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Bürgerentscheid in Weilheim Kommt die Cellcentric-Fabrik?

Luftaufnahme des künftigen Gewerbegebiets Rosenloh in Weilheim an der Teck (Kreis Esslingen). Hier soll vor allem die neue Brennstoffzellen-Fabrik von Cellcentric entstehen. Foto: Cellcentric

Am Sonntag, 24.April, haben die Weilheimer in einem Bürgerentscheid darüber abgestimmt, ob das neue Gewerbegebiet Rosenloh und damit auch die Brennstoffzellen-Fabrik von Cellcentric entsteht. Hier die Ergebnisse.

Große Plakate in der kleinen Stadt: Mit überdimensionalen Transparenten werben die Befürworter, mit Traktoren machen die Gegner mobil. Weilheim an der Teck (Kreis Esslingen) am Fuß der Schwäbischen Alb steht vor einer Weichenstellung – oder mit Blick auf die Bürgerschaft vor einer Zerreißprobe. Bleibt das Landschaftsbild bewahrt oder müssen Grünflächen für ein großes Bauprojekt weichen? Dieses hat nicht nur für die beiden, eigenen Angaben zufolge, weltgrößten Lkw-Hersteller enorme Bedeutung, sondern auch für Baden-Württemberg: Die grün-schwarze Landesregierung hat sich der Klimaneutralität verschrieben und will die Antriebswende nicht zuletzt mit diesem Projekt vorantreiben.

Das letzte Wort hatten die Bürger: Am Sonntag durften sie darüber entscheiden, ob in ihrer Stadt das neue Gewerbegebiet Rosenloh entsteht, das in den vergangenen Monaten Anlass für heftige Diskussionen bot. Das Wahlergebnis fiel klar aus: Mit 70,07 Prozent sprach sich die überwiegende Mehrheit bei einer Wahlbeteiligung von 60,7 Prozent für das Zukunftsprojekt aus. „Der positive Bürgerentscheid gibt uns die Möglichkeit, ortsansässigen Betrieben Perspektiven für eine Entwicklung in der Stadt zu geben. Arbeitsplätze und Steuerkraft werden hier gebunden. Zudem erhalten wir die Möglichkeit, das geplante Klimawerk von Cellcentric anzusiedeln – eine Riesenchance für Weilheim, aber auch für ganz Baden-Württemberg.“ erklärte Bürgermeister Johannes Züfle (Freie Wähler). Das Votum ist bindend.

Einzigartig in Europa

Befürworter und Gegner zeigten sich bis zuletzt siegessicher. Auch auf einer Informationsveranstaltung am 12. April in der örtlichen Stadthalle zeigte sich noch kein endgültiges Bild. Nun steht also fest: Cellcentric – ein Joint Venture zwischen Daimler Truck und der Volvo Group – darf auf dem 30 Hektar großen Areal rund die Hälfte der Fläche für eine neue Brennstoffzellen-Fabrik beanspruchen, die neue Maßstäbe setzen soll und europaweit einzigartig sein dürfte. Das Gewerbegebiet ist verkehrsgünstig in der Nähe der A8 gelegen. Geplant ist zudem der Bau einer Entlastungsstraße, um den Lärmpegel im Dorf zu senken.

Die Gewerbetreibenden hatten die Werbetrommeln kräftig für die Ansiedlung der Brennstoffzellen-Fabrik gerührt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) machte das Vorhaben zur Chefsache. Am 12. April warb er vor rund 200 Weilheimer Bürgern für das für ihn zukunftsweisende Bauprojekt. Vorausgegangen war eine Begehung, bei der sich Kretschmann mit Weilheims Bürgermeister Züfle, weiteren Parlamentariern sowie den Verantwortlichen von Cellcentric vor Ort ein Bild machte. Viele Weilheimer nahmen die Gelegenheit ebenfalls wahr und folgten der Begehung, die dem Bürgerdialog vorausging. Züfle sieht mit dem Gewerbegebiet große Chancen für die Region und machte sich daher noch einmal öffentlich dafür stark. Die anwesende Cellcentric-Delegation zeigte sich ebenfalls optimistisch. „Wir wollen hier, in der Region, in der schon das Automobil erfunden wurde, zum weltweiten Vorreiter für klimaneutrale Antriebe werden“, bekräftigte Cellcentric-Vorstandschef Dr. Matthias Jurytko gegenüber trans aktuell

Er sieht Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antriebe besonders auf der Langstrecke als eine sinnvolle Option. Vor allem Kriterien wie Reichweite, Tankzeiten und Gewicht sprechen nach Cellcentric-Überzeugung für die Technologie. Weilheim wäre hierbei der Wunschstandort für das „Klima-Werk“ – wie das Unternehmen die Brennstoffzellen-Fabrik bezeichnet. „Das Klima-Werk tut dem Klima gut. Die Brennstoffzellensysteme, die wir in Weilheim produzieren, helfen, die weltweiten CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren“, erläutert Cellcentric-COO Lars Johansson.

Bürgerdialog wichtig

Cellcentric begrüßt den offenen Dialog mit den Bürgern. Bereits seit Mitte März war das Unternehmen mit einem Informationsstand für alle Interessierten auf dem örtlichen Marktplatz vertreten. Die Weilheimer hatten so die Möglichkeit, Fragen an die Cellcentric-Vertreter zu stellen. Jurytko zieht positive Erkenntnisse aus dem Dialog: „Die Region und die in der Region ansässigen Unternehmen sind für ihre Technologieoffenheit bekannt, die Menschen wollen an der Transformation teilhaben“. Weilheim trage durch die Fabrik zu einem entscheidenden Teil dazu bei, CO2-Emissionen zu verringern. „Das Werk soll von Tag eins an CO2-neutral produzieren, dabei setzen wir auch auf grünen Wasserstoff, den wir über Elektrolyseur vor Ort produzieren“, erklärt Johansson. Zudem plant Cellcentric, ökologisch gestaltete Grünflächen als Ausgleich für den Flächenverlust anzulegen. Das Dach des Gebäudes soll ebenfalls begrünt werden. Aber letztendlich lag die Entscheidung bei den Weilheimern selbst: „Ja“ haben sie entschieden. Die Bauarbeiten sollen nun im kommenden Jahr beginnen. Bereits 2025 oder spätestens Anfang 2026 soll dann die Serienproduktion starten.

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