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Anaxco setzt zum Höhenflug an

Im Labor geht's um Drohnen und VR-Brillen

Drohne bei der Inventur im Lager Foto: Doks Innovation/Patrick Tiedtke

TMS- und WMS-Experte Anaxco gewährt Einblick ins Labor. Dort wird an der Integration von Drohnen sowie VR-Brillen gearbeitet.

13.08.2018 Carsten Nallinger

Auf welche technischen Neuerungen darf man sich in der Logistik einrichten? Die Antwort darauf liefert der Entwickler von Transport- (TMS) und Warehouse-Management-Systemen (WMS) Anaxco, das Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Schwelm. „Es gibt einige Technologien, bei denen es Sinn macht, diese im TMS- und WMS-Bereich einzubinden“, erklärt Key-Account-Manager Dietmar Haveloh, der zugleich Teil der Anaxco-Geschäftsleitung ist, im Gespräch mit TeleTraffic.

Inventardaten kommen von den Drohnen ins WMS

Sinn mache unter anderem der Einsatz von Drohnen. Ein Einsatzgebiet, welches das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) mit seinem Forschungsprojekt „InventAIRy“ verfolgt. Ziel des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderten Technologieprogramms ist eine automatische Inventur mithilfe autonom fliegender Drohnen. Die gewonnenen Informationen sollen dann mittels Webservices und intelligenter Schnittstellen an Drittsysteme wie beispielsweise WMS-Lösungen übertragen werden. An dieser Stelle kommt Anaxco ins Spiel. Für den Kunden Hartmann International arbeitet Anaxco gerade daran, die AX-Cargosuite-WMS-Applikation auf die neue Cloud-basierte Microsoft-Dynamics-365-Version zu portieren. Der Paderborner Logistikdienstleister setzt seit 2013 auf die IT-Lösung von Anaxco, die wiederum auf dem ERP-System (Enterprise-Resource-Planning) Microsoft Dynamics AX aufsetzt.

„Für strahlende Gesichter gesorgt“ hat laut Haveloh auch die Präsentation der Microsoft Holo­lens beim letzten Friendly User Day von Anaxco. Auch wenn der Einsatz in der Logistik – anders als bei der Drohne – eher etwas weiter in der Zukunft liegt. Das liegt in erster Linie noch an der bestehenden Technik. Denn die ist mit mehr als 3.500 Euro noch verhältnismäßig teuer. Zudem ist die Hololens noch nicht wirklich bequem zu tragen, da die Augmented-Reality-Brille recht groß und schwer ist. Somit ist sie – Stand heute – aufgrund der arbeitsrechtlichen Vorschriften bislang nicht für beispielsweise den dauerhaften Einsatz im Lager geeignet. Auf der Haben-Seite des Microsoft-Produkts steht allerdings, dass sowohl alle Sensoren als auch Lautsprecher und eine eigene Recheneinheit bereits integriert sind.

3D-Karte im Raum entsteht wie von selbst

So erstellt die Hololens selbsttätig eine 3D-Karte der Räume, durch die der Nutzer geht. Der kann dann im realen Raum virtuelle Fenster verteilen, auf denen die von ihm gewünschten Informationen eingeblendet werden. Der Clou: Das System merkt sich die entsprechende Positionierung. Kommt der Nutzer das nächste Mal vorbei, sind die Fenster nach wie vor platziert – dann natürlich mit aktuellen Daten.

Anaxco-Entwickler Sascha Hirsch Foto: Carsten Nallinger
Anaxco-Entwickler Sascha Hirsch arbeitet an logistischen Anwendungen für die Hololens-Brille von Microsoft.

