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Logistikgipfel Verkehrspolitik

Verkehrsvermeidung ist eine Lüge

Dr. Andreas Scheuer, Parlamentarischer Staatsekretät, Verkehrsministerium, trans aktuell, Gipfel 2012, Logistikgipfel Foto: Küppers

Bisweilen bekommt der Parlamentarische Staatssekretär  Dr. Andreas Scheuer (CSU)  beim Thema Lang-Lkw sogar Gegenwind aus den eigenen Reihen.

"Vor allem von denjenigen, die sich nicht mit der Verkehrspolitik beschäftigen und von den Bürgern ansprechend angegangen werden", sagte er bei seiner heutigen Eröffnungsrede beim trans aktuell Transport Logistikgipfel in Ludwigsburg bei Stuttgart.

Daher plädiert der Koordinator der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik auch für eine Versachlichung bei der Diskussion um den Lang-Lkw. Natürlich gebe es bei manchen Strecken einen Bahnübergang oder auch eine schwierige Kreuzung. Das bisherige Genehmigungsverfahren sei allerdings nicht praktikabel. "Das schreckt mittelständische Unternehmer eher ab", erklärte Scheuer. Denn wer in einen Lang-Lkw investiert, muss sich sicher sein können, dieses Geld wieder einfahren zu können.

Auf die Länge kommt es an

Die Spedition Ansorge aus dem Allgäu habe hier zwar bereits den Anfang gemacht. Aber die derzeitige Praxis bei den Genehmigungsverfahren für die letzten Kilometer stelle viele Unternehmer noch vor ein Problem. Explizit sprach er dabei die Probleme des Logistikdienstleister Hellmann aus Osnabrück an.

Dieser plant Fahrten von Lehrte nach Passau und nach Göttingen zum System Alliance-Partner Zufall. Auch für einen großen Kunden prüft das Unternehmen derzeit geeignete Routen. Da sich Nordrhein-Westfalen und Bremen nicht am Versuch beteiligen, gestaltet sich der Aufbau von geeigneten Verkehren aber schwierig. Daher strebt das Verkehrsministerium nun Gespräche mit den kommunalen Verbänden an. Denn dort sind die Bedenken gegen den Feldversuch am größten. Letztlich gelte es den Verantwortlichen dort klar zu machen, welchen Beitrag der Lang-Lkw für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung leisten kann.

Doch nicht nur auf der Straße gelte es auf längere Fahrzeuge zu setzen. Auch auf der Schiene soll das der Fall sein. Sind die Güterbahnen bislang noch mit 750 Meter unterwegs, könnten es bald schon 1.500 Meter sein. Einen ersten Versuch mit einen 835 Meter langen Zug von Dänemark nach Seevetal-Maschen in Niedersachsen gibt es bereits.

Infrastruktur ist besser als ihr Ruf

Für Scheuer ist der Lang-Lkw aber nur ein Teil im Puzzle einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Als Exportland Nummer eins und in der Mitte Europas gelegen, gebe es aber natürlich noch weitere Herausforderungen für den Logistikstandort Deutschland. Auch wenn die Verkehrsinfrastruktur immer in der Kritik stehe, habe eine Untersuchung der Weltbank gezeigt, dass Deutschland hier durchaus seine Hausaufgaben gemacht habe. In deren Bericht seien nicht nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern eben auch die Infrastruktur gelobt worden. Das spiegelt die Auszeichnung als Logistikweltmeister wider.

Dennoch ist für Scheuer die Verkehrspolitik des letzten Jahrzehnts eher fragwürdig. Vor allem das Dogma der Verkehrsvermeidung sei eine große Lüge. Schließlich würden die Verkehrsprognosen eine andere Sprache sprechen. Diese gehen allein bis zum Jahr 2025 von einem Plus von rund 50 Prozent beim Güterverkehr aus.

Vernetzung ist Trumpf

Eben daher gelte es, darüber hinaus auch die einzelnen Verkehrsträger besser zu vernetzen. Für Scheuer heißt das aber nicht nur von der Straße auf die Schiene oder vom Binnenschiff auf den Lkw. Auch Hub-Verkehre die beim gleichen Verkehrsträger bleiben und zu einer sinnvolleren Vernetzung beitragen, sind damit gemeint. Doch sobald es an eine Streckenerweiterung geht, regt sich immer auch Widerstand. "Bauen wir eine neue Bahntrasse, ist die Elektrifizierung für den Personenverkehr von den Kommunen gewünscht. Der Güterverkehr soll dort nach dem Willen der Anwohner aber nicht rollen", erzählte Scheuer. Dass das dennoch sein Muss, sei aber schon aus wirtschaftlichen Erwägungen nicht sinnvoll.

Technik leistet Hilfestellung

Auch seitens der Technik gebe es einige Beiträge zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik. So sei es zwar möglich gewesen, an der einen oder anderen Stelle zusätzliches Geld für den Aus- und Neubau von neuen Straßen locker zu machen. Die Mittel seien aber begrenzt. Mithilfe von technischen Lösungen wie etwa einem Verkehrsmanagement sei es allerdings ebenfalls möglich, die Auslastung um rund zehn Prozent zu erhöhen. "Und das mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln", erklärte er dem Plenum. Klar sei jedoch eines: Keine der Maßnahmen führt alleine zum Erfolg. Nur mehrere Maßnahmen sowie eine bessere Vernetzung sind gefragt.

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