Tanken Zoom

Erfolgsfaktor Tankmanagement: Tankkarten im Visier

Die Fahrer der Spedition Anhalt sind mit sechs Tankkarten unterwegs. Nur so schafft es das Unternehmen, die Touren wirtschaftlich zu fahren. Immer mehr kommt es dabei auch auf den Aspekt Sicherheit an.

Eine aktuelle Übersicht über die wichtigsten Tankkarten haben wir Ihnen im Servicebereich zusammengestellt.

Die Spritpreise erklimmen immer neue Höhen. Um so mehr lohnt der Vergleich. Doch es ist alles andere als einfach, den niedrigsten Dieselpreis zu bekommen. "Für unser Tankmanagement wäre es besser, wenn wir in Deutschland das österreichische Modell einführen würden. Wenn die Preise an den Tankstellen nur noch einmal täglich gewechselt werden dürften, könnten wir besser kalkulieren", sagt Dieter Bajors, zuständig für Controlling bei der Spedition Anhalt aus Rehm-Flehde-Bargen bei Heide. Je nach Dieselmenge mache es bei einer Differenz von wenigen Cent mal eben 50 bis 60 Euro Unterschied pro Tankung aus. "Unsere Gewinnmargen sind mittlerweile so gering, dass dieser Betrag über den Erfolg der Tour entscheiden kann", fügt Anhalt-Geschäftsführer Thies Anhalt hinzu. Bei einem Fuhrpark von 170 Fahrzeugen können es entsprechend bis zu 8.000 Euro werden.

Die Spedition hat für ihr Tankmanagement eigens ein Fahrerhandbuch zusammengestellt. Darin stehen sämtliche Regeln darüber, wie und wann zu tanken ist. So gibt es beispielsweise ein eindeutiges Länder-Ranking, an das sich die Fahrer zu halten haben. In jedem Land gibt es zudem nur eine bestimmte Karte, mit der sie tanken dürfen. "Es ist wichtig, dass sich unsere Fahrer daran halten, denn jede Falschtankung kann zu einem Verlustgeschäft führen", erklärt Bajors. Das liege auch daran, dass Anhalt mit den Tankkartenbetreibern gewisse Mindestmengen verhandelt hat, um günstige Konditionen zu bekommen. "Können wir die Menge nicht halten, verlieren wir unseren Preis. Daher ist es sehr wichtig, dass die Fahrer mit der richtigen Karte im entsprechenden Land tanken", sagt der Controller.

Es geht um jedes Kilogramm

Es mag für Speditionen, die im Stückgutverkehr unterwegs sind, befremdlich klingen, nicht aber für Firmen aus dem Bereich Tanktransporte: Es geht um jedes Kilogramm. "Unsere Branche ist sehr nutzlastoptimiert. Daher fahren wir europaweit auch grundsätzlich nur mit einem Tank, der gut 870 Liter fasst", betont Anhalt. Selbst bei der Fahrerkabine würde das Unternehmen am Liebsten auf die kleinere Variante setzen. Doch dann gäbe es ein Problem, weiterhin Fahrer zu finden. "Wir sitzen auf einem Pulverfass. Noch gelingt es uns, genügend Fahrer zu finden. Doch die Suche gestaltet sich zunehmend schwerer, besonders dann, wenn es hoch qualifizierte Fahrer sein sollen. Da müssen wir etwas bieten", erläutert der Geschäftsführer. Dafür sollten die Mitarbeiter dann auch verantwortungsbewusst handeln. Das betreffe auch die Tankkarten. Diese sind eigentlich bares Geld. Daher steht auch der Sicherheitsaspekt bei der Spedition im Vordergrund. Anhalt ist europaweit unterwegs und kreuzt somit auch so genannte Hotspots, an denen organisierte Banden unterwegs sind und die Karten klauen oder einfach kopieren. Dazu gehört beispielsweise das französisch-spanische Grenzgebiet.

Die Unternehmen bleiben auf dem Schaden sitzen

Die Methoden, nach denen die Gruppen vorgehen, sind ganz unterschiedlich. Es geht teilweise soweit, dass die betroffenen Unternehmen erst bei der Abrechnung feststellen, dass sie betrogen wurden. Beispielsweise öffnen die Täter die Fahrzeuge so, dass der Fahrer nichts bemerkt. Sie tauschen die Tankkarte mit einer ungültigen, fast gleich aussehenden Karte aus. So fällt dem Fahrer bei einem flüchtigen Blick auf die Karte nicht auf, dass es sich um eine falsche Karte handelt. Erst beim nächsten Tankstopp wird er feststellen, dass er beraubt worden ist. Oft ist es dann schon zu spät und der Schaden sehr hoch. In der Zwischenzeit haben die Banditen so viel Umsatz wie möglich mit der Karte gemacht. Für die Unternehmen ist diese kriminelle Methode sehr unangenehm, denn sie bleiben in diesem Fall auf dem Schaden sitzen.

