F-Trucks Deutschland legt los

F-Max startet in Fernverkehrskonfiguration

Foto: Markus Bauer 12 Bilder

Vertreter von Ford Trucks und der neuen F-Trucks Deutschland GmbH haben am Stegmaier-Stammsitz in Crailsheim ihre Zusammenarbeit besiegelt.

„Wir werden die starke neue Marke auf dem größten Markt für Nutzfahrzeuge in Europa.“ So lautet laut Jan Plieninger, einer der drei Gesellschafter und Geschäftsführer von F-Trucks Deutschland, die Mission für den Markteintritt der neune Ford-Lkw in Deutschland. Diese Aufgabe soll im ersten Schritt der bereits vorgestellte und in anderen europäischen Märkten erfolgreiche Ford F-Max schultern. In ein bis zwei Jahren sollen dann, nach der technischen Überarbeitung auf den neuen Entwicklungsstand, auch Fahrgestelle und Co. folgen.

Marc Stegmaier, neben Alex Kröper und Jan Plieninger ebenfalls an der Spitze von F-Trucks, stellt zum Deutschlandstart den neuen F-Max und den historischen Ford Transconti gegenüber. Dieser war ein reiner Komponententruck: Cummins-Motor, Fuller-Getriebe, Rockwell-Achsen, Renault-Kabine, Ford-Pflaume. Gebaut wurde er nur in geringen Stückzahlen, weniger als 9.000 Einheiten und die Technik wurde nicht an europäische Bedürfnisse angepasst. Dazu kam eine schlechte Servicekompetenz. Immerhin: Der Transconti war ein echtes Fahrerauto. Für den Neustart nach mehreren Jahrzehnten liegen die Prioritäten also klar auf der Hand, wie Stegmaier klarstellt.

Stimmiges Gesamtpaket aus Technik, Service und Kosten

Am wichtigsten sei, ein flächendeckendes Service- und Händlernetz aufzubauen. Dazu schult F-Trucks seine Partner mit einem eigenen Trainer und unterstützt auch beim Thema Aftersales. Die Kompetenz hierfür dürfte vorhanden sein. Die Stegmaier Group ist bereits seit mehr als 90 Jahren aktiv und betriebt zum Beispiel ein europaweites Servicenetz für MAN-Lkw. Bis zum Ende des Jahres 2021 will man bereits 30 Stützpunkte in ganz Deutschland ans Netz bringen. Schon Ende 2022 sollen es 60 sein. "Das ist natürlich sehr viel Arbeit", sagt Stegmaier. "Wir müssen Ersatzteillager aufbauen, Schulungen vornehmen, alles aus unserer Hand." Dennoch lautet das Ziel: 100 Service-Standorte bis 2025 und mehr als 25 Händler in ganze Deutschland für schnelle Verfügbarkeit und schnelle Hilfe.

Ein-Produkt-Strategie

Özenc Kirandi, Geschäftsführer Deutschland, Österreich, Schweiz von Ford Trucks greift in einer eigenen Präsentation ebenfalls auf, wie Ford Trucks auf dem deutschen Markt, zusammen mit der familiengeführten Stegmaier Group, Fuß fassen will. Die Strategie laute, eine starke Aftersales-Präsenz zu garantieren mit einem engen Netz an Servicepartnern und hoher Ersatzteilverfügbarkeit, um die Downtime des Lkw zu minimieren. Gleichzeitig gehe es nun darum, die Marke bekannt zu machen. Instrumente hierfür seien auch Roadshows, um so das Fahrzeug direkt zum Kunden zu bringen. Ein Vorteil sei, dass die Marke Ford in der Nutzfahrzeugwelt bereits an sich bekannt sei und die leichten Nutzfahrzeuge, also Transit und Co. viele Freunde in Europa haben.

