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Russland- und Osteuropa-Verkehre

Portrait: Spediteur Michael Rubinstein

Foto: Andrea Ertl

Michael Rubinstein lernte seinen Beruf von der Pike auf. Er profitiert von seinem Wissen zu Zollbestimmungen und interkulturellen Unterschieden.

Hellwach sitzt Spediteur ­Michael Rubinstein einem gegenüber, was schon allein deswegen bemerkenswert ist, weil er erst vor drei Monaten Vater von Zwillingen geworden ist; sein Sohn ist dreieinhalb Jahre alt. „Die Nächte sind kurz“, gibt er zu, doch das scheint sein berufliches Engagement nicht zu schmälern.

Im Gespräch berichtet Rubinstein über seine Arbeit als Spediteur, bei der er sich mit seiner Firma M & V Logistik mit Sitz in Stuttgart auf Verkehre nach Russland und Osteuropa spezialisiert hat. Und hier vor allem in der Königsdisziplin mit aufwendigen Transporten nach Russland – oft mit hohem Gewicht, besonderen Abmessungen oder als Konvoi verteilt auf mehrere Fahrzeuge. Doch genauso gut sind bei ihm Transporte von Sammelgut, temperaturgeführten Waren oder Vollladungen aufgehoben.

Stolz berichtet er von einem Projekt, für das es galt, Glasscheiben für den Bau des höchsten Gebäudes Europas, des Lakhta Centers, nach Sankt Petersburg zu bringen. Oder von einem Auftrag, bei dem er zehn Turmkräne für eine Baustelle in die Türkei transportierte, wo eine russische Firma ein Atomkraftwerk erstellte. Organisatorisches Geschick und viel Vorarbeit waren dafür nötig, denn die Kräne wurden in einzelnen Teilen auf insgesamt rund 270 Lkw verteilt transportiert. Die Lkw mussten in der richtigen Reihenfolge zur Zollabfertigung bereitstehen, um allzu lange Wartezeiten oder allzu hohe Gebühren zu vermeiden. Deswegen waren auch während des Transports ständig Überprüfungen und Änderungen nötig, damit alles zur rechten Zeit am richtigen Ort war.

Bei seiner tägli­chen Arbeit profitiert Michael ­Rubinstein nicht zuletzt von seinen guten Sprachkenntnissen, seiner Erfahrung mit den Behörden vor Ort und von seinem Wissen um die kulturellen Verschiedenheiten der Menschen in Europa und Russland. Doch trotz seines detaillierten Wissens um die globalen wirtschaftlichen Entwicklungen kann der Spediteur nicht verhindern, dass diese seine Arbeit, seinen Erfolg und somit auch seinen privaten Alltag beeinflussen.

Mit nur einer Reisetasche für sein Gepäck war der damals 27-jährige Michael Rubinstein im Oktober 1997 von Russland nach Deutschland gekommen. Der Umbruch in den 90er-Jahren und die folgende Unsicherheit in seinem Heimatland hätten seinen Vater damals dazu bewogen, ihn allein nach Deutschland zu schicken, um hier Fuß zu fassen. Nach dreitägiger Busfahrt von Moskau nach Deutschland kam Rubinstein zunächst in einem Wohnheim in Stuttgart unter. Er absolvierte einen Sprachkurs und schrieb danach zur Übung täglich Artikel aus der Tageszeitung ab und übersetzte sie. Mit Logistik hatte Rubinstein schon in Russland zu tun gehabt: Gemeinsam mit seinem Vater hatte er ein Transportunternehmen mit eigenen Lkw betrieben und war acht Jahre im Militärdienst tätig gewesen.

Foto: Michael Rubinstein
Vorbereitungen für eine lange Reise: Stromwandler für Gasfelder in Sibirien.

In Deutschland legte er die IHK-Prüfung zum Berufskraftfahrer ab und war zunächst bei einer Umzugsspedition tätig. Danach lenkte Rubinstein einen Tank­wagen für einen Schmierstoffhersteller. Als dieses Unternehmen verkauft wurde, machte er sich auf die Suche nach einer Bürotätigkeit. Eine Spedition stellte ihn ein, er war dort für Disposition und Organisation zuständig – der Chef ein Russe, der Prokurist Deutscher. Schon eineinhalb Jahre später wurde er Abteilungsleiter, verantwortlich für das Polen- und Russland­geschäft. Doch das Unternehmen ging pleite, und weil er bereits seit 2000 im Neben­erwerb selbstständig war, entschloss er sich, dies auch hauptberuflich zu tun. Er spezialisierte sich auf gekühlte ­Gefahrguttransporte, beispielsweise Klebstoffe. Damit habe er 2003 so viel zu tun gehabt, dass er Anfragen ablehnen musste, sagt er. Schließlich mietete er ein Büro in Stuttgart direkt am Hafen. „Mit zwei Fahrern schaffe ich einen Transport nach Russland in nur vier Tagen“, erzählt er stolz.

Als Ausgleich zu seiner Arbeit macht Rubinstein gern Sport. Er fährt oft mit dem Fahrrad ins Büro und hat sich vorgenommen, wieder mehr schwimmen zu gehen, sobald die Kinder größer sind. „In der Schule war ich früher Leistungsschwimmer, ich bin damals regelmäßig sieben oder acht Kilometer geschwommen“, berichtet er. Und: „Ich liebe das Wasser, da kann ich von meiner Büroarbeit abschalten.“

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