auch die Terminals unserer Partner im Stückgutnetzwerk Unitrans. Im Ergebnis ist die Mitarbeiterzufriedenheit gestiegen, und gleichzeitig haben wir im abgelaufenen Kalenderjahr Umsatz und Ebit erneut deutlich gesteigert.

Foto: DPDHL/Ayse Tasci
DHL Freight-CEO Uwe Brinks im Gespräch mit trans aktuell-Chefredakteur Matthias Rathmann.
Sehen Sie Bedarf für weitere Terminals?

2019 stehen zwei größere Neueröffnungen an, in Hannover und Wien. Doch sind wir auch weiterhin auf der Suche nach Kapazitäten. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wollen wir zum Beispiel in Südwest- und Norddeutschland expandieren. Wir werden uns aber auch in Belgien, den Niederlanden und Polen auf die Suche nach weiteren Flächen begeben. Wir tragen damit den deutlich steigenden Mengen Rechnung, übrigens auch in Deutschland.

Zurück zum Programm Freight 2020 und Ihren Ambitionen im Bereich Digitalisierung. Wie weit sind Sie beim Ausrollen Ihres neuen Transportmanagementsystems?

In den ersten Terminals in Frankreich haben wir mit der Pilotierung unseres neuen Transportmanagementsystems EVO begonnen; aktuell läuft dort die nächste Roll-out-Welle. Bis Ende August wird Frankreich am Netz sein, dann folgt bis Jahresende die Türkei. Im ersten Quartal 2020 ist Österreich an der Reihe, anschließend Deutschland. Ende 2021, Anfang 2022 werden wir alle Landesgesellschaften angeschlossen haben. Sicherheit geht hier aber vor Schnelligkeit.

Welche sind die wesentlichen Vorteile des einheitlichen ­Systems?

Unter anderem, dass alle Daten in einem System verarbeitet werden und damit zum Beispiel für eine Sendung von Frankreich nach Deutschland keine Systemschnittstellen mehr nötig sind. Der Zugriff auf die Daten wird schneller, wir können sofort Auskunft über den Sendungsstatus geben und aus dem System in Echtzeit den Ablieferbeleg generieren.

Was wird Sie das Ganze kosten?

Es ist die größte Investition, die wir im Rahmen von Freight 2020 tätigen. Doch sie ist überfällig, wir wollen weder mit unterschiedlichen noch mit in die Jahre gekommenen Systemen arbeiten. Dass wir in Frankreich anfangen, liegt daran, dass beim dortigen System die Uhr am weitesten abgelaufen ist.

Ebenfalls ein Beitrag zur Digitalisierung ist Ihr neuer Preiskalkulator. Wie kommt er an?

Da das Tool erst vor wenigen Wochen gestartet wurde, ist es für eine Zwischenbilanz noch zu früh. Die Nachfrage unserer Kunden nach einer Lösung, die sofort Auskunft zu Frachtraten und Laufzeiten für Sendungen bis 2.500 Kilogramm liefert, war jedoch deutlich erkennbar. Der Kalkulator ist zurzeit in 23 Sprachen für 28 europäische Länder verfügbar. Mit unserem Anspruch, Qualitäts- und Marktführer zu sein, müssen wir bei solchen Entwicklungen eine Vorreiterstellung einnehmen.

Wenig hört man dagegen in letzter Zeit von Ihrer digitalen Frachtenplattform Saloodo …

… die sich aber gut entwickelt hat. DHL Freight wird Saloodo künftig noch stärker nutzen. Aktuell haben wir etwa 6.000 Unternehmen mit 250.000 Lkw drauf. Vor zwei Jahren waren es noch rund 4.600 mit 200.000 Lkw. Es geht aber immer noch mehr.

Zur Person

  • Uwe Brinks ist seit Januar 2017 CEO von DHL Freight. Er wurde 1964 in Wesel geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder.
  • Seine Karriere bei Deutsche Post DHL begann Brinks 1983. 1989 wechselte er in die Zentrale nach Bonn und wurde Abteilungsleiter im Stab des Briefvorstands. Von 2001 bis 2004 hatte er die Leitung der regionalen Geschäftsbereiche Brief zunächst in Hannover und anschließend in Köln inne.
  • 2004 wurde der Manager Mitglied des Bereichsvorstands Post-eCommerce-Parcel und war dort verantwortlich für den Betrieb mit rund 150.000 Mitarbeitern. Von 2007 bis Ende 2008 leitete er zudem auch das gesamte Paketgeschäft des Konzerns.
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