„Des Weiteren lassen sich Barcodes erfassen oder auch ein dreidimensionales Foto eines Transportschadens aufnehmen“, berichtet Sascha Hirsch, Software-Entwickler bei Anaxco. Ziel sei es auch, sich Packstück-Informationen einblenden lassen zu können. Noch ist der Bereich, in dem die Infos eingeblendet werden, recht schmal. „Die neue Version der Hololens, die demnächst auf den Markt kommt, wird an der Stelle Abhilfe schaffen“, berichtet Hirsch gegenüber TeleTraffic. Zudem hofft er auf eine längere Akku-Laufzeit. Die ist mit derzeit zwei Stunden noch recht überschaubar. „Zu guter Letzt müssen wir dann noch die Hololens mit der Lagerortung zusammenbringen. Das Zusammenspiel mit dem WMS wäre dann ein echter Mehrwert.“

Ana hört aufs Wort

Ebenfalls noch in den Kinderschuhen steckt das Projekt Ana (in Anlehnung an den Firmennamen). Gemeinsam mit der Spedition Schmidt-Gevelsberg, aus der heraus Anaxco gegründet wurde, ging es zunächst um das Entwickeln eines Lagermonitors. Die Idee: Auf einem 55 Zoll großen Bildschirm sollen im beständigen Wechsel Informationen zur Auslastung, zu Sendungszahlen wie auch zur Server-Gesundheit eingeblendet werden.

„Wenn ich das erste Dashboard brauche, das System in der Dauerschleife von zehn Tafeln aber gerade erst auf der zweiten ist, brauche ich viel Geduld“, umreißt Hirsch die Herausforderung. Und schon war die Idee einer Sprachsteuerung geboren. Statt „Okay, Google“ heißt es in diesem Fall „Okay, Ana“. Auf den Sprachbefehl „Frage Projekt Ana nach Sendungseingang“ folgen dann ausgewählte Infos zu den letzten Tagen über den Verlauf bis hin zu einem historischen Vergleich – etwa mit der Vorwoche. „Wir sind aber bereits daran, die Algorithmen, die hinter der Antwort stehen, noch intelligenter zu machen.“

Die Idee: Sprachsteuerung des Lagermonitors

Wobei die ursprüngliche Idee, Ana zum Steuern des Lagermonitors zu verwenden, bereits wieder Geschichte ist. Der bekommt nun einen Taster, mit dem sich in der Anzeige vor- und zurückspringen lässt. Grund: „Für diese Art der Bedienung ist es in der Halle zu laut.“ Umsonst waren die Bemühungen dennoch nicht. „Nun bekommt der Geschäftsführer oder auch der Lagerleiter nach den Nachrichten gleich 120 Sekunden Sprach-News zum eigenen Unternehmen“, berichtet Hirsch. Das können dann, je nach Gusto, die aktuellen Unternehmenskennzahlen oder auch Sendungszahlen sein.

Dietmar Haveloh von Anaxco. Foto: Anaxco
Für Dietmar Haveloh, Key-Account-Manager von Anaxco, ist das Customer Engagement Portal (CEP) ein Meilenstein in Sachen Transparenz.

Deutlich greifbarer ist das sogenannte Customer Engagement Portal (CEP). Dabei handelt es sich um ein Webportal, das Nutzer der AX Cargosuite zur Anbindung ihrer eigenen Kunden verwenden können. Diese haben dann beispielsweise den Überblick über alle Sendungen. „Das wird nämlich immer dann schwierig, wenn eine Spedition in mehreren Kooperationen aktiv ist“, sagt Haveloh. Letztlich müsste der Kunde der Spedition dann zwischen mehreren Kooperationsportalen hin und her wechseln. Mit der Lösung CEP entfällt diese Notwendigkeit, da alle Sendungen in dem System von Anaxco zusammenlaufen. Es gibt je Vorgang fünf Statusmeldungen: Sendung ist abgeholt, im Lager, auf dem Transportweg, in Zustellung, ist zugestellt. Zudem lässt sich einstellen, welcher Kunde welche Einträge wann sehen darf. Theoretisch lässt sich das Ganze sogar bis auf Sendungsebene herunterbrechen.

Das System ist auf Mehrsprachigkeit ausgelegt. Bislang sind allerdings nur Deutsch und Englisch hinterlegt. „An dieser Stelle sind wir aber beliebig ausbau­fähig“, sagt Hirsch. Zudem ist das Portal auch auf die Nutzung auf mobilen Endgeräten hin ausgelegt. „Damit lassen sich etwa besonders wichtige Sendungen, die man entsprechend herauspicken kann, gezielt im Blick behalten“, erläutert Hirsch.