Tankkartengesellschaften zahlen das Geld erst zurück, wenn der Verlust gemeldet wurde. Wie das geschieht, hängt ganz von den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ab. Viele Gesellschaften bieten auf ihren Internetportalen einen Kundenzugang an. Mit Passwort und Benutzernamen gelangt man in den persönlichen Bereich. Dort können Spediteure die Karten sperren. Darüber hinaus lässt sich die Karte in schriftlicher Form per Fax sperren oder man ruft eine Servicenummer an. Einige Kartengesellschaften bieten sogar an, die Karte direkt bei der nächsten Station sperren zu können (siehe Tankkartenübersicht). Das ist auch möglich, wenn im Unternehmen der Disponent oder Fuhrparkmanager Unregelmäßigkeiten bei den Tankvorgängen feststellt. Ein täglicher Blick in die Tankstatistiken sollte zur Routine gehören. Oft helfen die Tankkartengesellschaften mit. Fallen ihnen Buchungen auf, so informieren sie das Unternehmen.

Skimming hat es auf die Kartendaten abgesehen

Bei einer anderen Methode interessieren sich die Banden nur noch für die Daten auf der Karte. Das so genannte Skimming ist auch bei Geldkarten weit verbreitet. Hierbei setzen die Datendiebe kleine Geräte auf die Lesegeräte, und eine Kamera filmt die Eingabe der Geheimnummer. Kriminelle nutzten beispielsweise vor zwei Jahren die Fahrlässigkeit vieler Fahrer im deutsch-österreichischen Grenzgebiet. In Vorarlberg und im Süden Deutschlands brachen sie die Beifahrerseite auf und kopierten nur die Daten der Karte mit einem kleinen Gerät und notierten die persönliche Identifikationsnummer (PIN). Diese Daten wurden dann nach Holland geschickt, wo die Bande sie auf neutrale Karten kopierte. Mit denen zogen dann Fahrer los und tankten an automatischen Tankautomaten, die nachts nicht bewacht wurden. So stellten viele Unternehmen erst bei der nächsten Abrechnung fest, dass die Daten der Tankkarte kopiert wurden.

Auch die Tankkartengesellschaften können auf solch eine Methode nicht sofort reagieren. Sie müssen im Tankverhalten der Kunden erst einmal die Unregelmäßigkeiten feststellen. So entstand ein hoher Schaden für die Unternehmen. Auch Anhalt-Controller Bajors kann von einem Fall berichten. Dabei wurde die Karte nach dem Diebstahl anschließend nur für die französische Maut genutzt. "Die Autobahnabschnitte waren nie sehr lang. Daher ist bei uns erst gar nicht aufgefallen, dass die Karte weiterhin benutzt wurde, obwohl sie schon gesperrt war", sagt er. Für die Spedition Grund genug, die Umsätze täglich zu kontrollieren. Die Fahrer senden die Daten aller Tankvorgänge über die Telematikanwendung im Fahrzeug direkt ins Büro. Gleichzeitig bekommt Yvonne Schegg, zuständig für das Tankmanagement im Hause Anhalt, einmal täglich die Umsätze der einzelnen Tankkartengesellschaften. "Wir gleichen die Daten täglich ab, damit wir bei Abweichungen sofort reagieren können", betont Controller Bajors. Denn hier gilt: Ist die Karte nicht gesperrt, haftet das Unternehmen.

Damit sich das Tankmanagement für Anhalt einfacher gestaltet, hat sich das Unternehmen viele Gedanken über neue Lösungen gemacht. "Wir könnten uns gut vorstellen, dass man Tankkarte und Fahrerkarte verbindet. Eine weitere Möglichkeit wäre ein intelligenter Tankrüssel, der etwa per Funkwellen lesen könnte, ob und wie viel das Fahrzeug tanken darf", erklärt Anhalt. So werden die Tankkartenbetreiber in den kommenden Jahren noch viele Services für Transportunternehmen kreieren können.

Autor

Foto

Jacek Bilski

Datum

23. August 2011
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.