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Logistik am Limit in Italien

Wie Codognotto die Corona-Krise meistert

Foto: Codognotto Group

Logistik in Zeiten der Corona-Krise und in der absoluten Ausnahmesituation. Wie die italienische Spedition Codognotto aus Venetien die Herausforderungen meistert, erläutert der Chef des Business Developments, Matteo Codognotto, im Interview mit der Fachzeitschrift trans aktuell.

trans aktuell: Herr Codognotto, wie beurteilen Sie die Situation in Italien?

Codognotto: Italien ist anderen europäischen Ländern nur wenige Tage voraus, aber wir leben in einer extrem vernetzten Welt. Ich hoffe, dass andere Länder aus dem lernen, was wir zum Guten oder zum Schlechten getan haben. Das, was ich am meisten schätze, ist die Fähigkeit der Menschen trotz aller Schwierigkeiten, zusammen zu halten und zusammenzuarbeiten.

Was bedeutet die Ausgangssperre in Italien für Ihre Region Venetien?

Menschliche Kontakte und das gesellschaftliche Leben sind Teil der italienischen Kultur, entsprechend hart sind wir getroffen. Insbesondere Venetien hat eine sehr starke Arbeitskultur und die Zusammenarbeit wird als Wert an sich angesehen. Ist das nicht mehr gegeben, wirkt sich auf das Leben aller und auf die Gesellschaftskultur unserer Region aus.

Sind einige Ihrer Mitarbeiter mit dem Virus infiziert?

Wir haben mehr als tausend Mitarbeiter, aber noch keinen Infektionsfall. Wir hatten großes Glück, waren aber auch gut darin, sofort in die Desinfektion von Umgebungen und Verhaltensregeln einzugreifen.

Arbeiten Ihre Mitarbeiter noch im Büro oder von zu Hause aus?

Wir haben sowohl Leute, die von zu Hause aus arbeiten, als auch Leute im Büro. Der erste Wechsel ins Homeoffice wurde durchgeführt, um die Mindestabstände einzuhalten. Glücklicherweise sind wir in der Lage, Smart Working-Lösungen anzubieten.

Wie hat sich der Transportbedarf aufgrund des Corona-Virus verringert?

Wenn es Marktkrisen gibt, bekommt der Transportsektor sie sofort zu spüren. Das hat sich erneut bewahrheitet. Derzeit können in Italien nur Grundnahrungsmittel gekauft werden. Dies bedeutet, dass der Rest der Wirtschaft feststeckt. Kaufen die Leute nicht, reisen die Waren nicht. Glücklicherweise haben wir hervorragende Fahrer und intermodale Lösungen aktiviert, die nicht unter den Auswirkungen der Schengen-Aussetzung leiden.

Foto: Codognotto Group
Matteo Codognotto leitet das Business Development bei der Codognotto Group. Er hofft, das andere Länder im Kampf gegen Corona die Erfahrungen aus Italien nutzen.
Wie stark ist die Nachfrage in Ihrem Unternehmen zurückgegangen?

Das lässt sich schwer beziffern. Wir leben von Tag zu Tag. In den vergangenen zehn Jahren sind wir immer um zehn Prozent gewachsen.

Welche Produkte sind besonders betroffen?

Unser Umsatz verteilt sich über mehrere Sektoren. Dies garantiert uns Stabilität trotz des unsicheren Umfelds. Es gibt einige Sektoren, die wie die Konsumgüterbranche wachsen, während offensichtlich der klassische Verbrauchersektor mit Möbeln oder Haushaltsgeräten zurückgeht.

Müssen Sie Fahrzeuge auf dem Hof lassen oder ist die Flotte noch unterwegs?

Im Moment fahren alle unsere Fahrzeuge, doch die Marktsituation ändert ich von Tag zu Tag. Unsere lokalen Fahrer unterstützen unsere Kunden nach Kräften und es bleibt ihnen erlaubt, die Waren in der Region auszuliefern, ebenso wie sie auch die Sattelauflieger und Container abholen und ausliefern, die mit unseren intermodalen Verkehren aus Großbritannien, Polen, Frankreich und Deutschland auf der Schiene oder aus Spanien mit dem Schiff ankommen. Die Sicherheitsbestimmungen sehen vor, dass Fahrer nicht aus ihren Fahrzeugen aussteigen dürfen, um keinen Risiken ausgesetzt zu sein. Der Schutz der Menschen muss oberste Priorität haben. Ich denke, wir müssen uns alle tausendmal bei den Fahrern für das bedanken, was sie tun.

Foto: Codognotto Group/Roland Beier
Company Train der Codognotto Group: Das Unternehmen ist sehr stark im Intermodalverkehr tätig, der bislang noch sehr stabil läuft.
Ist der Lkw-Verkehr in Italien frei von Reiseverboten?

Der Güterverkehr ist frei von Einschränkungen. Es könnte nicht anders sein. Wenn das nicht mehr gegeben wäre, würde es die Wirtschaft zum Erliegen können und die Menschen könnten ihren Grundbedarf nicht mehr tätigen.

Was sagen Sie zu den wieder eingeführten Grenzkontrollen, zum Beispiel in Österreich?

Jede in Europa getroffene Entscheidung muss von den europäischen Ländern gemeinsam getroffen werden. Angesichts einer Krise ist es notwendig, gemeinsam zu reagieren und nicht von jedem auf unterschiedliche Weise. Die Staaten sollten sich darauf einigen, bevorzugte Fahrspuren für Fahrer zu schaffen und keine Barrikaden zu bauen.

Denken Sie, dass genug getan wurde, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern?

Die Daten werden es uns sagen. Italien ist das erste europäische Land, das diesem Phänomen ausgesetzt ist. Ich denke, wir haben wichtige Schritte unternommen, aber ich hoffe, dass andere Länder besser abschneiden als wir, indem sie sich auf unsere Erfahrungen verlassen. Die erste Aktion bestand darin, einige Regionen zu isolieren, dann umfasste die Blockade ganz Italien. Die Verluste, die unser Land hatte, waren zahlreich und wir sind noch nicht am Ende.

Zur Person

Matteo Codognotto ist 38 Jahre alt und seit vielen Jahren im Familienunternehmen tätig. Er sammelte Erfahrungen in unterschiedlichen Abteilungen und in verschiedenen Ländern. Der Chef des Business Developments bei Codognotto hat einen MBA-Abschluss in Triest, verfügt aber auch über einen Lkw-Führschein.

Zum Unternehmen

Der italienische Logistikdienstleister Codognotto ist mit 50 Niederlassungen in 20 Ländern tätig. 2019 setzte er 330 Millionen Euro um. Die drei Geschäftsbereiche sind: Logistik und Vertrieb, Komplettladungen und Intermodal sowie Luft- und Seefracht. Deutschland ist für Codognotto der wichtigste Logistikmarkt in Europa, das Unternehmen unterhält ein Büro in Düsseldorf. Firmenchef ist Maurizio Codognotto, Sohn des Gründers Attilio Codognotto.

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