Neubau Leverkusener Brücke Eine Frage des richtigen Stahls

brücke, baustelle, leverkusen, leverkusener brücke, neubau Foto: Jan Bergrath 7 Bilder

Mangelhafter Stahl aus China beendete im April 2020 abrupt den Neubau der Leverkusener Brücke. Seit September 2021 geht es dort endlich weiter mit Stahl aus Belgien, Deutschland und Frankreich.

Deutschland hat ein Brückenproblem. Die plötzliche Sperrung der Rahmedetalbrücke der Sauerlandlinie der A 45 bei Lüdenscheid Anfang Dezember 2021 hat das gesamte Desaster offengelegt. Jetzt muss sich die seit Januar 2021 zuständige Autobahn GmbH, die nun dem neuen Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) unter Leitung des FDP-Ministers Volker Wissing unterstellt ist, mit den Problemen der maroden Brücken aus den 60er- und 70er-Jahren befassen. Sie halten dem heutigen Schwerlastverkehr längst nicht mehr stand. Mehr als zehn Prozent der 27.000 deutschen Autobahnbrücken seien in einem kritischen Zustand, hatte die Autobahn GmbH bereits Mitte 2021 gewarnt.

Auch die Leverkusener Brücke zählt zu diesen Bauwerken. Bis zur Errichtung einer Schrankenanlage für Lkw über 3,5 Tonnen im Jahr 2016 war die Zahl der täglich darüberrollenden Fahrzeuge auf 120.000 angewachsen, darunter 14.000 Lkw. Bereits 1984 waren auf der Brücke weitere Spuren markiert worden, weshalb allerdings die Lasten nicht mehr optimal verteilt waren, also mehr Lkw, mehr Gewicht. Seither wird sie immer wieder durch Schweißarbeiten an den Hohlkästen für den Pkw-Verkehr aufrechterhalten. Anfang Januar 2022 wurde bekannt: Lkw-Fahrer, die verbotenerweise weiter über die Leverkusener Brücke fahren wollten, hatten 2021 die Stadtkassen von Köln und Leverkusen klingeln lassen. Leverkusen verhängte bis Ende November mehr als 6.500 Bußgeldbescheide gegen Lkw-Fahrer, die das Durchfahrtsverbot missachtet hatten. Köln leitete knapp 5.200 Bußgeldverfahren ein. Eigentlich hätte der erste Teil der neuen, doppelten Rheinbrücke bereits Ende 2021 für den Verkehr freigegeben werden sollen. Doch der damalige Generalunternehmer aus Österreich wollte Stahl aus China verbauen, der sich bei der Ankunft der ersten Träger in Deutschland als mangelhaft erwies. Die gesamte Reportage zu diesem Skandal findet sich im Beitrag "Bauen im Bestand". Wer für den Schaden aufkommt, wird noch geklärt.

Mittlerweile führt die Hochtief Infrastructure GmbH aus Essen eine neue Arbeitsgemeinschaft (Arge), die SEH Engineering GmbH aus Hannover ist unter Bauleiter Bernd Thauern für den Stahlbau vor Ort verantwortlich. Bis 2027 sollen nun unter seiner Regie die beiden "zweihüftigen Schrägseilbrücken mit Pylonen in A-Form" endlich vollendet sein. "Die Gesamtlänge zwischen den Endauflagern beträgt dann 1.068 Meter, die Brückenfläche rund 70.000 Quadratmeter, die größte Spannweite ist 280 Meter, die Pylonhöhe über der Fahrbahn 55 Meter", sagt Thauern.Der Stahl kommt jetzt aus vier europäischen Werken: von SEH aus Hannover, Max Bögl aus Sengenthal, Iemants aus Belgien und Eiffage Métal aus Frankreich. Für die erste Brücke der A 1 in Fahrtrichtung Trier kamen von Mitte September bis Ende November die einzelnen Stahlträger für das erste Teilstück, intern auch "Schuss" genannt. "Das längste Bauteil war der Hauptträger von Schuss 1 mit einer Länge von 27,7 Metern und einer Tonnage von 81 Tonnen aus unserem Werk von SEH in Hannover", sagt Thauern. "Von Max Bögl kamen die Querträger. Sie haben eine Länge von 24 Metern und eine Tonnage von maximal 61 Tonnen."

Die ersten Stahlträger brachten Matthias Schneider von MG Transporte aus Mehrlsen und Raimo Graf von Scheder Schwertransporte aus Schweinfurt nach einer reibungslosen Nachtfahrt am Mittwoch, dem 15. September auf die rechtsrheinische Baustelle unweit der Brücke, die direkt an der A 59 liegt. Beide Fahrer waren schon ein wenig stolz, mit ihren Transporten daran beteiligt zu sein, "dass es an der Leverkusener Brücke endlich weitergeht", so Schneider. "Das Einfahren der dann fertig montierten Stahlteile mit einer Gesamtlänge von 66 Metern, einer Gesamtbreite von 34,6 Metern und einem Gesamtgewicht von 1.115 Tonnen mittels Schwerlasttransportmodulen wird nach dem letzten Stand vom 4. bis 7. März erfolgen", sagt Thauern. "Dazu wird dann von der Autobahn GmbH auch die A 59 gesperrt werden." Läuft alles zeitlich nach Plan, und danach sieht es laut Angaben der Autobahn GmbH derzeit aus, kann die erste Brücke in Fahrtrichtung Trier Ende 2023 auch für den Schwerverkehr auf zunächst jeweils zwei der vier Fahrspuren endlich freigegeben werden. Erst danach wird die alte Leverkusener Brücke, die bis dahin für die Pkw noch durchhalten muss, für den Neubau der zweiten Brücke abgerissen.

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