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Student entwickelt Lkw-Plane gegen Diebstahl

Alarmplane mit 110 dB

Alarmplane

Diebe stehlen Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro – diese Zahl lässt aufhorchen. So groß ist laut einer jetzt erstmals erstellten Berechnung mehrerer Wirtschaftsverbände das Ausmaß der Ladungsdiebstähle in Deutschland. Demnach werden jährlich Ladungen von nahezu 26.000 Lkw gestohlen – ein Großteil auch durch das weiter sehr beliebte Planenschlitzen. Abhilfe schaffen will Andreas Gießler mit seiner Alarmplane.

Immer die gleiche Methodik

Der Student für Transportwesen und Logistik an der Universität Bremerhaven hatte er vor etwas mehr als einem Jahr bei einer Vortragsveranstaltung zum Riskmanagement in der Logistik von der Größe der Problematik gehört. "Wirklich alle Referenten haben von der immer gleichen Vorgehensweise erzählt", sagt er gegenüber trans aktuell: Mit einem Cuttermesser schneiden die Diebe blitzschnell die Planen auf und bedienen sich aus dem Fahrzeug – teilweise sogar, während der Fahrer sich in seiner Kabine aufhält. Gießler machte sich Gedanken über ein nachrüstbares und erschwingliches System und ersann eine Lösung, die er inzwischen unter dem Namen Alarmplane vertreibt.

Alarmanlage mit 110 dB

Das Besondere: Auf die Plane sind Leistungsdrähte aus einem Kevlar-ähnlichen Material aufgestickt, die mit einer Alarmbox verbunden sind. Wird einer dieser Drähte zerschnitten, ertönt ein Alarmsignal, "mit 110 Dezibel Lautstärke das maximal erlaubte für eine Alarmanlage", sagt Gießler.
Die Plane funktioniert unabhängig vom Bordnetz des Lkw durch eine eigene Stromversorgung. Laut Gießler ist in der Steuerbox ein Microcontroller eingebaut, zudem wurde eine eigene Software für das System geschrieben, sodass der Stromverbrauch minimal ist: Zwei neun Volt-Batterien sorgen für Saft. Rechnerisch müssten die mehrere Jahre halten, aber Gießler rät seinen Kunden, die Leistung alle zwölf Monate zu überprüfen. Die Box ist im Laderaum an der Plane befestigt, kann von außen nicht gesehen und laut Gießler auch aufgrund von nicht vorhandenen Schnittstellen nicht manipuliert werden.

Kettenhemd für die Fracht

Auch die Drähte können von außen nicht gesehen werden, da die Alarmplane unter der normalen Plane angebracht wird – quasi wie ein Kettenhemd unter der Ritterrüstung. Die Alarmplane besteht dem Entwickler zufolge bewusst aus mehreren vorkonfektionierten Segmenten, elf pro Aufliegerseite. Einerseits können diese dadurch nachträglich in vorhandene Fahrzeuge eingebaut werden, andererseits erleichtert dies die Montage der Plane. Die Teile sind aus PVC hergestellt und können einfach miteinander verschweißt werden, ohne schädlichen Industriekleber. Laut Gießler kann ein Mitarbeiter die Montage in ungefähr 90 Minuten erledigen. Danach ist sie für rund 36 Monate wartungsfrei verwendbar.

Hohe Wahrscheinlichkeit für Ladungsklau

Dass der Student, der vor dem Studium eine Ausbildung als Speditionskaufmann abgeschlossen hat, mit seinem System den Bedürfnissen der Lkw-Halter nachkommt, zeigen die Zahlen des Eingangs erwähnten Berichts. Demnach hat ein Lkw, der 300 Touren im Jahr absolviert, eine Wahrscheinlichkeit von 3,7 Prozent, einmal von einem Ladungsdiebstahl betroffen zu sein. Keiner möchte zugeben, dass ihm so etwas passiert ist. Als Vorsorgemaßnahme setzen die Kunden stattdessen auf die Alarmplane, die bei einem Preis von unter 2.000 Euro laut Gießler allein durch einen verhinderten Ladungsdiebstahl "sich von alleine refinanziert." Zudem ist die Alarmplane De-minimis-förderfähig. Zu guter Letzt reagieren laut Gießler auch die ersten Transportversicherungen auf die Umrüstung durch Pauschalnachlässe.

Lösungen der Trailerhersteller

Kögel: Anti-Vandalismusplanen (Stahlseil in Plane) in unterschiedlichen Ausführungen, unter anderem auch als Dachplane. Der Mehrpreis für die Seitenplane variiert ja nach Fahrzeugtyp, Aufbau und Rasterung und beträgt nach Herstellerangaben durchschnittlich rund 300 Euro netto.

Krone: Zwei Varianten: Krone Standard Diebstahlschutzplane mit aufgeschweißtem Drahtnetz mit den Maschengrößen 150 beziehungsweise 200 Millimetern sowie Krone Sio Steel Diebstahlschutzplane mit eingewebten flachen Stahlbändern auf der Innenseite der Plane. Bei beiden reicht der Schutz rund 1.800 Millimeter hoch.

Schmitz Cargobull: Schiebeplane mit Diebstahlschutz für alle Sattelcurtainsider. An der Innenseite der Seitenplane ist bis rund 1.800 Millimeter hoch ein dünnes Drahtgewebe angebracht, das mutwilliges Zerschneiden verhindert. An der Außenseite der Plane ist das Drahtgewebe zu erkennen und hat somit eine abschreckende Wirkung. Laut Schmitz Cargobull gibt es für diesen Diebstahlschutz von einigen Versicherungen eine Reduzierung der Prämie.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
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