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Hitze legt Transport lahm

Von Niedrigwasser und platzenden Reifen

Extremes Niedrigwasser am Rhein bei Düsseldorf Foto: Imago/Jochen Tack

Die langanhaltende Hitze und Trockenheit sowie Unwetter machen dem Transport zu schaffen. Lkw, Schiff und Bahn betroffen.

13.08.2018 Regina Weinrich

Die langanhaltende Hitze und Trockenheit ebenso wie Unwetter haben auch dem Transportsektor zu schaffen gemacht. Die Probleme für die Schifffahrt sind aufgrund niedriger Pegelstände enorm, auf den Autobahnen muss mit Reifenplatzern und aufgesprungenen Betondecken gerechnet werden, Flugverkehr und Schiene leiden unter Gewitterstürmen und umgestürzten Bäumen.

Auf dem Rhein als Europas wichtigster Binnenwasserstraße werden 80 Prozent des Schiffsgüterverkehrs abgewickelt. Die Schiffe konnten in der vergangenen Woche wegen extremen Niedrigwassers jedoch nur zu einem Drittel beladen werden. Zwar fahren jetzt auch deutlich mehr kleinere Barges mit geringerem Tiefgang, aber die geringere Auslastung treibt die Kosten, und die Kapazitäten reichten trotzdem nicht aus, berichtet der trimodale Container-Dienstleister Contargo. „Wir schaffen es, die Fracht zum größten Teil auf unsere Züge umzubuchen, aber das eine oder andere muss auch auf der Straße gefahren werden“, sagte Kawus Khederzadeh, der für den Vertrieb zuständig ist.

Contargo erhebt Kleinwasser-Zuschläge

Contargo arbeitet mit Kleinwasser-Zuschlägen, die bei einem Wasserstand von 0,80 bis 0,71 Metern am Pegel Kaub für einen voll beladenen 40-Fuß-Container bei 225 Euro lagen, ab 0,70 Metern wurden 300 Euro fällig. Durch die Hitzewelle haben sich zudem in Rotterdam und Antwerpen die Wartezeiten für die Schiffe verlängert, wo es ohnehin schon große Verzögerungen gab. Das kann durchaus die Wirtschaftlichkeit des an sich kostengünstigen und vergleichsweise umweltfreundlichen Binnenschiffs in Frage stellen. „Es gibt Abwanderungen auf die Straße“, sagte Khederzadeh.

Aber auch dort ist, von knappen Kapazitäten einmal abgesehen, nicht alles rosig. Einige Autobahnen vertragen keine Hitze, so dass bei mehr als 30 Grad sogenannte „Blow-Ups“ entstehen können. Die Betondecken platzen plötzlich auf, was schwere Unfälle auslösen kann. In Sachsen musste deshalb die rechte Spur der Autobahn A 9 zwischen Bad Dürrenberg und Leipzig-West gesperrt werden. Im Autobahndreieck Heumar wiederum war die Verbindung von der A4 aus Aachen auf die A3 nach Oberhausen nur noch einstreifig befahrbar, weil sich auf der rechten Spur laut Straßen NRW im Asphalt „extreme Spurrillen“ gebildet hatten. Eine Reparatur war wegen anhaltend hohen Temperaturen zunächst nicht möglich.

Blow-ups hatte es bereits im Mai auf mehreren Autobahnabschnitten gegeben, so auf der A1 bei Bad Oldesloe und auf der A10 bei Berlin. Aber auch wenn der Deutsche Wetterdienst dazu auffordert, beim Bau von „langlebigen Infrastrukturen“ die möglichen Veränderungen der klimatischen Bedingungen zu berücksichtigen, tun sich die Behörden damit schwer. Bei der Bundesanstalt für Straßenwesen wird derzeit noch über Projekte und Strategien diskutiert. „Wie sich die Temperaturen in der Straßenkonstruktion genau verteilen ist bisher nicht abgesichert bekannt“, stellt sie fest.

ADAC Truckservice warnt vor brennenden Reifen

Der ADAC Truckservice hat angesichts der Witterung vor Reifenbränden gewarnt. „Extreme Hitze in Kombination mit zu niedrigem Luftdruck ist eine der häufigsten und meist unterschätzten Ursachen für Reifenschäden“, sagte Christoph Walter, Geschäftsführer von ADAC Truckservice. Klettert das Thermometer für längere Zeit deutlich über 30 Grad kann der Asphalt bis zu 60 Grad heiß werden. Die Reifen werden weicher, verschleißen schneller, überhitzen und können Feuer fangen. Der Fülldruck sollte am kalten Reifen geprüft und außerdem - ebenso wie das Reserverad - genau auf Beschädigungen untersucht werden.

Eine massive Unwetterfront mit starken Windböen hat den Verkehr zwischenzeitlich zusätzlich beeinträchtigt. Der Flughafen in Frankfurt musste kurzzeitig komplett gesperrt werden, die Bahn hatte insbesondere in Norddeutschland tagelang mit Zugausfällen und Verspätungen wegen umgestürzter Bäume zu kämpfen, aber auch auf Autobahnen gab es Sperrungen wegen umgestürzter Bäume. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt verweist darauf, dass sich die Lage an den Flüssen bei ergiebigem Niederschlag innerhalb weniger Tage wieder normalisiert. Meteorologen gehen allerdings inzwischen davon aus, dass die Dürre bis weit in den September hinein anhalten könnte.

Was tun bei Reifenplatzern?

  • Kommt es zu einem nicht zu überhörenden Reifenplatzer, sollte der Fahrer dosiert zwischenbremsen und den Lkw ausrollen lassen. Auf keinen Fall sollte eine Vollbremsung gemacht werden, rät der ADAC Truckservice. Fange ein Reifen Feuer, sei es bei Zwillingsbereifung angeraten, mit Warnblinker schlingernd weiterzufahren, bis sich der Reifen von der Felge gelöst hat. „Hält der Fahrer sofort an, greift mit hoher Wahrscheinlichkeit das Feuer auf den ganzen Lkw über“, warnt der Verband.
  • Mit Single-Bereifung oder einem Reifenbrand an der vorderen Lenkachse, sollte man allenfalls mit Schrittgeschwindigkeit weiterfahren. „Sobald der brennende Reifen platzt oder sich von der Felge löst, wird das Fahrzeug in der Regel unkontrollierbar und kann bei höheren Geschwindigkeiten mit Leichtigkeit zum Beispiel eine Leitplanke durchbrechen“, so der ADAC Truckservice.
  • Generell sollte so früh wie möglich die Feuerwehr alarmiert werden, möglichst noch während der Fahrt. Wichtig sind eine genaue Beschreibung der Fahrzeugposition sowie Informationen zur Ladung, vor allem wenn es sich um Gefahrgut handelt.
  • Bei eigenen Löschversuchen sollte das Feuer in kurzen Stößen und möglichst nah von unten nach oben sowie in Windrichtung bekämpft werden. Dabei ist es lebenswichtig niemals direkt vor dem Reifen, also in Achsrichtung zu stehen, sondern schräg versetzt oder in Fahrtrichtung.
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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Carsten Nallinger Carsten Nallinger Lkw-Navigation
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