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Nutzfahrzeugmesse in Hannover IAA der Innovationen​

Foto: foto.text/RICHARD KIENBERGER

In Hannover hat die Messe IAA Transportation ihre Türen geöffnet. Auf dem Programm: zahlreiche Premieren von Elektro- und Wasserstoff-Lkw.

Die Transport- und Logistikbranche muss ihre CO2-Emissionen schnell und deutlich reduzieren. Zur IAA Nutzfahrzeuge 2018 steckten die dafür nötigen Mobilitätslösungen noch in den Kinderschuhen. Zur diesjährigen Auflage der nun als IAA Transportation firmierenden Messe sind entsprechende Lösungen greifbar und für eine Vielzahl an Transportaufgaben geeignet. Und für Flottenbetreiber besonders wichtig: Die Fahrzeuge sind bestellbar und teilweise bereits in der Serienproduktion. Viel hat sich in den vergangenen vier Jahren also auf der Angebotsseite getan. Eindrucksvoll zeigen die 1.402 Aussteller aus 42 Ländern noch bis Sonntag, 25. September, welche Innovationssprünge sie seitdem gemacht haben.

Daimler Truck präsentiert eActros LongHaul

Beispiel Daimler Truck: 2018 zeigte das Unternehmen seinen batterieelektrischen (BEV) Verteiler-Lkw eActros als Prototypen. Seit Oktober vorigen Jahres laufen die Fahrzeuge in Wörth vom Band. Je nach Größe des Batteriepacks sind bis zu 400 Kilometer Reichweite möglich – eine Verdopplung gegenüber den Prototypen. Auch das Entsorgungsfahrzeug eEconic ging dieses Jahr in Wörth als BEV-Variante an den Start. Auf dem eActros 300 baut ein neues auf der IAA vorgestelltes Modell auf – eine Sattelzugmaschine für den schweren Verteilerverkehr. Mithilfe von drei Batteriepaketen mit je 112 kWh sind Reichweiten von bis zu 220 Kilometern möglich. Die Schlepper sollen in der zweiten Jahreshälfte 2023 in Serie gehen.

Highlight auf dem Messestand aber ist ein Statement, das Daimler Truck mit Blick auf den Fernverkehr abgibt: Der schwere eActros LongHaul mit Reichweiten von bis zu 500 Kilometern soll seinem Diesel-Pendant in Sachen Zuverlässigkeit in nichts nachstehen und 2024 auf die Straße kommen. Die Haltbarkeit der Batterien ist auf zehn Jahre beziehungsweise 1,2 Millionen Kilometer ausgelegt (siehe Bericht auf Seite 14). Das sei auch eine Antwort auf die Anforderungen der Kunden, sagte Mercedes-Benz Lkw-Chefin Karin Rådström. Viele Kunden zögerten, auf die E-Mobilität umzusteigen, weil sie besorgt um die Reichweite und die Zuverlässigkeit seien und sie vor der hohen Anfangsinvestition zurückschreckten.

Abkehr vom Diesel

2024 will auch der Wettbewerber aus München BEV-Zugmaschinen in Serie produzieren. Anders als die Kollegen von Daimler Truck, die zweigleisig fahren und mit Batterien und Brennstoffzellen planen, fokussiert sich MAN auf den Batterieantrieb – auch im Fernverkehr. Durch das geplante Megawatt-Laden sei es möglich, schwere Elektro-Lkw von 20 auf 80 Prozent in weniger als einer Stunde zu laden, betonte MAN-Vorstandschef Alexander Vlaskamp. Er bekräftigte seine Skepsis gegenüber dem Wasserstoff-Antrieb: Der Wirkungsgrad lasse zu wünschen übrig, und grüner Wasserstoff sei knapp. Auch Scania wendet sich vom Diesel ab und will 2030 jedes zweite Fahrzeug mit batterieelektrischem Antrieb ausliefern. „Das ist nicht nur ein Ziel, sondern absolut notwendig, um die Pariser Klimaziele zu erreichen“, sagte Traton-Vorstandschef Christian Levin, der in Personalunion auch die Geschäfte von Scania lenkt (siehe Interview auf Seite 3).

