The Tire Cologne

Nachhaltigkeit steht im Vordergrund

Foto: BRV

Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV), über den Wechsel nach Köln.

Was hat Sie bewogen, Ihr Engagement von der Reifen Essen zur The Tire Cologne zu verlagern?

Drechsler: Die Vorlage eines zukunftsweisenden Konzepts für eine Neupositionierung einer Messe für Reifen-, Räder- und Autoservicespezialisten durch die Koelnmesse hat bereits Anfang 2014 den BRV-Vorstand überzeugt. Auch Faktoren wie die stärkere internationale Aufstellung, Modernität und Flexibilität des Kölner Messegeländes, Ansprache neuer Zielgruppen und die Wünsche zahlreicher wichtiger Aussteller nach einem Neustart an einem Metropolenstandort spielten dabei eine Rolle.

Wird eine spezielle Reifenmesse auch in Zukunft Bestand haben?

Drechsler: Eine spezialisierte Messe rund um den Reifen wird auch in Zukunft nicht nur Bestand, sondern auch ihre ­Berechtigung haben. Grundlage hierzu ist die Besetzung der aktuellen sowie der Zukunftsthemen der Branche. Die The ­Tire Cologne ist vom Start weg mehr als eine reine Produktschau. Zukunftsweisende Themen wie Digitalisierung und Connected Car werden aufgenommen, darge-stellt und auch diskutiert. Ebenso wird dem Thema Recycling ein Forum geboten. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Messe wird ein Zukunftsgarant sein.

Wie hat sich das Reifengeschäft grundsätzlich im letzten Jahr entwickelt?

Drechsler: Nach den uns vorliegenden vorläufigen Zahlen für das Jahr 2017 gehen wir davon aus, dass das Reifen­ersatz­geschäft über alle Produktgruppen (Pkw- SUV/Van-, Lkw- und Lkw-Reifen) in Deutschland und der EU stagniert. Die gleiche Entwicklung erwarten wir für das aktuelle Jahr 2018.

Welche Position bezieht der BRV zur Zweitmarkenstrategie beziehungsweise zu sogenannten Billigreifen aus Fernost?

Drechsler: Diese Mehrmarkenstrategie der großen Hersteller, also Produkte in den Ranges Premium, Quality und Budget anzubieten, ist für den Reifenfachhandel nichts Neues. Sie wird von den betreffenden Reifenherstellern seit Jahren praktiziert. Diese Strategie ist unseres Erachtens einer der Gründe dafür, warum in Deutschland die Premium- und Quality-Fabrikate nach wie vor einen sehr hohen Marktanteil besitzen – im Pkw- und SUV-/Van-Bereich sind dies rund 85 Prozent und mehr.

Reifenentwicklung Foto: Andreas Techel
Heute gilt Winterreifenpflicht auf der Hinterachse, ab 2020 auch auf der Lenkachse.
BRV Foto: BRV
Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e. V. ist der bundesweit tätige Fachverband des deutschen Reifengewerbes mit Sitz in Bonn. Mit seinen mehr als 1.950 Mitgliedsunternehmen und ihren insgesamt gut 3.500 Verkaufsstellen repräsentiert er rund 80 Prozent der Branche in Deutschland. Der BRV wurde 1986 als Zusammenschluss des Deutschen Reifenhändler Verbandes (DRV) und des Zentralverbandes des Deutschen Vulkaniseur-Handwerks (ZDV) gegründet. Vorsitzender ist Stephan Helm (Reifen Helm, Hamburg), die Geschäftsführung liegt bei Hans-Jürgen Drechsler und Yorick M. Lowin.
Wo liegen die Trends beim Lkw-Reifen? Welche Rolle spielen Umweltaspekte?

Drechsler: Nachhaltigkeitsthemen, wie insbesondere die Laufleistung und Runderneuerungsfähigkeit der Reifen, gewinnen im Lkw-Reifengeschäft zunehmend an Bedeutung. Daneben spielen aber gleichzeitig die Performance-Eigenschaften eine entscheidende Rolle, in erster ­Linie Sicherheitskriterien wie die Nasshaftung. Diese Themen und Eigenschaften sind jedoch nicht gleicherweise für alle Lkw-Reifen von Bedeutung, sondern sie sind stark abhängig von der Achsposition (Lenkachse, Antriebsachse und gezogene Achsen) und vom jeweiligen Einsatzspektrum der Fahrzeuge, das heißt nationaler und internationaler Fernverkehr (Long Distance), kombinierter Fern- und Verteilerverkehr (Regional Traffic), innerstädtischer Nahverkehr (Urban Traffic), Baustellenverkehr (Construction) oder Sonderfahrzeuge im Spezialeinsatz (Offroad). Im Dienstleistungsbereich erwarten die Kunden heute ein komplettes Fleetmanagement, mobilen Service vor Ort und einen funktionsfähigen internationalen 24-Stunden-Breakdown-Service.

