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BaWü-Wirtschaftsministerin auf Speditionsbesuch Wissen, was Sache ist

Foto: Ilona Jüngst

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut tauscht sich bei einem Besuch der Spedition ERA in Kornwestheim mit dem Speditionsverband aus.

Nicht um zu Klagen nutzten die Spitzen des Verbands Spedition und Logistik (VSL) Baden-Württemberg den vor-Ort-Termin, sondern um auf Herausforderungen hinzuweisen, bei denen die Politik zugunsten der heimischen Wirtschaft die Weichen stellen kann. Das sagten VSL-Präsident Karlhubert Dischinger sowie VSL-Geschäftsführer Andrea Marongiu bei dem Besuch im Hause der ERA Internationale Spedition in Kornwestheim.

Die Ministerin kam vorbereitet, wusste von den Herausforderungen wie Fachkräftemangel, fehlende Lkw-Stellplätze oder der schwierigen Immobiliensuche der Branchenunternehmen - in der vorigen Legislaturperiode war Hoffmeister-Kraut Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau und bekam in dieser Funktion auch die Widerstände vieler Kommunen gegen Bauprojekte der Branche mit.

Logistik nicht nur auf der Straße

"Die Logistik ist versorgungsrelevant für die ganze Bevölkerung", sagte Karlhubert Dischinger beim Gespräch und machte deutlich, dass Logistik nicht nur sichtbar auf der Straße stattfindet, sondern auch in den Werken der produzierenden Industrie stattfindet und dort von der Versorgung der Fertigungsbänder bis zur Entsorgung tätig ist.

Anerkennung ausländischer Führerscheine

Der Fachkräftemangel drücke sich nicht nur in der schwierigen Suche nach Auszubildenden aus, sondern sei auch Folge dessen, dass die Unternehmen bei der Rekrutierung von Fahrern aus ganz Europa ausgebremst werden - weil die örtlichen Lkw-Führerscheine oder die Zertifizierung zum Teil in Deutschland nicht anerkannt werden. "Wir brauchen daher die Unterstützung der Politik bei den Genehmigunsgverfahren, damit wir auch beim Fahrerberuf eine qualifizierte Zuwanderung erhalten", sagte Dischinger.

Weil dazu auch die Unterbringung von ausländischen Fachkräften vor Ort gehört, konnte Hoffmeister-Kraut eine kleine Erleichterung bereits ad hoc verkünden; das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen plane im Rahmen der Wohnraumförderung ein Zuschussprogramm, wenn Unternehmen für ihre Mitarbeiter neuen Wohnraum schaffen.

Auf die Antriebswende endlich vorbereiten

"Corona hat gezeugt, dass Logistik einfach läuft", sagte VSL-Geschäftsführer Andrea Marongiu. Damit dies auch für die Zukunft zutreffe, müsse aber vor allem in puncto Antriebswende noch einiges getan werden - denn bis diese wie von der Politik gewünscht umgesetzt werde, brauche es noch viele Jahre. Das Problem der Branche, die durchaus auch in neue Antriebe investieren wolle, sei aber nicht die Fahrzeugtechnik, sondern die Frage der Versorgung: "Wer finanziert die Tankstellen, die Schnellladestellen für die Lkw und Transporter?"

Foto: Ilona Jüngst
Besuch bei der Spedition ERA in Kornwestheim (von links): Andrea Marongiu (VSL), Rolf Kuchenbeiser (ERA), Karlhubert Dischinger (VSL), Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Timo Conrad (ERA), Micha Lege (Wiedmann & Winz), Markus Maurer (Dachser).

Teure Stromleitung für Spediteure

Dr. Micha Lege, Geschäftsführer der Geislinger Spedition Wiedmann &Winz ergänzte: "Um Elektromobilität nutzen zu können, brauchen wir auch auf dem Betriebshof eine ausreichende Grundlast und die entsprechende Anbindung an ein leistungsfähiges Stromnetz. Dafür braucht es aber die Unterstützung von Land und Bund".

Timo Conrad, geschäftsführender Gesellschafter von ERA und Gastgeber, wies zudem darauf hin, dass nicht eine Technologie im Schwerverkehr reiche: "Der Antrieb ist immer abhängig vom Einsatz - einen Schwerlastverkehr können wir aktuell mit einem E-Motor nicht leisten."

Keine Chance bei den Kommunen

Auch zum Thema Immobillien konnte Conrad der Ministerin berichten: "Als Logistiker hat man bei Kommunen weniger Chancen, denn fälschlicherweise wird immer angenommen, dass die Branche flächen- und verkehrsintensiv ist, aber wenig Mitarbeiter beschäftigt. Die Folge ist, dass wir in der Region Stuttgart sieben einzelne Standorte haben". Laut Conrad brauche die Industrie jedoch die Logistik - beides lasse sich nicht unendlich räumlich trennen.

Markus Maurer, Niederlassungsleiter von Dachser in Kornwestheim, machte auch auf den Mangel von Flächen für die City-Logistik aufmerksam. Für die emissionslose Zustellung in der Stuttgart Innenstadt betreibt Dachser ein Feedershuttle mit einem E-Lkw, in einem Cityhub werden die Sendungen auf E-Lastenräder umgeladen: "Für solche Citylogistik-Modelle brauchen wir Platz und Strom - nicht alle Parkhäuser sind dafür geeignet. Und vor allem brauchen wir Behörden, die entsprechende Genehmigungen ausstellen".

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