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Logistik und Mobilität in Hessen 2035

Hessen für morgen gerüstet

Handlungsempfehlungen für Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Jetzt muss angedacht und angeschoben werden, wie Logistik und Mobilität in der Zukunft aussehen.

Die Weichen dazu wollen auch das Frankfurter House of Logistics and Mobility (Holm) und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) legen. Gemeinsam mit Bürgern und Experten haben sie einen Fahrplan für morgen erarbeitet – das "Zukunftsbild Logistik und Mobilität in Hessen 2035". Michael Kadow, Geschäftsführer des Holm, und die ILM-Institutsleiter Prof. Uwe Clausen und Prof. Michael Henke präsentierten die Studie am Montag in Frankfurt.

"Mit dem Ausbau der Infrastruktur, wo überhaupt noch möglich, ist es allein nicht getan", sagt der Holm-Geschäftsführer. Deshalb haben die Autoren der Studie sieben Handlungsfelder vorangestellt, zu der Bürger aus Hessen und Experten online befragt wurden : Digitale Transformation, Urbane Logistik & Mobilität, Logistik, Mobilität & Gesellschaft, Intelligente Verkehrssysteme, Aviation Next Generation , Energie & Klimawandel und Neues Wertschöpfungsdesign.
"Wir haben ferner Workshops veranstaltet und mit dem Hessischen Rundfunk kooperiert, der über Wochen das Thema Mobilität in seinem Hörfunkprogramm hr-info zum Schwerpunkt gemacht hat", sagt Kadow, der als Herausgeber der Studie fungiert. "Kurzum, wir wollten breit sensibilisieren für diese Themen."

Die Ergebnisse der Onlinebefragung wurden anschließend in Workshops und Interviews mit 70 Logistik- und Mobilitätsexperte validiert. Das Ergebnis sind 67 Zukunftsthesen und insgesamt 102 Handlungsempfehlungen für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik (einen Auszug präsentiert trans aktuell online). Ziel war laut Kadow, "die Herausforderungen von Logistik und Mobilität zu benennen, Lösungsansätze zu zeigen, Handlungsempfehlungen und damit auch Orientierung zu geben, und zwar vor einer breiten Öffentlichkeit". Und das habe man auch "weitgehend erreicht".

„Bürger wollen mitentscheiden“


Holm-Geschäftsführer Michael Kadow über Inhalt und Zustandekommen der Studie

trans aktuell: Herr Kadow, was sind die Herausforderungen für Logistik in Hessen?
Michael Kadow: Hessen muss als eine der wichtigsten Drehscheiben Europas für die Personenbeförderung, den Gütertransport und den Datenaustausch vor allem den Zuwachs im Verkehr bewältigen. Mit dem Ausbau der Infrastruktur ist es allein nicht getan. Unsere Studie zeigt, dass wir mit intelligenter Verkehrssteuerung, autonomem Fahren und dem Platooning-Konzept für Lkw und Pkw Techniken zur Verfügung haben, mit denen wir den Verkehrskollaps vermeiden können. Über jedes Thema werden wir uns aber weiter Gedanken machen müssen.


Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird autonomes Fahren die Zahl der Verkehrsunfälle deutlich reduzieren. Wir laufen vielleicht aber auch Gefahr, dass durch das autonome Fahren und wegen der Produktionskosten der Güterverkehr von der Schiene auf die Straße verlagert wird. Andere Beispiele sind die Elektrifizierung von Autobahnen für den Schwerlastverkehr, aber auch der denkbare Einsatz von Wasserstoff als Energieträger für Lkw, mit dem der wachsende Verkehr emissionsfrei werden kann.


Wenn man den regionalen Fokus außen vor lässt – könnte die Studie auch als Blaupause für andere Bundesländer dienen?
Die Studie beruht darauf, dass sie gleichermaßen Experten wie Bürger befragt hat und eine Gesamtschau über sieben Handlungsfelder bietet. Die Bürger verlangen heute mit Recht Partizipation, sie wollen informiert sein und mitentscheiden. Auch das ist eines der Ergebnisse der Studie. Mit reinen Expertenveranstaltungen in closed shops werden sie keine Akzeptanz bekommen. Insofern können wir unser Modell auch für andere empfehlen. Im Übrigen bieten wir solche Studien auch für andere Bundesländer an.


Wie sah der Input der Bürger ganz konkret aus?
Wir haben durch die Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk mehr als 400 Bürger aktivieren können, an unserer Umfrage teilzunehmen. Das ist angesichts des eher abstrakten Themas ein großer Erfolg. Darüber hinaus hat der hr vermutlich zig Tausende Hörer gerade in der Woche vor der Präsentation an jedem Tag erreichen und unterschiedliche Aspekte des Themas aufarbeiten können.


Gerade die Logistik leider unter einem schlechten Image, der Güterverkehr findet allgemein wenig Fürsprecher - wie kann das Ihrer Meinung nach verbessert werden?
Das war ein erster Schritt, Bewusstsein für die Leistung der Branche zu schaffen. Es ist uns hoffentlich gelungen klarzumachen, dass die Logistikwirtschaft durch die Nachfrage der Kunden in Schwung gehalten wird. Ihre Kaufentscheidungen und ihre Verkehrsmittelwahl bestimmen die Art und Weise, wie wir Logistik und Mobilität managen müssen. In dem Moment, wo der Zuhörer das versteht, dass er Teil eines komplexen Prozesse ist, in diesem Moment ist der zweite Schritt von vielen weiteren notwendigen Schritten getan.

Zur Person

Michael Kadow ist seit Frühjahr 2015 Geschäftsführer des House of Logistics and Mobility (Holm) in Frankfurt. Gesellschafter des Holm sind das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und der Holm-Verein
Seine Karriere startete der Betriebswirt bei der DB, zunächst im Bereich Netz, später bei DB Schenker, unter anderem als Leiter der Abteilung Business Excellence und der DB Schenker Labs

 

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Ilona Jüngst

Autor

Datum

23. September 2016
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