Schmidt-Gevelsberg hat Archiv angebunden

Als Pilot hat Schmidt-Gevelsberg darüber hinaus bereits das eigene Archiv angebunden. So lassen sich dann beispielsweise Ablieferbelege anzeigen. Eine spezielle Ansicht für Subunternehmen ermöglicht es wiederum, auch externe Dienstleister im Blick zu behalten. Wobei diese selbst den Vorteil haben, alle ihnen zugewiesenen Aufträge übersichtlich dargestellt zu bekommen – inklusive der jeweiligen Statusmeldung, die der Subunternehmer vergibt. Einen weiteren Schritt in Sachen Prozessautomatisierung löst Anaxco mittels sogenannter Event-Vorlagen. Hier lässt sich eine weitergehende Vorgehensweise festlegen – etwa bei Großkunden oder A-Kunden –, und zwar immer individuell abgestimmt.

Zur Entlastung der Mitarbeiter im Kundenservice der Spedition könnte schon bald ein Chatbot zum Einsatz kommen. Eine Technik, die bei der Beantwortung von Fragen auf Websites von Telekommunikationsanbietern schon lange angewendet wird. Sind es dort eher Fragen zu Mobilfunkverträgen, wäre das im Fall der Logistik etwa eine Anfrage zum aktuellen Status einer Sendung. Die Anfrage kann dann entweder über ein Chat-Fenster direkt auf dem Webportal erfolgen – oder auch per E-Mail. Lässt sich die Anfrage automatisiert lösen, kommt die Antwort postwendend. Ansonsten geht das Ganze seinen gewohnten Weg über die Servicemitarbeiter. „Die Kollegen dort wiederum sind entlastet, weil eine Vielzahl Standardanfragen erst gar nicht mehr bei ihnen aufläuft“, erklärt Haveloh.

Die Technologie hinter der Spracherkennung kommt ebenfalls von Microsoft. So bringt die Cloud-Computing-Plattform Microsoft Azure den sogenannten Language Understanding Intelligent Service (Luis) mit. Der wiederum ist gekoppelt an die Co­gnitive Services, ein Dienst, den der Software-Konzern aus Redmond beispielsweise für Abfragen im Suchfeld Cortana im Betriebs­system Windows nutzt.

Anaxco vernetzt Flotte und Lager

Ein zusätzliches Thema ist übrigens das Flottenmanagement. Dreh- und Angelpunkt sind die Suchmaschine Bing sowie das Kartenmaterial des Online-Geodatenanbieters Here, der bis vor einigen Jahren ebenfalls zu Micro­soft gehörte. „Daraus entsteht ein Bing für Transport und Logistik“, berichtet Hirsch. Soll heißen, der Nutzer gibt die Abmessungen des Lkw sowie Gewichtsbeschränkungen ein und bekommt eine entsprechende Route angezeigt. Die Lösung wird dann auch gleich mit der Telematik verheiratet, sodass mittels Geofencing ermittelt werden kann, ob eine Sendung rechtzeitig ankommt.

„Ziel ist im nächsten Schritt eine Verknüpfung mit dem Lagermonitor. Da geht es allerdings weniger um eine historische Nachbetrachtung. Vielmehr rücken die aktuellen Sendungen in den Fokus. Wann kommt der Lkw, und an welche Rampe kann er? Und was muss im Lager bis dahin noch vorbereitet werden?“

Das Unternehmen

  • Anaxco gibt es seit 1998 – zunächst unter dem Namen Login
  • Sitz des IT-Dienstleisters ist Schwelm in Nordrhein-Westfalen
  • Anaxco ist ein Tochterunternehmen des Logistikers Schmidt-Gevelsberg
  • Zu den Kunden zählen Firmen aus der Transportbranche wie auch aus Industrie und Handel
  • Im Fokus stehen Logistiklösungen, branchenunabhängige IT-Infrastruktur- sowie RZ-Lösungen, BI und Optimierungspotenziale von Supply-Chain-Schnittstellen und internen Abläufen
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