TA Symposium Schäden vorbeugen - Geld Sparen, Matthias Rathmann 10 Bilder Zoom

Riskmanagement: Spediteure auf Schadenprävention

Auf dem Symposium "Schäden vorbeugen – Geld sparen" von trans aktuell, dem VSL Baden-Württemberg und Dekra, erklärten Experten, wie Riskmanagement Kosten senkt, das Risiko minimiert und den Ertrag erhöht.

Keiner will es gewesen sein. Wer will seinem Chef schon beichten, dass er soeben an der Mauer hängen geblieben ist oder einen Außenspiegel eingebüßt hat? "Bei Schäden gilt: Entweder war es keiner oder niemand", sagte Timo Conrad, geschäftsführender Gesellschafter der Spedition ERA aus Kornwestheim, beim Symposium "Schäden vorbeugen – Geld sparen" von trans aktuell, Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL) und Dekra in Stuttgart.

VSL-Vorstandsmitglied Conrad weiß, dass das Thema Schäden nicht sehr beliebt ist – auch nicht bei Fahrern. Angesichts der hohen Kosten in Zusammenhang mit Schäden – auch in Form von steigenden Versicherungsprämien – müsse man sich jedoch der Sache annehmen. "Man könnte sagen: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Doch das ist zu kurz gegriffen."

Unfälle sind nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer

Sein Kollege Arno Brucker, Chef der Spedition Brucker aus Aalen, kann das nur bestätigen. Er will Schäden nicht einfach mehr hinnehmen. Denn die Unfälle sind nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer: Das Ausmaß der Schäden bei Brucker war 2010 bis 2012 so dramatisch, dass auch die Versicherung nicht länger mitspielte. Grund für die vielen Crashs seien die schwankende Fuhrparkgröße und die hohe Fluktuation unter den Fahrern gewesen, ausgelöst auch durch die Wirtschaftskrise. Hatte der Mittelständler 2008 noch mehr als 210 eigene Lkw im Einsatz, sind es heute etwa 100 weniger.

"Es gab eine fehlende Bindung der Fahrer zum Unternehmen und eine gewisse Egal-Haltung", erläutert Firmenchef Brucker. Erschwerend hinzu kommt, dass die Organisation intern nicht schnell genug reagieren und Transparenz schaffen konnte. "Schäden wurden nur verwaltet und abgearbeitet." Oft gab es bloß einen Fresszettel, auf dem nur der Name des Geschädigten stand. Auf dem Tisch der Geschäftsleitung landeten die Fälle selten – und schon gar nicht zeitnah.

Alle Schäden sauber erfassen und Fahrer zu Gesprächen bitten

Die Nachlässigkeit rächte sich: Nur ein radikales Umdenken konnte Schlimmeres verhindern. Der Makler Schunck, die Zurich Versicherung und die Beratungsfirma Risk Guard legten der Firma ein Riskmanagement-Programm nahe. Arno und sein Bruder Dr. Stefan Brucker sowie die Fuhrparkleiter kamen mit ins Boot. Vereinbart wurde, dass alle Schäden fortan sauber erfasst und die betreffenden Fahrer zu Gesprächen gebeten werden. Kracht es doch einmal, kann sich der Fahrer nicht mehr aus der Affäre ziehen: »Im Schadensfall muss er ein siebenseitiges Formular ausfüllen und beantworten, ob der Schaden vermeidbar gewesen wäre«, sagt Brucker.

Bei René Reinert war die Motivation, sich mit Riskmanagement auseinanderzusetzen, weniger die Krise als vielmehr das starke Wachstum. 1990 machte er sich als damals 19-Jähriger mit einem Lkw selbstständig. Inzwischen setzt der Unternehmer 520 eigene ziehende Einheiten ein und beschäftigt in seiner Firma Reinert Logistik an fünf Standorten in Deutschland 780 Mitarbeiter. 

Diese Fuhrparkgröße will bewältigt werden: "Bis zu einer Flotte von 150 Lkw kannte ich die Fahrer noch selbst und wir hatten so gut wie keine großen Schäden", sagt Reinert. Mit der Flotte wuchsen die Schäden. "Vieles ging einfach unter, sodass wir beschlossen gegenzusteuern." Doch die 2008 eingeleiteten Schritte gingen den Versicherern nicht weit genug. Also legte die Spedition 2011 noch eins drauf: Im Rahmen des "Reinert-Modells" – so der Name des Programms – stellte die Firma unter anderem einen Riskmanager ein und suchte analog zu Brucker die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern wie der Zurich Versicherung und Risk Guard.

