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Foto: Kombiverkehr

Gesperrte Rheintalbahn

Die Schiene in der Krise

Betroffene Unternehmen beklagen das Krisenmanagement im Falle der gesperrten Rheintalbahn. Die Bilanz der betroffenen Logistiker ist vernichtend. Speditionen wie Anhalt Logistics stellten sofort auf die Straße um.

Das Krisenmanagement vor allem zur Organisation von Umleiterverkehren habe gezeigt, dass niemand mit dieser Herausforderung gerechnet habe, kritisiert das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) in einem Brief an den Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags. "Die Aussagen zur Wiederaufnahme werden von Tag zu Tag diffuser", sagt NEE-Vorstandvorsitzender Ludolf Kerkeling. Die Situation könne für kleinere Unternehmen der Branche existenzbedrohlich werden, insgesamt sei zu befürchten, dass der Schienengüterverkehr nachhaltig Schaden nimmt, wenn die Lücke nicht schnell geschlossen werde.

Umsatzausfälle und der enorme Zusatzaufwand für umgeleitete Verkehre belaste die Bilanzen, betonte Kerkeling. Mittelfristig träfen unterbeschäftigtes Betriebspersonal und langfristig der Vertrauensverlust bei den Verladern die margenschwache Güterbahnbranche ins Mark. Eine Woche nach der Sperrung könnten nur etwa zehn Prozent des durchschnittlichen Zugaufkommens umgeleitet werden, unterstreicht er. Die Umsatzverluste bezifferte Kerkeling mit zwölf Millionen Euro pro Woche. Wenn nach Ferienende das Güteraufkommen ansteige, werde diese Zahl aber noch höher liegen.

Der Schweizer Kombi-Operateur Hupac hat für die zweite Woche ohne die wichtige Verbindung Umleitungen und Alternativen für die Hälfte der ausgefallenen Züge geplant. "In Anbetracht der urlaubsbedingt noch geringen Marktnachfrage kann dies voraussichtlich den dringendsten Bedarf decken", heißt es seitens Hupac. 41 Züge werden jetzt über Stuttgart geführt, acht über den Brenner, in Planung ist auch eine Strecke über Tarvisio, sowie in Frankreich mehrere Strecken über Sibelit und durch das Elsass. Südlich von Rastatt werden fünf zusätzliche Züge von Singen nach Busto und acht Züge von Basel nach Busto/Novara gefahren. Das Transportaufkommen von fünf Zügen kommt auf dem Binnenschiff unter.

Contargo will regelmäßige "Wasserbrücke" einrichten

Eine regelmäßige "Wasserbrücke" versucht der Container-Hinterlandlogistiker Contargo einzurichten. Ein Binnenschiff wurde von Emmerich in Richtung Basel auf den Weg gebracht, ein weiteres startete in Duisburg. Jedes Schiff ersetzt bis zu drei Züge, außerdem ist ein Koppelverband von Rotterdam aus unterwegs, ein viertes Schiff war geplant.
Die Spedition Anhalt Logistics in Rehm-Flehde-Bargen hat sofort auf die Straße umgestellt. "Unseren Kunden soll weiterhin eine gute Qualität geboten werden", sagt ein Sprecher.

Das Unternehmen, das sehr stark mit Tankcontainern für die Lebensmittel- und Chemieindustrie im Kombinierten Verkehr unterwegs ist, fährt auch tägliche Ladungen in die Schweiz. Es wurden Gespräche mit Zollämtern und -agenten geführt, um die Ausfuhrerklärungen anzupassen. Derzeit sei ungeklärt, wer die durch die Sperrung entstandenen Mehrkosten übernehme, sagt er. "Wir schrecken nicht davor zurück, unter Umständen mit den Kunden in dieser Situation neue Vereinbarungen zu treffen."

Problematisch für die im Kombinierten Verkehr engagierten Unternehmen ist auch, dass für sie bei einer Verlagerung auf die Straße der 44-Tonnen-Gewichtsvorteil wegfällt, sagte Kim Schmidt von der Reederei OPDR in Hamburg. Ausnahmegenehmigungen seien bislang nicht vorgesehen, die Bahnunternehmen seien aber sehr bemüht, Alternativstrecken aufzutun.

Erhebliche Störungen im Warenverkehr zwischen Deutschland und Italien möglich

Erwogen würden von Italien aus auch See-Transporte ab Genua, die gewöhnlich als zu langsam gelten. Die Verladerschaft sei angesichts von Verspätungen und möglichen Extrakosten irritiert. Die Hupac warnt vor erheblichen Störungen im Warenverkehr zwischen Deutschland und Italien, wenn es nicht gelingt, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.

So müssten zusammen mit der französischen SNCF Loks und Lokführer auf den linksrheinischen Strecken mobilisiert werden, auch generell würden mehr Loks, Lokführer und Bodenpersonal gebraucht, um die Ausnahmesituation zu meistern. Da die Hälfte des Güteraustausches zwischen Deutschland und Italien im Kombinierten Verkehr abgewickelt wird, sollte dieser bei der Zuteilung der knappen Trassen höchste Priorität haben.
Die derzeit gute Konjunktur wird sich wohl spätestens ab September noch negativer auswirken. Auch der Straßentransport ist bereits gut ausgelastet, und Fahrer und Lkw sind oftmals nicht kurzfristig verfügbar. Die Unterbrechung der Rheintalbahn stelle das Schweizer Transportgewerbe auf Schiene und Straße vor große Herausforderungen, betont der Branchenverband Astag.

Im Kombinierten Verkehr auf der Strasse seien teure Umwegfahrten nötig. Die Astag fordert deshalb eine Gleichstellung der Verladebahnhöfe in Süddeutschland als Ausweichterminals. Die Vereinigung für den Kombinierten Verkehr Schiene-Straße (UIRR) hält nicht nur ein angemessenes Krisenmanagement und eine bessere Koordinierung von Bauarbeiten auf den Schienengüterkorridoren für dringend geboten. Es müsse auch darüber nachgedacht werden, bei Großereignissen wie diesem, dem Güterverkehr Vorrang vor Personenzügen zu gewähren. Schließlich könnten Reisende relativ problemlos und zu geringen Kosten in den Bus umsteigen.

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Datum

22. August 2017
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