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VS Logistics aus Würzburg

Gefahrstoffe als Wachstumsfeld

VS Logistics Foto: VS Logistics

VS Logistics aus Würzburg reagiert auf die verstärkte Nachfrage von Kunden mit einem neuen Gefahrstofflager in Dettelbach.

Ohne Gefahrstoffe wäre das Leben farb- und geruchlos. Autos hätten keine individuelle Lackierung in allen Farbvarianten, im Bad stünden keine zart duftenden Duschschäume, und speziell jetzt, in Zeiten einer weltweiten Pandemie, hätten wir auch keine desinfizierenden Handgels. Für diese Produkte oder deren Inhaltsstoffe hat VS Logistics im fränkischen Dettelbach ein neues Lager errichtet – mit einigen Besonderheiten.

Notwendig wurde die neue Immobilie, weil das Gefahrstofflager am Firmensitz Würzburg seine Kapazitätsgrenze erreicht hatte. Nicht nur hatten die Bestandskunden zunehmend größere Warenbestände, VS Logistics verzeichnete auch immer mehr Anfragen von Neukunden. Daher will der Mittelständler auch in Zukunft verstärkt auf das Thema Gefahrstoff setzen, sowohl im Bereich Transport als auch in der Lagerlogistik.

12.000 Quadratmeter im ersten Bauabschnitt

Mit einer Fläche von 12.000 Quadratmetern im ersten Bauabschnitt bietet der Standort Dettelbach jetzt ausreichend Platz für die Lagerung und Kommissionierung von diversen Gefahrstoffen der Klassen 1 bis 3 sowie für Mehrwertdienstleistungen wie Displaybau, Umetikettieren, Konfektionierung oder Probenentnahme.

Die Nachfrage des Markts werde auch in Zukunft nicht abreißen, sind sich Oliver Jaus, Geschäftsführer der VS-Logistics-Gruppe, und Marco Bassmann, Geschäftsführer VS Logistics Warehousing, sicher. Denn Gefahrstofflogistik sei ein Wachstumsmarkt – der korrekte Umgang allein mit Stoffen wie Adblue oder Zitronensäure, die zum täglichen Leben gehören, sei kompliziert und mit einem großen Aufwand verbunden.

„Auch die Regulierungsdichte nimmt zu. Zudem steigen die Anforderungen an eine Transparenz der Lieferkette und das Thema Zertifizierungen“, sagt Jaus. Selbst die Hersteller von Produkten, die als Gefahrstoffe deklariert werden müssen, wollen seiner Erfahrung nach zunehmend die Gefahrstoffe auslagern. Und Unternehmen, die Gefahrstoffe etwa in der eigenen Produktion anwenden, wollen sich nicht extra um die richtige Lagerung der Stoffe kümmern. Automobilkonzerne sourcen die Einlagerung von Fahrzeuglacken daher gern an den Logistikdienstleister aus, der die Gebinde dann just in time in die Produktion bringt. Für einen Hersteller von Naturkosmetik übernimmt der Logistiker die entsprechende Produktionsver- und -entsorgung.

Anforderungen steigen

Denn die Anforderungen wüchsen, sagt Bassmann, etwa im Hinblick auf die technischen Regeln für Gefahrstoffe, das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) sowie durch permanente Änderungen beim Brandschutz.

Viele Kunden scheuen das Thema auch wegen diverser Unwägbarkeiten. In der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) ist die Löschwasserrichtlinie seit Ende 2019 außer Kraft, eine Überarbeitung liegt seitdem nur als Entwurf vor. Für Lagereinrichtungen wird daher immer noch die alte Version herangezogen – „das war für uns sehr kompliziert, weil die Außerkraftsetzung genau unsere Genehmigungsphase betrifft“, sagt Jaus. Selbst die zuständigen Behörden, so ergänzt Bassmann, täten sich bei manchen Sachverhalten schwer, so bei der technischen Anleitung (TA) „Abstand“, die den Sicherheitsabstand zu anderen Bauten vorschreiben soll.

