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Amazon Global Logistics Luft- und Seefracht im Visier

Foto: Matthias Rathmann

Große Aufregung um Amazon Global Logistics, den Online-Marktplatz für Luft- und Seefracht des US-amerikanischen Handelsriesen.

Nach einer aktuellen Meldung im Handelsblatt ist der grenzüberschreitende End-to-End-Transportdienst Amazon Global Logistics (AGL) in aller Munde. Der Service ist zwar tatsächlich noch in der Aufbauphase – allerdings alles andere als neu. Dennoch macht sich die Speditionsbranche derzeit Sorgen, dass sich der Online-Handelsriese zum Konkurrenten entwickelt.

Amazon will Marketplace-Händlern helfen

Amazon selbst sieht AGL als Chance für alle Marketplace-Verkäufer. Schließlich landen die Sendungen, die über den Online-Marktplatz abgewickelt werden, in einem der vielen Amazon-Versandlager und werden dann von dort aus dann weiter an den Endkunden verteilt. AGL sei damit eine Dienstleistung, die die Amazon-Verkaufspartner mit Millionen von Kunden in 190 Ländern mit internationalen Logistikkapazitäten verbindet – und das zu kostengünstigen Konditionen, heißt es auf Anfrage von eurotransport.de. Gerade für kleine und mittelständische Händler sei es es ansonsten meist nicht möglich, kostengünstige Logistikdienstleistungen abzufragen. Amazons globales Logistiknetzwerk wiederum besteht aus Frachtflugzeugen und Seeschiffen, die von Partnerunternehmen im Luft- und Seetransport betrieben werden. Das sei etwas anderes als Amazon Air.

DSLV befürchtet Verluste bei KMU-Speditionen

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Auf der anderen Seite geht es ebenfalls um kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), dieses Mal aus Speditions- und Logistikbranche. Eben die Firmen, die in der Vergangenheit häufig als Dienstleister für die KMUs aus dem Onlinehandel tätig waren. „Schon länger arbeiten die führenden Containerlinien-Reedereien an der Industrialisierung ihrer Prozesse und setzen verstärkt auf das Massengeschäft mit großen Kontraktverladern aus Industrie und Logistik, die hohe Mengen garantieren und dafür günstigere Frachtraten bekommen“, erläutert Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, auf Anfrage von eurotransport.de.

Mittelständische Speditionen können nicht mithalten

Dadurch würden KMU-Speditionshäuser, die für mitteständische Im- und Exporteure mit nicht so hohen Ladungsvolumina Schiffskapazitäten buchen, zunehmend in den Spotmarkt gedrängt. „Hier werden systembedingt deutlich höhere Frachtraten aufgerufen werden – vor allem zum Nachteil für die kleineren Im- und Exporteure. Insofern haben vor allem die Reedereien, die ja selbst in der Hinterlandlogistik Fuß fassen wollen, den Boden für die jetzt entstehenden Oligopolstrukturen auch auf der Nachfrageseite geschaffen“, erklärt Huster. Die aktuelle Entwicklung würden den Druck auf die Frachtraten weiter verstärken.

40-Fuß-Container zum halben Preis aus China

Wie aus dem Handelsblatt zu erfahren ist, habe Amazon die am Spotmarkt üblichen Frachtraten für seine Marketplace-Händler massiv unterboten. Die Rede ist dort von 7.000 US-Dollar zu sonst 14.000 US-Dollar. Von Amazon heißt es dazu, dass das Unternehmen selbst langfristige Transportverträge abgeschlossen habe.. Die Vorteile, die sich aus der Differenz zum Spotmarkt ergibt, leitet der Onlinehändler an seine Handelspartner weiter.

Importeure sind von Amazon abhängig

Foto: DSLV/Regina Sablotny
DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster warnt vor den Auswirkungen.

Dadurch, dass sich Amazon jetzt auch in der Beschaffungslogistik engagiere, steige aber auch die Abhängigkeit für Importeure, die auf dieses Pferd setzen, mahnt der DSLV. Containerverkehre zu organisieren sei zudem nicht ganz so trivial, wie ein Paket zu versenden, gibt man seitens des Verbands zu bedenken. „Viele Importeure profitieren gerade in Phasen äußerst anfälliger Lieferketten von individualisierten Mehrwertleistungen ihrer Speditionen, wie Umbuchungen, Verzollungsdienste, etc. Es bleibt abzuwarten, ob neue Marktteilnehmer solche individuellen Anforderungen werden erfüllen können“, sagt Huster.

DSLV-Chef Huster warnt vor Einbußen

Gerade in Spezial- und Nischenmärkten können Seefrachtspeditionen seiner Ansicht nach weiterhin erfolgreich arbeiten. Dennoch dürfe man die Entwicklung nicht bagatellisieren: „Vor allem Speditionshäuser, die die Logistik für die internationale Konsumgüterbeschaffung organisiert haben, drohen Geschäft zu verlieren“, warnt Huster.

Amazon Freight Partner startet durch

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Ungemach droht den Spediteuren und Transportdienstleistern zudem durch einen weiteren Service, den Amazon aktuell vorantreibt. Die Rede ist von Amazon Freight Partner. Auf der Amazon-Unterseite steht zu lesen: „Starten Sie Ihr eigenes Transportunternehmen – keine Logistik-Erfahrung erforderlich.“ Von einer Anschub-Finanzierung für Lkw in Höhe von 25.000 Euro ist dort die Rede - und von einem Umsatzpotenzial von einer Million bis 1,6 Millionen Euro. Wobei Amazon schon seit geraumer Zeit die gesamte Supply Chain im Blick hat.

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