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trans aktuell-Symposium bei Güttler Logistik

Gütertransporte – aber sicher!

Schwerpunkt Sicherheit, Thomas Küppers Foto: Thomas Küppers 55 Bilder

Es war das dritte trans aktuell-Symposium 2021: Über 50 Experten tauschten sich bei Güttler Logistik in Hof über Sicherheit in der Logistik aus.

Sicherheit zahlt sich in mehrfacher Hinsicht aus: Dies wurde beim trans aktuell-Symposium zum Thema „Sicherheit in der Transport- und Logistikkette“ deutlich. Mehr als 50 Experten aus der Branche hörten Fachvorträge und tauschten sich bei Güttler Logistik im fränkischen Hof über ihre Erfahrungen aus. Auch diesmal fand das Symposium als hybride Veranstaltung statt, sodass weitere Teilnehmer auch online dabei waren und inter­agieren konnten.

Thomas Küppers Foto: Familie Güttler
Die ganze Familie zieht mit: Geschäftsführerin Karin Güttler-Reuther mit ihren Söhnen Christian und Julius Reuther.

Der Gastgeber und Geschäftsführer von Güttler Logistik, Johannes Reuther, freute sich über persönliche Begegnungen in seinem Haus nach Monaten mit vielen Digitalkonferenzen. Die Investi­tionen in Sicherheit vollziehen sich in seinem Unternehmen auf drei Ebenen, nämlich technisch, organisatorisch und personell. In die technische Ebene fallen beispielsweise Spurhalteassistenten, Rückfahrkameras, Abbiegeassistenten, Telematik-Anbindungen, der Wankausgleich oder der Müdigkeitssensor. Organisatorisch setzt das Unternehmen auf Riskmanagement zur Schadenprävention im Eigenfuhrpark sowie auf Interaktion mit den Mitarbeitern. Letzteres heißt beispielsweise, dass Unfälle besprochen und aufgearbeitet werden.

Riesige Kostenblöcke

Der Geschäftsführer der Beratungsfirma Riskguard, Ralph Feldbauer, betonte, dass Versicherungen bei jedem Rangierschaden durchschnittlich 3.800 Euro nicht übernehmen. „Wir reden hier über riesige Kostenblöcke“, erklärte Feldbauer. Er ist überzeugt: „Riskmanagement im Sinne der Vermeidung von Schäden ist ein effektiverer Hebel zur Kostenreduzierung als Spritspartrainings für Fahrer.“ Zudem sei die Schadenquote nicht steuerbar. Ein unaufmerksamer rückwärtsfahrender Fahrer könne nicht wissen, ob er nun an einer Straßenlaterne einen Schaden für 200 Euro verursache oder an einem Oberklassewagen für 15.000 Euro. Das wichtigere Kriterium ist für ihn daher die Schadenhäufigkeit, also die Schadenereignisse im Fuhrpark im Verhältnis zur Fahrzeuganzahl. Mithilfe von Dashcams biete sich die Chance, kritische Fahrsituationen zu messen und zu coachen.

Der Fahrertrainer und Geschäftsführer des Unternehmens Fuhrpark Plus, Stephan Landgraf, stellte videobasiertes Coaching mithilfe von Dashcams als innovatives Konzept bei der Fahrerschulung vor. Aufgezeichnet und beurteilt werden auffällige Fahrmanöver, zum Beispiel starkes Beschleunigen oder Bremsen. Was bei Dashcams in rechtlicher Hinsicht zu beachten ist, darüber sprach Dr. Tom Petrick, Fach­anwalt für Verkehrsrecht in der Kanzlei F.E.L.S. Rechtlich heikel wird es bei der Verarbeitung personenbezogener Daten. Darunter fallen beispielsweise Gesichter und Autokennzeichen. Beim Filmen nach innen kann der Spediteur die Einwilligung der Fahrzeuginsassen einholen. Denkbar wäre auch eine sogenannte einwilligungsersetzende Betriebsvereinbarung. Schwieriger wird’s beim Filmen nach außen, da Passanten und andere Verkehrsteilnehmer nicht so einfach nach ihrer Einwilligung befragt werden können. Hier stelle sich die Frage, ob ein sogenanntes berechtigtes Interesse an der Verarbeitung überwiegt, führte Petrick aus.

