VDO DTCO 4.0

Tachoprüfung leicht gemacht

Foto: www.stefan-effner.de

Seit Mitte Juni 2019 müssen neu zugelassene Lkw mit digitalen Tachografen ausgestattet sein. Die neuen Funktionen verändern auch den Ablauf der Tachografenprüfung. Werkstatt aktuell hat einem Profi beim neuen Prüfprozess über die Schulter geschaut.

Der dunkelgrüne Mercedes Actros ist brandneu und wurde gerade erst zugelassen, daher führt Mechatroniker Martin Löffler heute eine Tachografenprüfung an dem DTCO 4.0 von VDO durch. „Dabei trage ich unter anderem erstmalig den Halter und das Kennzeichen im Tachografen ein“, sagt Löffler, der seit fast 20 Jahren in der Mercedes-Benz Niederlassung Taunus-Auto in Wiesbaden arbeitet. An manchen Tagen prüft er bis zu vier Tachografen, für ihn ist der folgende Ablauf Routine.

Foto: Continental
Prüfung des digitalen Tachografen Conti-DTCO-4.0 - Schritt 1

1. Zum Prüfzubehör, das VDO als Set anbietet, gehören unter anderem ein Tablet-Computer und ein Bluetooth-Dongle. Mit diesem stellt der Mechatroniker eine Verbindung zwischen dem Tablet und dem Tachografen her. In einzelnen Schritten führt die Software ihn nun durch das Prüfprogramm. Martin Löffler steckt seine Werkstattkarte in den Tachografen und prüft, ob beide Schächte funktionsfähig sind. Im Rahmen der sonst zweijährigen Prüfung werden die Schächte mithilfe einer speziellen Reinigungskarte, die zum Set gehört, gesäubert. Heute ist das nicht nötig, da der Lkw neu ist.

Foto: Continental/Stefan Effner
Prüfung des digitalen Tachografen Conti-DTCO-4.0 - Schritt 2

2. Wird die Papierrolle entfernt, muss das Gerät einen Fehler melden – Löffler prüft das, generiert einen Ausdruck und fährt dann mit der Manipulationsprüfung fort. „Das geht heute viel einfacher als noch vor ein paar Jahren. Damals mussten wir noch Kabel legen vom Geber zum Tacho und schauen, ob das gleiche Signal ankommt“, sagt Löffler. Dank Tablet ist das heute in Sekundenschnelle erledigt. Zur Manipulationsprüfung gehört auch der Check des Tachogebers am Getriebe.

Foto: Continental/Stefan Effner
Prüfung des digitalen Tachografen Conti-DTCO-4.0 - Schritt 3

3. Heute hat Martin Löffler großes Glück: Die Zugmaschine ist neu, sauber, ohne Aufbauten oder Getriebeabdeckungen – er kommt relativ leicht heran an den Tachogeber. „Wenn alles verbaut ist, dauert das manchmal deutlich länger, weil man sehr schlecht an den Geber herankommt. Im schlimmsten Fall muss sogar die Kardanwelle raus“, berichtet der Monteur. Dann kann die Prüfung auch nicht pauschal berechnet werden, sondern nach Aufwand. Löffler prüft den Tachogeber: Sind Kabel und Geber unbeschädigt und ist die Plombe intakt? Alles in Ordnung. Jetzt bestrahlt er den Sockel des Gebers mit UV-Licht – leuchtet der Sockel grün, so wie hier, ist alles in Ordnung und das Bauteil nicht manipuliert. Die alte Plombe wird entfernt.

Foto: Continental/Stefan Effner
Prüfung des digitalen Tachografen Conti-DTCO-4.0 - Schritt 4

4. Prägezangen und Bleiplomben haben ausgedient. Neue nummerierte Plomben liegen ebenfalls dem Set bei, jede Nummer wird vom Monteur dokumentiert. Löffler zieht den Draht durch Stecker und Geber – damit ist die Manipulationsprüfung abgeschlossen. „In den vergangenen Jahren gab es so gut wie gar keine Manipulationen mehr“, sagt Löffler. Übrigens: Im Rahmen der Prüfung muss der Geber nun immer neu plombiert werden.

