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Imperial Logistics International

End-to-End-Lösungen für Kunden

Foto: Independent Light GmbH

Imperial Logistics International will sein Angebot auf End-to-End-Lösungen ausweiten, sagen Sandro Knecht und Srecko Mühling im Interview.

trans aktuell: Herr Knecht, Herr Mühling, die Imperial-Tochter Palletways und VTL wollen bis Januar 2020 ihre Netze zusammenlegen. Welcher Gedanke steckt hinter dieser Fusion?

Mühling: Wir erreichen damit im Landverkehr eine größere Flächenabdeckung und eine weitere Möglichkeit zur Kundendiversifizierung. Das entspricht auch unserer Strategie, unseren Kunden eine End-to-End-Lösung anzubieten. Außerdem reduzieren wir Schwankungen in der Netzauslastung, was unseren Systempartnern zugutekommt.

Imperial ist in der Vergangenheit nicht besonders stark im Stückgutbereich aufgetreten …

Mühling: Richtig. Wir sind im Bereich Road sehr stark im Industriegeschäft und im Transport, aber wir haben kein eigenes Stückgutnetzwerk. Und daher wollen wir eine Lücke schließen. Deutschland ist dabei der Vorreiter für Europa – wenn man hier nicht stark ist, verpasst man die Entwicklung in ganz Europa. Wir haben aber auch mit Palletways in den vergangenen Jahren gesehen, wie schwierig es im Stückgutmarkt und auch im Wettbewerb mit den Großen der Branche ist. Deswegen ist es gut, eigene Allianzen zu schmieden.

Palletways hat ein anderes System als VTL und ist etwa auf die seitliche Beladung spezialisiert …

Mühling: Das ist richtig, und das ist auch der Vorteil, weil Palletways damit Güter transportieren kann, die nicht in die normale Stückgutproduktion passen. Mit VTL haben wir dann eine Ergänzung für die standardisierte Palette.Knecht: Der Zusammenschluss hilft uns auch, das Produkt Palletways in Deutschland zu stärken und bekannter zu machen.

Wollen Sie sich mit dem Thema Stückgut und palettierte Sendungen auch den Bereich B2C erschließen?

Mühling: Das steht nicht an erster Stelle, zumal Palletways bereits im B2C-Segment aktiv ist. Im Fokus sind weiterhin unsere B2B-Kunden. Und gerade unsere bestehenden Kunden haben uns immer wieder nach einer Lösung im Stückgutbereich gefragt. Wir bieten das natürlich auch jetzt schon an, indem Partner für uns die Distribution übernehmen. Aber durch die Fusion ergeben sich nochmals Synergiemöglichkeiten dahin gehend, dass wir unser eigenes Netzwerk verstärkt zum Einsatz bringen.

Von der Einzelpalette bis zu Full-Truck-Load – ist dies das Ziel?

Mühling: Das ist es, was die Kunden auch verlangen. Dabei ist es egal, ob auf dem Fahrzeug „Imperial Logistics“ steht, solange wir dem Kunden die volle Transparenz über alle Prozesse garantieren können. So akzeptieren auch unsere großen Kunden, dass wir mit Partnern zusammenarbeiten, sei es in Form eines Joint Ventures oder mit Subunternehmern. Es gibt aber auch Kunden, die wollen, dass Imperial Logistics die Ware auch physisch bewegt.Knecht: Manche Kunden sind reif genug, um über ein 3PL- oder 4PL-Konzept und End-to-End-Lösungen zu sprechen. Wenn das klappt, kann man wirklichen Mehrwert in der Supply-Chain generieren. Bei manchen Kunden fehlt noch das Verständnis, dass es irgendwann nicht mehr geht, die Kosten im Transport pro Palette zu reduzieren. Dann geht es um die Prozesse, um ganzheitliche Lösungen in der Logistik. Das macht Imperial ja auch mit der Kontraktlogistik.

Ist sie das wichtigste Standbein?

Mühling: Sie ist sicher ein wesentliches Standbein, wobei man unterscheiden muss: Im Transportbereich haben wir mit unseren Industriekunden etwa aus der Automobil- oder chemischen Industrie auch langfristige Kontrakte, in deren Rahmen wir geplante, langfristige Just-in-time- oder Just-in-sequence-Touren oder nach dem Milkrun-Prinzip in einem geschlossenen System fahren – auch das sehen wir als Kontraktlogistik. Denn anders als der klassische Straßentransporteur, der nur „one way“ fährt, sind wir bei unseren Kunden langfristig integriert. Das ist unser Fokus und auch margenträchtiger.

Welches sind dabei die Hauptbranchen?

Knecht: Auf Gruppenebene haben wir in der Automobilindustrie und in den Bereichen Chemie und Industrie eine sehr starke Kompetenz, ebenso in der Agrarindustrie. Wie wichtig ist für solche Unternehmen das Thema Innovation in der Supply-Chain?Knecht: Für einen der führenden Aufzughersteller in Europa setzen wir die gesamte Ersatzteillogistik in Europa um und erschließen uns dabei inzwischen auch die 3-D-Druck-Technologie. An unserem Standort Herten arbeiten wir gerade an den Prototypen. Die Teile werden dann von dem Standort an die Kunden zugestellt. Das reduziert die Kosten ungemein. Bislang werden die Teile in China hergestellt. Der Anlieferungspreis für Europa liegt bei 180 US-Dollar. Wenn wir das Teil aber hier herstellen, wird es 40 US-Dollar kosten. Das bedeutet einen enormen Veränderungsprozess für die Lieferkette.