Wird sich die Runderneuerung durch die De-minimis-Förderung verstärken?

Drechsler: Davon gehen wir fest aus, eine Stabilisierung und einen Anstieg konnten wir bereits im Jahr 2017 feststellen, der sicherlich auch in 2018 und darüber hinaus anhalten wird.

Wie hat sich das Winterreifengeschäft im Lkw-Bereich und im Omnibussektor entwickelt?

Drechsler: Hier muss man erst einmal feststellen, dass es durch die situative Winterreifenpflicht, genauer gesagt: die Pflicht zur Nutzung von Winterreifen – bis 2017 mit M+S-Kennzeichnung –, bei winterlichen Straßenverhältnissen im Lkw- und Bussektor über 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht auf der Antriebsachse, keine wesentlichen Veränderungen gegeben hat. Denn in diesem Bereich sind beziehungsweise waren die Antriebsachsreifen seit jeher mit M+S gekennzeichnet. Auch die Einführung des Schneeflockensymbols ab Herstellungsdatum 1. Januar 2018 wird keine große Hürde darstellen, sowohl die Reifenhersteller als auch die Runderneuerer sind auf diese Veränderung vorbereitet. Der nächste Meilenstein für das Winterreifengeschäft in diesem Sektor steht ab dem 1. Juli 2020 an, wenn die Winterreifenpflicht dann auch für die vorderen Lenkachsen gilt.

Wird das Reifenmanagement auch für den Handel immer wichtiger?

Drechsler: Selbstverständlich – eine immer weiter zunehmende Anzahl von Reifendimensionen sowie herstellerspezifischen Reifenkennungen stellt den Handel vor weitere logistische Herausforderungen. Die klassische Reifenbevorratung im Vorfeld der Wechselsaison am Point of Sale nimmt immer weiter ab, die Hersteller und der Großhandel müssen die logistischen Prozesse anpassen, um den Point of Sale quasi just in time nach dessen Bedürfnissen beliefern zu können.

Wo liegen im Pkw-Flotten-Geschäft die Schwerpunkte für den Handel? Und gibt es noch Potenzial?

Drechsler: Hier liegt der Schwerpunkt in der kompletten Flottenbetreuung einschließlich Zentralfakturierung und mehr. Neben den klassischen Räder- und Reifenservicedienstleistungen erwarten die Flottenbetreiber auch einen gewissen Anteil von Kfz-Service sowie andere Dienstleistungen, wie zum Beispiel Führerscheinkontrolle. Die Reifenservicebetriebe müssen sich dieser Aufgabenfelder annehmen, um den Service aus einer Hand bieten zu können. Das Flotten- und Leasinggeschäft macht mittlerweile rund 17,5 Prozent des gesamten Ersatzgeschäftes im Segment Pkw aus.

Welche Rolle spielt hier der Ganzjahresreifen? Lohnt sich dieser überhaupt für Flotten?

Drechsler: Trotz jährlichen Wachstums im Segment AllSeason spielt dieser noch keine entscheidende Rolle. Die generelle Empfehlung des BRV zur Verwendung von Sommerreifen im Sommer und Winterreifen im Winter schließt den Einsatz des Ganzjahresreifens nicht aus. Sinnvoll ist aus Sicht des BRV der Ganzjahresreifen für Klein- und Kompaktwagen mit relativ geringer Motorisierung und niedriger Kilometerlaufleistung, die vornehmlich in Ballungsgebieten und Großstädten bewegt werden, inklusive Verteilerfahrzeugen in diesen Regionen. Die aktuellen Reifentests zeigen eindeutig, dass die Qualität des Ganzjahresreifens zwar stetig besser wird, aber noch lange nicht an die Spezialisten heranreicht. In einem dieser Tests lag die Performance des besten Ganzjahresreifens 27 Prozent unter dem Sommerreifentestsieger, der sogar vom gleichen Hersteller stammte. Ebenso lag der Ganzjahresreifentestsieger noch fünf Prozent unter der Performance des schlechtesten Sommerreifens.

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