Dr. Tom Petrick Foto: Thomas Küppers
Referierte über die Verarbeitung personenbezogener Daten: Dr. Tom Petrick, Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Bei einer Aufzeichnung zu Coachingzwecken dürfte das berechtigte Interesse jedoch in aller Regel gegeben sein, erklärte der Rechtsexperte. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, empfahl Petrick außerdem „Blackboxing“. Darunter ist die physikalische Abschirmung der Daten auf der Kamera sowie die Verschlüsselung im Backend oder Serversystem zu verstehen.

Über die Auswahlkriterien in technischer Hinsicht referierte Peter Fuhrmann, Geschäftsführer des Telematikanbieters Xplus1. Bei der heutigen Generation von Dashcams sei man inzwischen auf dem Level der künstlichen Intelligenz angelangt. Jedoch bestehe für Interessenten die Gefahr, sich bei der Vielzahl der Funktionen zu verzetteln. Es gehe letztlich nicht darum zu fragen, welcher Hersteller wie viele Funktionen anbiete, sondern darum, die Dashcam mit denjenigen Funktionen auszuwählen, die wirklich praxisrelevant sind.

Einbau dauert 30 Minuten

Ebenso sei es wichtig, die zwei Komponenten Kamera und Blackbox in Verbindung mit dem Telematikportal in einem System zu verbinden. Laut Fuhrmann kann der Spediteur mit folgenden Kosten bei Dashcams rechnen: Die Kombination aus Kamera und Blackbox kostet etwa 400 bis 600 Euro. Der Einbau dauert etwa 20 bis 30 Minuten pro Fahrzeug, während die Kosten hierfür überschaubar seien, erklärte Fuhrmann.

In einer Talk-Runde mit Johannes Reuther, Christian Winkler, Prokurist bei Ansorge Logistik, Ralph Feldbauer und Stephan Landgraf ging es um praktische Erkenntnisse. Reuther betonte, die Dashcams böten gute Möglichkeiten, Schäden signifikant zu reduzieren. Eine Dashcam ist bei Güttler Logistik unter anderem in einem Lang-Lkw verbaut (siehe dazu auch Seite 8). Jedoch ist die Resonanz bei den Fahrern noch etwas zwiespältig.

Diskussion bei Güttler Logistik Foto: Thomas Küppers
Riskmanagement in der Praxis (von links): Moderator Matthias Rathmann, Ralph Feldbauer (Risk-guard), Christian Winkler (Ansorge Logistik), Stephan Landgraf (Fuhrpark Plus), Johannes Reuther (Güttler Logistik).

Christian Winkler berichtete von einem Test bei Ansorge Logistik mit zwei Systemen. Der Test begann im Juli dieses Jahres. Über den Einsatz der Dashcams hat Ansorge eine Betriebsvereinbarung getroffen und auch mit jedem einzelnen Fahrer gesprochen. Riskmanager Feldbauer, der auch das Projekt bei Ansorge Logistik begleitet, hob hervor, wie wichtig es sei, vor der Implementierung zunächst einmal die rechtliche Seite zu klären. Wichtig sei auch die Kommunikation. So führte Feldbauer bei Ansorge ein langes Gespräch mit dem Betriebsrat, um zu erklären, dass es eben nicht um die Überwachung der Fahrer gehe. Das Ziel sei vielmehr, den Fahrer zu unterstützen und zu entlasten. Winkler ergänzte, man solle dem Fahrer deutlich machen, warum die Dashcam ein Ereignis aufzeichne: „Du stehst nicht kurz vor der Kündigung, sondern wir wollen dich coachen.“

Güttler Logistik, Symposium Foto: Thomas Küppers
Gemeinsam für die Sicherheit (von links): Matthias Rathmann (trans aktuell), Peter Fuhrmann (Xplus1), Daniel Prucker (Güttler Logistik), Sandro Scheckl­mann (Xplus1), Wolfgang Schmid (Webfleet Solutions), Christos Sakalidis (TC09 Secure).

Aus der Praxis berichtete Landgraf, bei Ansorge Logistik habe man feststellen können, dass von der Dashcam als auffällig identifizierte Fahrer auch schon vorher auffällig gewesen seien. Winkler ergänzte, auch das Gegenteil sei eingetreten. Fahrer die fast nie Schäden verursachten, seien beim Test auffällig gewesen. „Diese Fahrer hatten in der Vergangenheit einfach viel Glück.“ Landgraf wies noch darauf hin, es sei vorteilhaft, wenn der Trainer im Vorfeld nichts über die Fahrer wisse. „Dann kann der Trainer unvoreingenommen agieren.“

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