VS Logistics Foto: Ilona Jüngst
Oliver Jaus (l.) und Marco Bassmann vor den großen Lüftungsanlagen auf dem Dach.

Unklare Regelung zu Akkus

Ein neuer Unsicherheitsfaktor ist in dem Bereich auch die Lagerung von Batterien und Akkus, etwa für E-Fahrzeuge. Die Standards der VdS Schadenverhütung, einer Tochter des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), seien noch sehr rudimentär und nicht abgestimmt mit der Gesetzeslage, sagt Jaus. „Als Folge daraus gibt es Versicherer, die eine Lagerung von Batterien und Akkus decken – und eben auch Versicherungen, die sich mit der Deckung sehr schwertun.“

VS Logistics habe auf jeden Fall die Anforderungen an ein Gefahrstofflager übererfüllt, sagen Jaus und Bassmann. Die Immobilie mit einer Fläche von 12.000 Quadratmetern und 20.000 Palettenstellplätzen hat insgesamt neun Brandabschnitte mit unterschiedlichen Größen, der kleinste Raum ist 400 Quadratmeter groß. Unter der Bodenplatte ist eine Folie verbaut, um bei einem Brand Löschwasser und Produktstoffe vom Eindringen in den Grund zurückzuhalten. Der Boden inklusive Folie ist in jedem Brandabschnitt als Wanne konzipiert. Im Alarmfall werden an den Toren und den Durchgängen automatische Barrieren zur Abdichtung des Abschnitts abgesenkt, um bei einer Havarie eine Produktdurchmischung zu verhindern.

Verschiedene Löschmedien vorhanden

Ein sehr großer Bereich bei Planung und Bau war die Löschtechnik. In dem Gefahrstofflager kommen je nach Notfall unterschiedliche Löschmedien zum Einsatz. Für die Sprinkleranlage, die zugleich kühlen und löschen kann, steht außerhalb des Gebäudes ein 900.000 Liter Wasser fassender Behälter parat.

Ebenfalls riesig ist die CO2-Löschanlage der neuesten Generation. Im Notfall leitet die Anlage Kohlenstoffdioxid ein, das den Luftsauerstoff aus dem Brandbereich verdrängt und damit einem Feuer die Grundlage entzieht. Vorteile der Löschmethode: Sie ist extrem effektiv, es gibt keine chemischen Reaktionen sowie keinen Wasserschaden durch Löschwasser, und es gibt keine Rückstände durch das CO2, das nach dem Notfall gezielt und schrittweise nach außen geleitet wird.

Nachteil: die höheren Investitionskosten und der höhere Aufwand, etwa auch beim Mitarbeiterschutz. Kein Wunder, dass Bau und Planung eines Gefahrstofflagers VS Logistics zufolge gegenüber einem Standardlager bisweilen drei- oder viermal so teuer sind.

In Dettelbach sind nach drei Jahren Planung und rund einem Jahr Bauzeit nun fast alle Arbeiten abgeschlossen. Jetzt wartet das Unternehmen noch auf die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Und damit nicht genug: VS Logistics hat bereits den zweiten Bauabschnitt im Fokus, der nochmals die gleichen Flächenquadratmeter und zusätzliche Büros umfassen soll.

Das Unternehmen

  • VS Logistics gibt es seit 1932, die Gruppe beschäftigt insgesamt 130 Mitarbeiter
  • Firmensitz ist Würzburg, weitere Standorte hat das Unternehmen in Dettelbach sowie in Dormagen und Kirchlinteln/Verden
  • Zu den Geschäftsschwerpunkten gehören Transport und Spedition, Sondertransporte, Lagerung, Kommissionierung und Distribution sowie Mehrwertdienstleistungen wie Konfektionierung von Displays, Co-Packing und Vorproduktion
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