Leverkusener Brücke Der Brückenbau zu Köln

Jan Bergrath
Meinung

Nach dem Baustopp der Leverkusener Brücke im April 2020 auf Grund von schlechtem Stahl aus China liegt der Neubau der wichtigen Verbindung der A1 über den Rhein mit Stahl aus Europa wieder im Plan.

Der desolate Zustand der deutschen Infrastruktur ist bekannt. Viele alte Brücken aus den 60er- und 70er-Jahren sind auch auf Grund ihrer damaligen Bauart und mangelnder Instandhaltung mittlerweile marode. So wie auf der A1 bei Köln: Bis zur Errichtung einer Schrankenanlage für Lkw über 3,5 Tonnen ab dem Jahr 2016 war die Zahl der täglich über die Leverkusener Brücke rollenden Fahrzeuge auf 120.000 angewachsen, darunter 14.000 Lkw. Bereits 1984 wurden auf der Brücke weitere Spuren markiert, weshalb allerdings die Lasten nicht mehr optimal verteilt waren – mehr Lkw, mehr Gewicht.

Ausgerechnet die schweren Lkw, von denen eine Achse 10.000 Mal so viel Schaden verursacht wie die eines Pkw, fuhren auf der äußersten Seite der Brücke. Schon seit 2012 ist das Bauwerk in einem kritischen Zustand. Die sogenannte Schrägseilbrücke besteht aus einer Hohlkastenkonstruktion, die von insgesamt acht Stahlseilen an zwei Pylonen abgespannt ist. Ständige Schweißarbeiten sollten die Brücke bis zur geplanten Eröffnung des ersten Neubaus in Fahrtrichtung Trier im Jahr 2021 am Leben halten. „Nun müssen wir neben dem Neubau gleichzeitig noch weitere zwei Jahre lang die alte Brücke für den Verkehr am Leben erhalten“, erzählte mir Projektleiter Thomas Müller von der Autobahn GmbH für meinen Blog-Beitrag „Bauen im Bestand“ im Juni letzten Jahres. Dort sind auch die Hintergründe zu lesen, warum die damals zuständige Landesgesellschaft StraßenNRW unter Verkehrsminister Henrik Wüst im April 2020 den Vertrag mit dem Baukonzern PORR aus Österreich kündigte.

Stahl aus vier europäischen Werken

Eine neue Arbeitsgemeinschaft (ARGE) hat nun unter Führung der Hochtief Infrastructure aus Essen das Projekt übernommen. Die Verantwortung für den Stahlbau liegt bei der SEH Engineering GmbH aus Hannover. Begonnen hat die ARGE auf der rechtsrheinischen Seite. Seit dem 15. September 2021 brachten Lkw-Schwertransporte die einzelnen Elemente für das erste Teilstück aus den vier europäischen Werken von SEH aus Hannover, Max Bögl aus Sengenthal, Iemants aus Belgien und Eiffage Métal aus Frankreich.

Jan Bergrath
Nicole Ritterbusch leitet den Geschäftsbereich Rheinbrücken der Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Rheinland.

Im Trailer zur 82. Sendung von FERNFAHRER live am 5. Mai erzählt die „Chefin“ der acht rheinischen Rheinbrücken, Nicole Ritterbusch, in Wort und Bild, wie das Einfahren der fertig montierten Stahlteile mit einer Gesamtlänge von 66 Metern, einer Gesamtbreite von 34,6 Metern und einem Gesamtgewicht von 1.115 Tonnen mittels Schwerlasttransportmodulen am 5. März erfolgte. Seit Anfang 2021 leitet die Stahlbauingenieurin Ritterbusch den Geschäftsbereich Rheinbrücken der Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Rheinland. Hier werden die Überwachung der Bestandsbrücken sowie Planung und Bau der Ersatzneubauten für Autobahn-Rheinbrücken in Nordrhein-Westfalen gebündelt.

Fertige Hohlkästen per Kran auf die Vorlandbrücke

Seit Ende April diesen Jahres werden nun auf der linksrheinischen, der Kölner Seite der Brücke, jeweils zwei von insgesamt 80 kompletten Hohlkästen inklusive der Seilkonsolen mit 160 bis zu 250 Tonnen Gesamtgewicht direkt per Schiff zur Baustelle angeliefert, per Raupenkran (Typ Liebherr LR 1700) auf die Vorlandbrücke für die Strombrücke gehoben und dort dann mit den Querträgern als stählerne Grundlage für die spätere Fahrbahn montiert – also vom Widerlager der bereits fertigen vierspurigen A1 bei Merkenich bis zum Ufer des Rheins. Bis Ende 2023 soll die neue Brücke als „zweihüftiges Schrägseilbrückensystem“ Richtung Trier fertig sein und dann auch für den Schwerverkehr freigegeben werden. Danach erfolgen der zügige Abriss der alten Bestandsbrücke und der Neubau der Brücke Richtung Dortmund bis 2027. „Brücken sind für mich einfach die tollsten Bauwerke“, sagt Ritterbusch, „und den Verkehr über Hindernisse zu bringen, ist für mich persönlich eine großartige Aufgabe.“

Terminhinweis

In der 82. Sendung von FERNFAHRER live am 5. Mai 2022 ab 17.00 Uhr stellt Ritterbusch die aktuellen Bauarbeiten an der Leverkusener Brücke und das Gesamtkonzept bis Ende 2027 vor. Dabei diskutiert sie mit dem Transportunternehmer Willi Kellershohn aus Lindlar sowie den regional ansässigen Fahrern Juliane Ritter, Lars Borck und Jan Gaede auch die Auswirkungen von fehlenden Brücken besonders auch für den nationalen und internationalen Straßengüterverkehr.

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