Nikola Tre als BEV- und FCEV-Variante

Iveco nutzt die IAA ebenfalls für Fahrzeugpremieren, darunter den ersten eDaily FCEV (mit Brennstoffzellenantrieb) und den eDaily BEV, aber auch für Ankündigungen: etwa zu einer Neugründung des Unternehmens Gate (Green Advanced Transport Ecosystem). Damit bietet Iveco künftig ein All-inclusive-Vermietungsmodell für elektrische Lkw und Transporter an, das erstmals Mitte 2023 mit Pilotkunden in Italien startet. Für den Schwerverkehr bietet Iveco-Partner Nikola auf dem Iveco-Stand den Tre als BEV-Variante (siehe auch Bericht auf Seite 13) sowie als FCEV-Ausführung an, Letztere noch als Prototyp (in Beta-Version). Beide Ausstellungsstücke sind auf die Märkte in Europa zugeschnitten und eigenständig gestaltet. Für den batterieelektrischen Nikola Tre in europäischer 4x2-Spezifikationen sind seit der Messe Bestellungen möglich. Die Fahrzeuge verfügen über jeweils neun Batterien mit Gesamt-Energie-Speicherleistungen von bis zu 738 kWh. Möglich sind nach Firmenangaben damit Reichweiten von rund 530 Kilometern. Bereits 2024 soll die 6x2-Brennstoffzellen-Variante des Tre folgen; sie fasst 70 Kilogramm Wasserstoff, die für 800 Kilometer reichen.

„Die emissionsfreien Nikola Tre Lkw sind echte Game-Changer im gewerblichen Lkw-Transport“, sagte Michael Lohscheller, Präsident der Nikola Corporation. Sie seien in puncto Leistung und Fahrerlebnis selbst bei den härtesten und schwersten Einsätzen ihren Diesel-Konkurrenten ebenbürtig.

ZF präsentiert neuen elektrischen Zentralantrieb

Entwicklungssprünge haben seit der vergangenen IAA auch die Zulieferer gemacht. Die Meilensteine seit 2018 zeigte Wilhelm Rehm auf, Vorstandsmitglied von ZF – darunter die Integration von Wabco und die Neugründung der ZF-Division Commercial Vehicle Solutions (CVS). Das Ergebnis sei ein One-Stop-Shop für Systemlösungen in der globalen Nutzfahrzeugwelt. Die strategische Akquisition habe sich ausgezahlt, ZF sei jetzt der weltweit größte Nutzfahrzeug-Zulieferer, sagte Rehm.

Auf der Messe 2022 präsentiert das Unternehmen den neuen elektrischen Zentralantrieb für schwere Nutzfahrzeuge CeTrax 2: Die Vorstellung ist gleichzeitig der Start der Serienproduktion – ab Anfang 2023 wird Fahrzeughersteller DAF mit dem CeTrax 2 beliefert. Der Antrieb verfügt über zwei ölgekühlte E-Motoren, zwei integrierte Wechselrichter auf 800-Volt-Siliziumkarbid-Basis (SiC) sowie ein lastschaltfähiges Dreiganggetriebe.

Bosch bei allen Antriebsarten aktiv

Eine Zeitenwende sieht auch der Stuttgarter Zulieferer Bosch für den Güterverkehr; für Lkw gebe es gleich mehrere Antriebsalternativen für morgen: Elektrobatterie, Brennstoffzelle und Wasserstoffmotor. Bosch ist laut Dr. Markus Heyn, Vorsitzender des Bereichs Bosch Mobility Solutions, in der Entwicklung aller Antriebe aktiv und präsentiert seine Entwicklungen auf der IAA Transportation: „Unser Ziel sind Lastwagen, die dem Klima nicht mehr zur Last fallen.“ Bis 2025 sieht Bosch den Dieselanteil global noch bei 80 Prozent; ab 2035 werde mehr als jedes zweites neue Nutzfahrzeug dann elektrisch angetrieben, entweder batterieelektrisch oder wasserstoffbasiert.

„Wir arbeiten über die Motorhaube hinaus an der Wirtschaftlichkeit des Güterverkehrs“, sagte Heyn mit Hinweis auf weitere Angebote von Bosch, etwa zum Thema autonomes Fahren oder einer neuen, mit Amazon Web Services (AWS) betriebenen Software-Plattform für Transport- und Logistikunternehmen. Deren Herzstück wird ein Marktplatz für digitale Services verschiedenster Anbieter sein.

1.402 Aussteller aus 42 Ländern

  • Produkte und Lösungen von 1.402 Ausstellern aus 42 Ländern gibt es bis 25. September auf der IAA Transportation zu sehen.
  • Der erste Eindruck von VDA-Präsidentin Hildegard Müller: „Die IAA Transportation zeigt die enorme Innovationskraft und Leistungsfähigkeit der Unternehmen. In den vergangenen Jahren hat sich unendlich viel getan – bei den alternativen Antrieben, bei den digitalen Lösungen genauso wie bei Konzepten und nachhaltigen Ansätzen für die Last Mile.“
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