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Langzeit-Test mit Erdgas-Lkw von Iveco

Aldi Süd fährt umweltfreundlich

LKW, erdgas, cng, aldi, iveco Foto: Aldi Sued 10 Bilder

Der Lebensmittel-Discounter Aldi Süd startet ein Pilotprojekt mit vier CNG-Lkw von Iveco, die in besonders Feinstaub-belasteten Städten zum Einsatz kommen.

Was haben Luftballons und Lkw gemeinsam? Beide können mit Gas gefüllt sein. Auf diese Ähnlichkeit weist Aldi Süd auf seinen vier neuen Fahrzeugen hin, die ab Juni im Einzugsgebiet von vier Regionalgesellschaften des Unternehmens unterwegs sind. "Normal tanken kann jeder. Wir fahren mit Gas", prangt auf den Seiten. Während die abgebildeten Luftballons jedoch mit Helium gefüllt sein dürften, tanken die Lkw des italienischen Herstellers Iveco Erdgas. Aldi Süd entschied sich laut Andreas Kremer, Leiter Logistikmanagement, unter anderem wegen der Tankstellen-Infrastruktur für die CNG-Variante.

Die Lkw mit Aufliegern von Schmitz Cargobull und von dem Göttinger Karosseriewerk Heinrich Meyer beliefern durchschnittlich fünf bis acht Filialen am Tag in Ballungsräumen mit besonders hohen Stickoxid-Werten (siehe Kasten). "Mit dem Test folgen wir den Richtlinien unserer Klimaschutzpolitik, die vorsieht, dass wir CO2-Emissionen im eigenen Betrieb konsequent einsparen", erklärt Kremer.

Das Pilotprojekt dauert fünf Jahre

Das auf fünf Jahre angelegte Pilotprojekt erweitert den bisherigen Einsatz eines Erdgas-Lkw, der seit 2009 für die Regionalgesellschaft Mönchengladbach fährt. In einem ersten Schritt setzte Aldi Süd laut Kremer auf erneuerbaren Diesel auf HVO-Basis (hydriertes Pflanzenöl), geht mit den alternativen Antrieben nun aber einen Schritt weiter. Neben Erdgas als Antriebsform tetstet der Discounter ab Herbst mindestens vier Jahre lang einen Elektro-Sattelzug des sächsischen Herstellers Framo im westlichen Ruhrgebiet.

Der Test umweltfreundlicher Lkw, die den rund 400 Diesel-Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark ergänzen, ist aber nur ein Baustein im Nachhaltigkeitsprogramm des Unternehmens. Dem Klimaschutz widmet sich Aldi Süd schon seit Jahren und kann bereits Erfolge vorweisen. Seit Januar 2017 arbeitet der Konzern klimaneutral und präsentierte zuvor einen Maßnahmenkatalog zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen, der zwei Jahre schneller umgesetzt wurde als gefordert. "Außerdem produzieren wir selbst Strom und kaufen grünen Strom hinzu", erklärt Kremer. Wegen des umweltfreundlichen Engagements landete Aldi Süd im April auf dem zweiten Platz bei der Verleihung des BVL-Nachhaltigkeitspreises.

Kühlanlagen von Frigoblock Grosskopf

Und nun also die 400 PS starken Erdgas-Lkw des Modells Iveco Stralis NP, die mit etwa 22 Kilogramm CNG pro 100 Kilometer auskommen. Mit bis zu 130 Kilogramm komprimiertem Erdgas können sie betankt werden. Da die Fahrzeuge sowohl Trockenware als auch Kühlkost transportieren, verfügen sie über Kühlanlagen des Essener Herstellers Frigoblock Grosskopf. "Wir hatten die Wahl zwischen einem Diesel-Aggregat, einem offenen System oder einem elektrischen – alle sind mit einem CNG-Lkw kompatibel", erklärt Kremer. Aldi Süd entschied sich für die elektrische Variante, die der Erdgasmotor des Zugfahrzeugs mit Strom versorgt.

Die Vorteile der damit noch klimafreundlicheren Fahrzeuge veranschaulicht Aldi Süd wie folgt: Die CO2-Emissionen lassen sich im Vergleich zum Diesel-Lkw um etwa 16 Prozent senken, die Testfahrzeuge verursachen 99 Prozent weniger Feinstaub und 70 Prozent weniger Stickoxide, die Kraftstoffkosten belaufen sich auf 20 Prozent weniger und die Test-Fahrzeuge sind drei Dezibel leiser als herkömmliche. Die Lautstärke führt auch Iveco-Pressesprecher Manfred Kuchlmayr als weiteren Vorteil der CNG-Fahrzeuge an: "Lärm ist der neue Feinstaub."