"Safety First"

"Safety First" heißt seitdem das Motto bei dem Unternehmen aus dem sächsischen Schleife. Gelebt wird es durch intensive Kommunikation, einen sofort greifenden Schadensmeldeprozess und eine detaillierte Datenerfassung. "Die Schäden dürfen uns nicht mehr durchrutschen", erklärt der Firmenchef. Um zu zeigen, dass er es ernst meint, erwirbt er nur noch Lkw mit umfangreichem Sicherheitspaket an Bord. Außerdem genehmigt sich Reinert den Luxus, Fahrer drei Wochen auf Herz und Nieren zu testen, ehe sie ihre erste Tour antreten. Das kostet Geld. "Doch jeder Euro für die Sicherheit ist gut angelegt", sagt Reinert.

Davon ist auch Risk Guard-Geschäftsführer Ralph Feldbauer überzeugt. "Riskmanagement senkt die Kosten, minimiert die Risiken und erhöht den Ertrag", sagt er. Wer Schadensprävention betreibt, läuft auch keine Gefahr, am Ende ohne Versicherer dazustehen. Und er kann aktiv dazu beitragen, die Prämien zu drücken. Denn auf die hat die Spedition durch ihre Schadenshäufigkeit direkten Einfluss.

Schnelle Hilfe im Schadensfall

Wichtiger ist es Lkw-Betreiber auch, dass im Schadensfall schnelle Hilfe zur Stelle ist. Mit externem Know-how will hier auch die Sachverständigenorganisation Dekra punkten: Im Schadensfall können Speditionen das Dekra Risk- und Havariemanagement rund um die Uhr erreichen. Die Mitarbeiter versuchen dann in wirtschaftlicher Hinsicht zu retten, was zu retten ist. Das gilt auch für die Ladung und das Timing. Gegebenenfalls lässt sich das Schüttgut im Silo ja umfüllen und noch halbwegs pünktlich zum Kunden bringen.
"Wir kümmern uns um die Schadensregulierung, das Ersatzfahrzeug und den Ersatzfahrer", sagt Key-Account-Manager Matthias Stenau. Doch auch er setzt mit seinem Präventionsansatz vorher an: Schäden sollen erst gar nicht passieren – weshalb sich Dekra bei Schulungen und der Ladungssicherung engagiert, aber auch in Sachen Verpackung und Zertifizierung.

Denn auch diese Dinge spielen beim Riskmanagement mit. Der wichtigste Akteur dabei und der Schlüssel zur Fuhrparkoptimierung ist aber letztlich der Fahrer. Und der hat nicht immer gute Tage – ist er doch permanentem Stress und psychischen Belastungen ausgesetzt, wie Riskmanager Reinhard Anger, Abteilungsdirektor bei der Allianz Versicherung, verdeutlichte. Eine Vielzahl an Faktoren löste negativen Stress bei den Mitarbeitern am Steuer aus – seien es Zeit- und Termindruck, private Sorgen oder rote Tücher. "Dann kochen die Emotionen richtig hoch – etwa wenn der Fahrer rechts überholt wird oder einen Drängler hinter sich hat." Das Problem an negativem Stress: Er kann zu Aggressionen und zum Unfall führen. Daher sollten Fuhrparkchefs versuchen, im Schadensfall die tatsächlichen Ursachen in Erfahrung zu bringen. Nur dann lässt sich effektiv gegensteuern und Prävention betreiben.

Klar ist aber auch, dass bei allem Verständnis die Geduld des Chefs irgendwann am Ende ist. Wer ständig in Unfälle verwickelt ist und bei Schulungen nicht mitziehen will, sollte der Firma nicht dauerhaft Schaden zufügen können.

Wer kündigt, sollte sich an Regeln halten

Wer Bruchpiloten kündigt, sollte sich aber an Regeln halten, sonst droht ein Nachspiel vor Gericht. Eine verhaltensbedingte Kündigung setzt Abmahnungen voraus, wie Rechtsanwältin Elisabeth Schwartländer-Brand vom Arbeitgeberverband Spedition und Logistik Baden-Württemberg (AVSL) betonte. Je nach Schwere der Verstöße brauche es ein bis drei Abmahnungen. Und je weniger Bruchpiloten der Spedition angehören, desto transparenter wird auch das Schadensgeschehen und umso seltener müssen sich Spediteure mit Fahrer Niemand auseinandersetzen.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

28. November 2013
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