Foto: Continental/Stefan Effner
Prüfung des digitalen Tachografen Conti-DTCO-4.0 - Schritt 5

5. Zurück im Fahrerhaus steckt der Monteur den Tachografen wieder in den DIN-Schacht. Auf dem Tablet trägt er verschiedene Parameter ein, etwa Halter, Kennzeichen und das Land, in dem der Lkw registriert ist. Zusätzlich hinterlegt Martin Löffler die Plombennummer im System. Nun wird der W-Wert, die Wegimpulszahl ermittelt. Dazu befestigt der Monteur einen Laser am Trittbrett sowie das sogenannte „Tiremeter“ in der hinteren Felge. Beide Geräte verbinden sich per Bluetooth automatisch mit dem Workshop Tablet, dann fährt Löffler die 20 Meter lange Messstrecke ab. Die W-Wert-Prüfung erledigt das Tablet ebenfalls automatisch, die entsprechenden Felder werden grün.

Foto: Continental/Stefan Effner
Prüfung des digitalen Tachografen Conti-DTCO-4.0 - Schritt 6

6. Auch wenn die Fahrer gerne schneller wären, bei Tempo 90 muss Schluss sein, der Lkw darf dann kein Gas mehr annehmen. Dafür simuliert das Tablet bei laufendem Motor auf dem Tacho 90 km/h, Löffler tritt das Gaspedal durch – aber nichts passiert, Test bestanden. Im Rahmen der Prüfung wurden Fehler im Gerät abgelegt, diese werden nun gelöscht. Löffler nimmt seine Werkstattkarte aus dem Tachografen und steckt sie für den folgenden DSRC-Test in das Tablet. In allen neuen Lkw ist künftig eine DSRC(Dedicated Short Range Communication)-Antenne verbaut, die Daten an abfragende Kontrollgeräte sendet. Damit können beispielweise Beamte vom BAG während der Vorbeifahrt bestimmte Informationen auslesen. Beim Test in der Werkstatt sendet das Tablet einen Datensatz an eine externe Antenne, das sogenannte DSRCMeter, und ermittelt, wie viele Daten zurückkommen. Hier sind es 100 Prozent, der Test ist bestanden.

Foto: Continental/Stefan Effner
Prüfung des digitalen Tachografen Conti-DTCO-4.0 - Schritt 7

7. Jetzt fährt Monteur Löffler den Actros vors Tor, um Satellitenempfang zu haben, der für den GPS-Test nötig ist. Denn jeder digitale Tachograf speichert die exakte Position des Fahrzeugs. Das Tablet beziehungsweise der Tachograf empfängt ein Signal, auch hier gibt’s grünes Licht.

Foto: Continental/Stefan Effner
Prüfung des digitalen Tachografen Conti-DTCO-4.0 - Schritt 8

8. Die Arbeit am Fahrzeug ist damit erledigt. Im Büro druckt Löffler den Prüfbericht direkt vom Tablet aus. Der Bericht bleibt drei Jahre lang in der Kundenakte. An die B-Säule des Actros kommt lediglich ein kleiner Ausdruck, über den der Monteur zusätzlich eine Plombierfolie klebt. „Wenn man die abzieht, wird sie zerstört, ähnlich wie bei einer Vignette“, erklärt Löffler. Damit ist die Tachografenprüfung an diesem Fahrzeug beendet, Löffler geht auf den Hof – und holt sich das nächste Fahrzeug.

In diesen Fällen ist zwingend eine neue Tachografenprüfung nötig

  • Das Fahrzeug erhält ein neues Kennzeichen
  • Das Fahrzeug wird auf einen neuen Halter zugelassen
  • Der Tachogeber wird ausgetauscht, etwa bei einem Defekt
  • Der Reifenindex ändert sich, etwa beim Wechsel von Sommer- auf Winterreifen

Unsere Experten
Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
Who is Who
Who is Who Nutzfahrzeuge 2019 WHO IS WHO Nutzfahrzeuge

Alle Hersteller, Zulieferer und Dienstleister für Nutzfahrzeugflotten.