Wenige CNG-Tankstellen eignen sich für Sattelzüge

Die Angst vor Gefahrensituationen versucht er zu nehmen und berichtet von Erdgas-Fahrzeugen, die nach einem Brand und einem Unfallschaden völlig zerstört waren – bis auf den Tank. "Die Fahrzeuge sind sicher." Dennoch schulte Aldi Süd die betreffenden Fahrer im Umgang mit den neuen Fahrzeugen. Eine Herausforderung besteht dagegen beim Betanken. "Nur wenige der bundesweit rund 900 CNG-Tankstellen eignen sich für Sattelzüge, doch wir wollen nicht immer abkoppeln", erklärt Olaf Bockwinkel, Bereichsleiter Logistik der Regionalgesellschaft Butzbach (Hessen), die einen der CNG-Lkw einsetzt.

Darum kooperiere die Regionalgesellschaft Butzbach mit zwei Partner-Tankstellen, die sich für Sattelzüge eignen und hat sie entsprechend in die Tourenplanung eingebunden. "Es kommt auf eine optimale Planung an, denn wir fahren keine Umwege", erklärt Bockwinkel. Genau wie beim gesamten Nachhaltigkeitskonzept des Unternehmens. Denn: Umwege führen meist weniger schnell ans Ziel.

Drei Fragen an…Andreas Kremer, Leiter Logistikmanagement Aldi Süd:
 

eurotransport.de: Herr Kremer, wieso testet Aldi Süd Fahrzeuge mit alternativem Antrieb?

Andreas Kremer: Entsprechend unserer CR-Grundsätze sind wir in der Logistik angehalten, Treibhausgasemissionen kontinuierlich zu senken. Wir haben unsere Touren schon so weit optimiert, dass wir mit den klassischen Diesel-Lkw keine signifikanten Verbesserungen mehr in Sachen CO2-Effizienz erreichen können. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns mit alternativen Antrieben. Zudem sind wir überzeugt, dass es künftig nicht mehr die eine Antriebsart geben wird, sondern einen Mix aus mehreren. Daher testen wir verschiedene. Zum Pilotprojekt zählt neben den Erdgas-Fahrzeugen von Iveco und dem Elektro-Lkw von Framo auch ein Hybrid-Lkw des Herstellers Scania.

Warum hat das Thema Nachhaltigkeit bei Aldi Süd so einen hohen Stellenwert?

Wir sehen es als unsere Selbstverpflichtung an, die Treibhausgase kontinuierlich zu senken und haben daher auch Ende 2015 die Erklärung deutscher Unternehmer zum Pariser Klimaabkommen mitunterzeichnet. Dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg ist nur gegeben, wenn wir uns den Menschen und der Umwelt gegenüber verantwortlich zeigen.

Die Fahrer und Fahrzeuge von Aldi Süd sind vor allem in Städten unterwegs. Haben die Lkw einen Abbiegeassistent verbaut, wie es der Bundesrat nun fordert?

Das zwar nicht, aber unsere vier CNG-Fahrzeuge sind mit einer Umgebungskamera ausgestattet, die die Umgebung des Fahrzeuges abbildet und auch den toten Winkel miteinbezieht.

Die Einsatzgebiete

  • Großraum Düsseldorf: Regionalgesellschaft Langenfeld mit 67 Filialen und 26 Lkw plus ein CNG-Lkw
  • Frankfurt a.M. und nördliches Umland: Regionalgesellschaft Butzbach mit 62 Filialen und zehn Lkw plus ein CNG-Lkw
  • Stuttgart und südliches Umland: Regionalgesellschaft Aichtal mit 78 Filialen und 14 Lkw plus ein CNG-Lkw
  • München und südöstliches Umland: Regionalgesellschaft Ebersberg mit 74 Filialen und elf Lkw plus ein CNG-Lkw


Das Unternehmen

  • Aldi Süd gliedert sich in 30 Regionalgesellschaften in West- und Süddeutschland, die jeweils für etwa 50 bis 70 Filialen verantwortlich sind
  • Insgesamt deutschlandweit rund 1.890 Filialen
  • 43.400 Mitarbeiter in Deutschland
  • Rund 400 eigene Fahrzeuge
  • International in elf Ländern mit mehr als 5.900 Filialen vertreten, rund 138.800 Mitarbeiter weltweit

 

Technische Daten

  • Typ: Iveco Stralis NP
  • Motor: Cursor 9 Motor mir ca. 400 PS
  • Drehmoment: 1.700 Nm
  • Abgasnachbehandlung: Dreiwegekatalysator
  • Automatisiertes Schaltgetriebe: 12-Gang EuroTronic
  • Antriebsart: Heckantrieb
  • Länge (inklusive Auflieger): 16,5 Meter
  • Gesamtgewicht: 16.286 kg leer (Lkw: 7.726 kg, Auflieger: 8.560 kg)
  • Tankvolumen: ca. 130 kg CNG
  • Durchschnittlicher Verbrauch: ca. 22 kg CNG/100 km
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