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Ford geht von einem Marktvolumen von Deutschland von 66.000 schweren Lkw pro Jahr aus. Davon entfallen knapp 60 Prozent auf Sattelschlepper. Daher fiel die Wahl für den Lkw, der in Europa und nun auch hier den Weg bereiten soll auch auf den F-Max. Ford konzentriert sich dabei nicht nur auf einen Einsatzzweck, sondern bekanntlich konkret auf eine Konfiguration: 4x2, 500 PS, Farbe nach Wahl. Dazu kommen noch zwei Ausstattungspakete. Das soll Prozesse während der Anlaufzeit vereinfachen, vor allem Service und Ersatzteile.

Auf die Frage nach den Lieferzeiten gibt sich Ford trotz der bekannten weltweiten Problematik zuversichtlich: "Wir haben eine lange Bestellliste. Dazu kommt die Halbleiterproblematik. Die bereits verkauften Lkw werden vermutlich länger als 12 Wochen dauern. Aber wir wollen die Lkw so schnell wie möglich zum Kunden bringen. Aktuell verkaufen wir bereits die Lkw für März und April, aber wir wollen vor allem jetzt zum Start den deutschen Markt priorisieren und dort eine möglichst schnelle Auslieferung sicherstellen."

Weitere Dienstleistungen

Neben Service und Verkauf will F-Truck auch weitere Dienste anbieten. Dazu zählen beispielsweise flexible Finanzierungsoptionen, Vermietung oder auch Try and Buy. Erst testet der Kunde den Lkw im echten Alltag und kann ihn auf Wunsch direkt aus dem Testzeitraum übernehmen. Das Thema Gebrauchtfahrzeuge will F-Trucks unter anderem per Inzahlungnahme oder mit Rückkaufvereinbarungen abdecken. Doch auch auf Ausstattungsseite sieht man hier Potenzial. So kann der Kunde seinen Ford auch je nach Wunsch direkt veredeln lassen, oder auch zusätzliche Assistenzsysteme nachrüsten lassen.

Neue Zentrale in Crailsheim

Zudem will F-Trucks laut Alex Kröper die Ford-Trucks-Stützpunkte auch in das Netz von Fleet Mobility Concepts (FMC), ebenfalls Teil der Stegmaier Group, einbinden. Dort können bisher Transporterkunden spezialisierte Fahrzeuge mieten, zum Beispiel Glastransporter. "Einen Kastenwagen hat jeder", erklärt Kröper den Mehrwert von FMC in aller Kürze. Aktuell bedeutet dies also, dass zu den 24 FMC-Standorten für leichte Nutzfahrzeuge weitere 16 Standorte für die schweren Nutzfahrzeuge kommen. Zudem entstehe in Crailsheim ein umfassender Neubau, der die gesamten Mobilitätsangebote der Gruppe abdecken soll, vom Fahrrad bis zu den neuen schweren Lkw.

Ausblick: Alternative Antriebe

Auch Ford Trucks sieht, dass künftig an alternativen Antrieben im Lkw kein Weg vorbeiführt. Zum Start gibt es den F-Max aber lediglich mit 500-PS-Dieselmotor. Allerdings gibt es kurzfristig auch aktuell keine echte Alternative für den Fernverkehr, den Ford mit dem F-Max ja im Blick hat. In Zukunft gibt sich Ford relativ technologieoffen, wenn auch vage, was die konkrete zeitliche Abfolge betrifft: "Es gibt einen großen Trend zu alternativen Antrieben. Die ACEA-Mitglieder haben einen Vertrag unterzeichnet, bis 2040 in Europa nur noch fossilfreie Produkte zu liefern. Darauf bereiten wir uns vor. Wir planen, die Lkw zu elektrifizieren, aber auch im Wasserstoffbereich Brennstoffzellen und Wasserstoffverbrenner auf den Weg zu bringen." Letztere seien für die Langstrecke die richtige Wahl. Am Ende ist für Ford aber auch die Infrastruktur für den Wandel entscheidend. Entsprechend werde man dann auch produktseitig Schritt halten. Immerhin: Zusammen mit der RWTH Aachen wird ein auf Elektroantrieb umgebauter F-Max die Technik erproben.

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