Wie stößt Imperial diese Veränderungen an?

Mühling: Wir unterhalten in Berlin ein sogenanntes Supply Chain Lab, in dem wir, auch gemeinsam mit unseren Kunden, neue bedarfsgerechte digitale Lösungen entwickeln und ausprobieren.Knecht: Ein Fokus ist unter anderem das Thema Fahrzeugbatterie gewesen. Unsere Experten haben den gesamten Lebenszyklus von der Gewinnung der Rohstoffe bis hin zum Recycling analysiert. Daraus haben sie abgeleitet, welche Herausforderungen das für die Logistik bringt.

Wie arbeitet das Lab?

Knecht: Im Supply Chain Lab stellen wir die Teams je nach Know-how-Bedarf und Projektthema zusammen. Im Beispiel der erwähnten Autobatterien waren das zwei Mitarbeiter aus dem Innovation-Team sowie Führungskräfte aus den Bereichen Automotive und Industrial.

Da sind branchenübergreifende Kompetenzen gefragt.

Mühling: Ich selbst war auch schon in solchen Teams mit dabei, als es um das Thema Lkw ging. Unsere Kunden haben eine Menge optimierungsbedürftiger Prozessschritte, die wir dort bearbeiten. Die Ergebnisse verbessern auch unsere Zukunftschancen.

Wo sehen Sie Wachstumsmöglichkeiten?

Knecht: Kontraktlogistik ist neben dem Transport und den End-to-End-Lösungen ganz klar Teil unserer Wachstumsstrategie in den fünf Bereichen, in denen wir tätig sind: Automotive, Chemicals, Consumer, Healthcare und Industrial. Wir möchten uns aber auch im Bereich Luft- und Seefracht verstärken, etwa durch punktuelle Akquisitionen.

Welche Akquisitionen könnten das sein?#

Mühling: Wir bitten um Verständnis, dass wir dazu noch keine Details nennen.

Imperial International hat seinen Sitz in Duisburg, die Mutter aber ist aus Südafrika – was bringt dieser globale Hintergrund?

Knecht: Natürlich gewisse Kundenkontakte, die wir uns aber auch weiter erarbeiten müssen. Auf der Transport Logistic in München ist Imperial Logistics das erste Mal unter einem einheitlichen Brand aufgetreten. In Afrika, besonders in Südafrika, hat Imperial Logistics eine ganz einmalige Stellung und realisiert tolle Logistikprojekte. Von diesem Wissen können wir auch in Europa profitieren.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Knecht: Der Consumer-Healthcare-Bereich von Imperial Logistics kauft zum Beispiel dem Pharmaunternehmen Glaxo-Smith-Kline-Produkte ab und beliefert damit die afrikanischen Märkte, also Apotheken und Verkaufsstellen, von denen manche in weit abgelegenen Gebieten liegen. Das sind mittlerweile allein in Nigeria 350 Verkaufsstellen. Im Sinne der Produkthaftung ist weiter der Hersteller verantwortlich, aber wir übernehmen die Verantwortung für die Verteilung, weil der Hersteller diese nicht ganz einfachen Märkte nicht selbst beliefern kann. Dieses Distributor-Modell ist auch Teil unserer globalen Strategie, denn es gibt viele Märkte, wo man es anwenden könnte.

Global gesehen zeigt sich die Wirtschaft aber derzeit eher unsicher. Was ist Ihr Eindruck?

Knecht: Bei allen Diskussionen über Handelsbeschränkungen zum Beispiel durch Strafzölle und die Frage, wohin die Wirtschaftspolitik der USA führt, dürfen wir den wachsenden Einfluss der Chinesen nicht vergessen. Die schauen sich nämlich gerade nach neuen Partnern um. Für Imperial Logistics mit dem starken Fokus auf Afrika bieten sich da interessante Möglichkeiten, nicht zuletzt, weil die Chinesen richtig investieren – da geht sprichwörtlich die Post ab. Ich finde es positiv, dass damit Impulse nicht nur allein aus den USA kommen. Und ich wage die Prognose, dass 2030 China die größere Wirtschaftsmacht als die USA sein wird, allein schon wegen der enormen Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden Menschen. Man kann die Augen verschließen und das nicht wahrhaben wollen, aber es ist nun einmal unsere Realität und eine sehr spannende noch dazu.

Foto: Ilona Jüngst
Sandro Knetch, CCO bei Imperial Logistics International und Srecko Mühling, Vice President Commercial Road bei Imperial Logistics International.

Die Personen

  • Sandro Knecht ist seit Jahresbeginn Chief Commercial Officer (CCO) bei Imperial Logistics International. Davor war der gebürtige Schweizer sieben Jahre bei Ceva Logistics, zuletzt als Executive Vice President Global Supply Chain Solutions, sowie bei Panalpina

  • Srecko Mühling begann 2006 bei Imperial Logistics International und ist seit April Vice President Commercial Road.Zuvor war er lange Jahre bei DB Schenker sowie Frans Maas Deutschland tätig.

Das Unternehmen

  • Der Logistikdienstleister Imperial Logistics hat seinen Hauptsitz in Südafrika und mehr als 30.000 Mitarbeiter in 38 Ländern
  • Imperial Logistics International (Sitz: Duisburg) ist dabei neben den Divisionen Südafrika und Afrikanische Regionen als Division International für alle Logistikaktivitäten außerhalb Afrikas verantwortlich
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
trans aktuell, Ausgabe 18/2019
trans aktuell 18 / 2019
13. September 2019
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