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Wachsen durch Beteiligungen Alles aus einer Hand

Foto: Philipp Bögle

Von Overseas Logistic Services (OLS) über Recht Logistik zu Fairsenden: Unternehmer Navid Thielemann will mit seinen Geschäftsbeteiligungen ein neues Angebot schaffen.

Navid Thielemann will nicht viel Zeit verlieren. Seit 2014 ist er für den globalen Überseelogistiker Overseas Logistic Services (OLS) tätig, inzwischen als Mitgesellschafter. Sein Ziel: die komplette Supply-Chain der Kunden aus einer Hand steuern.

Neuester Coup des 36-jährigen Unternehmers: Mit der Finanzierungsgesellschaft Five Investments, bei der Thielemann Mehrheitsgesellschafter ist, hat er sich in einer Finanzierungsrunde mit drei Millionen Euro bei dem Berliner Start-up Fairsenden eingebracht. Kerngeschäft des 2019 gegründeten Unternehmens ist die digitale Organisation einer CO2-neutralen letzten Meile. Mit seiner IT steuert das Unternehmen nach eigenen Angaben in Berlin und München bereits eigene E-Cargobike- und Elektro-Van-Flotten. Der Rollout in weiteren Großstädten ist geplant.

Den ersten Teil der Lieferkette deckt Thielemann schon ab. Zusammen mit Michael Lang, dem Unternehmensgründer von Overseas Logistic Services, hat er nach eigenen Angaben das Unternehmen über die vergangenen sieben Jahre restrukturiert und zu einem starken Überseelogistiker gemacht. „Michael Lang hat als einer der Ersten vor 25 Jahren das Thema Seefracht aus den Seehäfen in die industriestarken Ballungsgebiete von Nordrhein-Westfalen geholt und OLS damit zu einem sehr gut aufgestellten Seefrachtlogistiker gemacht“, sagt Thielemann gegenüber trans aktuell.

OLS macht 130 Millionen Umsatz

OLS macht laut Thielemann heute 70 Prozent seiner Geschäfte mit dem Export und 30 Prozent mit dem Import von Containern, etwa aus Asien. Mit 44 Mitarbeitern in Mönchengladbach verschifft OLS demnach mehr als 90.000 TEU jährlich und erwartet für 2021 einen Umsatz von 130 Millionen Euro.

Lang zieht sich zum 1. Januar 2022 aus der Geschäftsführung zurück und hat daher bereits im vergangenen Jahr seinen Anteil in Höhe von 40 Prozent an Thielemann verkauft. Den Rest der Anteile hält das Hamburger Speditionsunternehmen Fr. Meyer’s Sohn, das mit einem Frachtaufkommen von jährlich 900.000 TEU und 50 Niederlassungen weltweit laut Thielemann eine „globale Power“ darstellt, von der auch OLS als selbstständiges Unternehmen profitiere.

Thielemann will als CEO von OLS den Wachstumskurs des Unternehmens fortsetzen und hat daher vor einem Jahr Hans Bernd Effing als Director Operations in sein Team geholt, der zum 1. Januar 2022 als COO in die Geschäftsführung aufrücken wird. Effing war zuletzt Prokurist und Abteilungsleiter Seefracht Export bei Kühne + Nagel.

Seit Anfang des Jahres 2021 ist Thielemann zudem persönlich mit 19 Prozent an der Recht-Logistik-Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Brühl beteiligt, der Anteil soll auf 30 Prozent aufgestockt werden. Das Unternehmen und OLS verbindet demnach bereits seit Jahren eine strategische Partnerschaft, denn Recht übernimmt für OLS-Kunden auf Wunsch den Vor- und Nachlauf zu den Häfen. 130 eigene Lkw stehen aktuell im Fuhrpark bei Recht, 240 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Als neuer Gesellschafter hat Thielemann zudem die Gründung eines neuen Geschäftsbereichs abseits des Transports initiiert, der Recht Kontraktlogistik mit Schwerpunkt Logistik für E-Commerce-Kunden. Rund ein Jahr nach dem Start ist das Unternehmen laut Thielemann bereits an sechs Standorten mit insgesamt 100.000 Quadratmeter Lagerfläche und fast 200 Mitarbeitern tätig.

Thielemann ist bei Recht Kontraktlogistik Hauptgesellschafter, die weiteren Anteile hält Matthias Weiner, der auch als Geschäftsführer agiert und vormals als Mitglied der Geschäftsleitung Kontraktlogistik DACH bei Kühne + Nagel tätig war. „Konzerne bilden Top-Manager aus mit einem fabelhaften Know-how von Prozessen und Systemen“, sagt Thielemann.

Der Mittelstand hingegen biete einem Manager weitaus mehr Möglichkeiten, Ideen schnell und effektiv umzusetzen und sich mehr mit den Kunden zu beschäftigen. Auch er habe deshalb einer Konzernlaufbahn den Rücken gekehrt. Thielemann war nach Ausbildung und Studium unter anderem bei dem Mittelständler Röhlig Deutschland, im Key-Account bei DB Schenker und danach als Vertriebsleiter Seefracht der Region West für Kühne + Nagel tätig.

Investition in Immobilien

Mit den Beteiligungen ist es für ihn aber noch nicht getan. Als Investor baut er mit seiner Investmentgesellschaft Next Investments aktuell am Niederrhein für Recht Kontraktlogistik für 25 Millionen Euro eine Logistikimmobilie mit 25.000 Quadratmetern. „Die Logistikimmobilie von heute ist der Einzelhandel von morgen“, sagt er, das habe die Coronapandemie als Treiber des E-Commerce gezeigt. Für den nächsten Standort mit 40.000 Quadratmetern stehe der Abschluss bevor. Zusätzlich baut Thielemann für seine Beteiligungsunternehmen in Mönchengladbach einen neuen Firmensitz.

Bei Fairsenden stehen die Anzeichen ebenfalls auf Expansion. Das Unternehmen mit aktuell 45 Mitarbeitern wird demnächst auch in Düsseldorf und Köln und anschließend unter anderem in Frankfurt und Stuttgart seine Dienste anbieten. „Kunden bestimmen den Tag, ein konkretes Zeitfenster von zwei Stunden und den Ort der Zustellung“, sagt Thielemann.

Ein Angebot aus einer Hand entlang der gesamten Lieferkette, vom Seefrachtimport bis zur letzten Meile: Hier sieht Thielemann seine Chance. „Die meisten Mittelständler sind spezialisiert, und auch Konzerne sind meist in Business-Units aufgeteilt, die nur schwer übergreifend zusammenarbeiten.“ In seiner Holding will Thielemann die größten Kunden weiter selbst betreuen. Ein enger persönlicher Austausch der Managementverantwortlichen mit regelmäßigen Treffen zwischen den einzelnen Unternehmensbereichen und eine entsprechende IT-Anbindung sollen Transparenz garantieren – von der Containerabholung über den Lagerbereich bis zur Distribution.

Die eigenen Assets sollen dabei die Sicherheit geben, den Kundenauftrag auch pünktlich ausführen zu können. Und nicht nur das: Am liebsten würde Thielemann seine Dienstleistungen entlang der kompletten Kette klimaneutral anbieten, abhängig von dem Angebot der Reedereien. Möglichst aber schon ab 2030.

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